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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1892-04-01 · Heft 4 (1.4.1892) · p. Seite 75

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
12 (1892)
Issue
Heft 4 (1.4.1892)
Date
1892-04-01
Page
Seite 75 (sequence 3)
Language
German
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75 in seine Hände brachte, während Papst Sixtus IV. das Borhaben nur aus Herrschsucht förderte. Die Inquisition, fährt Llorente fort, stiitzt und ermutigt die Heuchelei, sie bestraft nur die, welche deren Maske verschmähe», sie fördert den Betrug, das beweist das Beispiel der Juden und Mauresken, die sich taufen ließen, ohne wirklich bekehrt zu sein, nur um frei in Spanien leben zu können. Es ist, schließt Llorente seine Vorrede, ehrenvoller, von Inden abzustammen, als von Heiden. Denn unter diesen waren solche, die ihren Götzen Menschen opferten. Fast alle Großen Spaniens stammen mütterlicherseits von Judenab!" Die spanischen Juden, 1492 von der drohenden Gefahr benachrichtigt, hoten Ferdinand 30,000 Suchten zu den Kosten seines Krieges gegen die Sara- Sneii in Granada, sie erklärten sich bereit, in Judenviertel zu ziehen, auf die neu beneideten Stellungen und Gewerbe zu verzichten — Ferdinand und Jsabella wollten darauf eingehen: da hatte der Großinquisitor Torquemada die Verwegenheit, ihnen, ein Cruzifix in der Hand, zuzurufe»: «Judas verriet seinen Herrn um 30 Silberlinge, Ew. Majestäten wollen ihn nochmals für 30,000 Goldstücke verraten, hier ist er, nehmt ihn, verkauft ihn rasch " Das wirkte. Das Fürstenpaar erließ am 31. März 1492 ein Decret durch das sie sich — schreibt ein von Perscott I. S. 519 augezogener christlicher Schriftsteller: „des fleißigsten und geschicktesten Teiles ihrer Unterthanen beraubten". In der Einleitung dieses Decrets wird auf die Gefahr eines ferneren Verkehrs zwischen Christen nnd Juden hingewiesen, wegen der unverbesserlichen Hartnäckigkeit mit der diese jene bekehren, und in ihren ketzerischen Gebräuchen unterrichten, im offenen Trotz gegen alte Verbote. Sei eine Körperschaft großer Verbrechen überführt, sei man befugt, sie aller Freiheiten zu berauben, Geringere wie Höhere, Schuldige mit Unschuldigen leiden zu lassen. So in weltlichen Dingen, umsomehr da wo das Seelenheil in Frage. Und darum bestimmt das Decret, daß bis Ende Juli 1492, also binnen 4 Monaten alle ungetansten Juden, Männer und Frauen, bei Todesstrafe nnd bei Verlust ihrer Güter Spanien zu verlassen haben. Es belegte mit denselben Strafen die Christen, welche nach dem 31. Juli einen Juden beherbergen! Ihre Habe durften die Juden verkaufen und in Wechseln, oder nicht verbotenen Maaren mitnehmen, Silber und Gold dursten sie aber nicht außer Landes führen. Dies Gesetz wirkte vernichtend Der Pfarrer von Palacios erzählt, daß einige dieser Juden Millionäre waren, einer bis zu 10 Millionen Maravedi besaß. Ihre Kinder waren aufs Beste und Feinste erzogen, wissenschaftlich gebildet. viele von ihnen trieben verschiedene Handwerke. (@o widersprichr sich dieser Pfarrer selbst. Siehe oben ) Nun sollten sie binnen wenigen Monaten das Vaterland, das Land das seit Jahrhunderten ihre Vorväter bewohnt, verlassen! Torquemada ließ durch die Geistlichen den Juden zur Taufe zureden. In den Synagogen und auf öffentlichen Plätze» machten diese ihre Bekehrungsversuche. Aber ihre Schmähreden wurden durch die eindringlichen Ermahnungen der Rabbiner lvettgemacht, die an die Verfolgungen Pharao's erinnerten, die Auswrijung als eine Prüfung Gottes bezeichneten, um. sie durch die Gewässer ins gelobte Land zu führen. Sie ermahnten die Reichen zur Unterstützung der Arnien. Sie ist erfolgt. Nur eine kleine Zahl ließ sich zur Taufe bereden, die Meisten blieben standhaft. Sie verkauften ihre Habe, und» wie bei solcher Zwangslage natürlich, zu Schleuderpreisen. Ein AuAenzeuge, der schon oft erwähnte Dorfgeistliche Bernaldez in Los Palacias bei Sevilla, erzählt in seiner „Geschichte der katho- 7*

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