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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1892-04-01 · Heft 4 (1.4.1892) · p. Seite 76

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
12 (1892)
Issue
Heft 4 (1.4.1892)
Date
1892-04-01
Page
Seite 76 (sequence 4)
Language
German
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lischen Könige": -„Ich sah, wie Jude» ein Haus für einen Esel Hingaben, einen Weinberg für ein' wenig Tuch oder Leinwand"- Der Chronist Mariaua schreibt: „Diese Maßregel der Grausamkeit, nicht des ReligionSeifers, trieb 800,000 Juden aus Spanien " Und Llorente knüpft daran die Bemerkung, daß wen» inan hierzu noch die Pertreibnng der Mauren nach Afrika, die Auswanderung von Christen nach Amerika rechnet, Ferdinand und Jsabrlla 2 Miklionen Unter thanen verloren, was jetzt <1817) einen Verlust von 7 Millionen Seelen für Spanien bedeute! I» Arragonien zivoselbst die Juden 1428: 10 Synagoge» besaßen) waren Juden verschuldet: Die Regierung legte bei Erlaß des Ausweisungsbefehls ihre Güter zu Gnnsteü ihrer Gläubiger mit Beschlag. Prrscott jl. 523) urteilt über die Standhaftigkeit der spanischen Inden, die lieber in die -Ferne zogen, ehe sie ihren Glauben wechselten, also: „Dieser außerordentliche jZng von Selbstverleugnung eines ganzen Bolkes mag wohl im 10. Jahrhundert l andere Benennungen, als Treulosigkeit, Unglaube und halsstarrigen Eigensinn verdienen, womit der würdige Pfarrer von Palaeios sich veranlaßt gesellest hat, ihn zu brandmarken." -Zur Zeitj der Abreise, Ende Juli 1402, war Alles mit Auswandcre» bedeckt. Alt und Jung. -Kranke und Hülflose. zu Pferd, su Maulesel, die Meisten zu Fuß — so rserlicßen sie Spanien. S(_>,00o gingen nach Portugal, woselbst ihnen König Johann II. gegen eine Kopfsteuer von 1 Crneiado den Durchzug gestattete: geschickten Künstlern soll er die Niederlassung gewährt haben. Biele sollen wirklich gehofft haben, daß das Wunder vom roten Meere sich ihnen erneuere. Die Flüchtlinge wurden zu teuern Preisen in Schiffe anfgenoininen und j fuhren nach Afrika, nach anderen Ländern des Mittelmeeres. Ein großer Teil! wurde ans dem Wege nach Fez von Räubern angefallen» beraubt, nach angeblich i» Kleidern eingenähtem, in Sättel» verstecktem Gelde untersucht, ja des etwa verschluckten Goldes wegen getötet. Bon ihnen kehrten Biele verzweifelt zurück ynd »ahiiieu die Taufe. Es sollen so viele gewesen sein, daß die Priester sich des Mops zum Besprengen beim Tanfact bedienen mußten. „So wurde — schreibt ein zeitgenössischer Priester, von seinem Standpunkte naiv, von nnserem in bitterster Ironie: den Trübjalen dieser armen unglücklichen Geschöpfe durch ein vortreffliches Heilmittel ein Ende gemacht, dessen Gott sich bediente, ihnen die Augen zu öffne», womit sie nun sahen, wie eitel die Versprechungen der Rabbiner gewesen, so daß sie, ihren alten Ketzereien entsagend, zu treuen Anhängern des-Kreuzes wurden." Rach Bernaldy solle» die Inden trotz des Verbots viel Gold in Strümpfen, Sätteln, selbst verschluckt in Mund und Magen mitgenommen haben, letzteres habe man bei Eröffnung ihrer Leiche» gefunden. Thatsache ist, daß das Gerücht viele Morde an den jüdischen Flüchtlingen veranlaßte. „Alles das — schließt Llorente — hat Torguemada's Fanatismus, Ferdinand's Geiz und Aberglaube, Jsabella's blinder Eifer und Wahn veranlaßt." Torgucmada hat in den 18 Jahren seiner Jngnisitionsthätigkeit 10,240 Menschen verbrannt, 07,321 „versöhnt" d. h. mit Gefängnis- und Gütcreinziehnng bestraft, 114,401 Familien das Dasein vernichtet. Biele Flüchtlinge wanderteii nach Italien aus. Die in Neapel landeten, brachten ansteckende Krankheiten mit, tvcil sie in kleinen, schlecht versorgten Schiffen so lange Zeit «stngesperrt waren. Ein Genueser Augenzeuge berichtet: „Niemqnd konnte die Leidfn der verbannten Juden ohne Rührung sehen. Sehr Biele starhen

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