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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1892-04-01 · Heft 4 (1.4.1892) · p. Seite 81

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
12 (1892)
Issue
Heft 4 (1.4.1892)
Date
1892-04-01
Page
Seite 81 (sequence 9)
Language
German
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81 erlassene Bannbulle dahin gelangt war, in seiner Vaterstadt mit königlichen Ehren empfangen. Er hielt nun öffentliche Vorträge, in welchen er zur Buße und zur Vorbereitung für das eintretende Gottcsreich anfforderte, verweilte oft lange betend in der Synagoge, verteilte große Sumingi unter die Armen. Inzwischen langten von weit und breit Huldigungsschreiben an ihn an, in welchen ihm Titulaturen, wie „König Israels, Gesalbter des Gottes Jakobs" beigelegt wurde». Diese Schreiben wurden herumgezeigt, damit man sehe, daß er schon überall als Messias anerkannt sei. Den Rabbiner der portugiesischen Synagoge, Mose Galante, hatte er für sich gewonnen und dieser erklärte in seiner Gemeinde, daß Sabbatai der Messias sei. In der Synagoge desselben hielt nun Sabbatai am darauffolgenden Sabbat eine Predigt, hob für diesen Tag das übliche Gebet ans ließ Männer und Frauen zur Torah aufrufen, theilte als vorgeblicher Herr der Welt Königreiche aus, ernannte seinen Bruder zum Sultan, eine» anderen zuin römische» Kaiser u. dgl mehr. Die Rabbineu wollten ihn zur Rechenschaft ziehen und durch die Behörde bestrafen, aber dafür war schon vorgesorgt, der Kadi von Smyrna hatte längst sein Douceur in der Tasche und die Rabbinen konnten nichts machen. Ja xr war bald mächtig genug, den Oberrabbiner, der gegen ihn ausgetreten, abzusetzen und an seiner statt eine ihm genehme und gefügige Persönlichkeit an die Spitze der Gemeinde stellen zu können. Der Ruf, von Sabbatai's Erfolgen verbreitete sich, durch Natan Gazzati's Lügenbriefe vielfach übertrieben, weit und breit, bald hatte er in der ganzen Judenheit keine Gegner, der Messiascultus griff epidemisch um sich und die gelehrtesten Männer wurden von der neuen Glaubenskrankheit ergriffen. Es langten in Unzahl Huldigungsschreiben und Geschenke ein und der Andrang von Fremden, die nach Smyrna gekommen waren, nur um den Messias zu sehen wurde täglich größer- In der Türkei standen an vielen Orten Propheten und Prophetinnen auf, die sich unter wunderlichen Bewegungen und Zukungen zur Erde warfen und in hebräischer oder soharistisch-aramäischer Sprache Sabbatai's Messianität verkündeten. In Konstaninopel allein gab es 800 Propheten In Smyrna lebte fast kein Jude, der es nicht war Diejenigen, die Sabbatai nicht anerkennen wollten, tvurden wieder von seinen fanatischen Anhängern verfolgt. Selbst auf mohamedanischen Anhang rechnete Sabbatai. Sein Hauptirrtum war, daß er selbst an seinen inessianischen Beruf glaubte und verblendet von seinen bisherigen Erfolgen, von der außerordentlichen Anerkennung, die ihm zu Theil geworden, sich einbildete, die Vollführung seiner phantastischen Pläne werde ihm durch selbstewußtes kühnes Auftreten mit der Zeit gelingen. Es ist unbeschreiblich, welche freudige Aufregung in der jüdischen Welt, sowohl im Oriente als auch' in Europa dainals herrschte. Auch in der christlichen Welt interessirte man sich lebhaft für diese Angelegenheit. Die Gesandten in Konstantinopel erstatteten über diese Ereignisse Berichte an ihre Souveräne, es wurden Schriften veröffentlicht, in denen von denselben Mittheilung gemacht wurde „nd man glaubte, daß diese unter den Juden entstandene Bewegung nicht so ga»z resultatlos verlaufen werde. Im Winter des Jahres 1666 reiste Sabbatai i» Begleitung seiner Frau und seiner Brüder nach Konstantinopel, um dem Sultan vorgestellt zu werden und er meinte bei dieser Gelegenheit nichts geringeres, als die Krone von ihn« zu empfangen. Der Sultan Mohamed IV. befand sich gerade in Adrianopel er theilte aber dem Großvezier, auf dessen schriftliches Befragen, den Befehl Sabbatai sofort in Haft bringen zu lasse». Er wurde aus eine Festung, die nur für Gefangene von höchstem Range bestimmt war, gebracht

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