Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 12 (1892)
- Issue
- Heft 4 (1.4.1892)
- Date
- 1892-04-01
- Page
- Seite 74 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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74 pflanzt, ein Festmahl gibt, Geschenke verteilt oder empfängt; wenn er daS Lichterfest feiert, indem er 1 bis 10 (!) Flammen anzündet und sie unter Gebeten auslöscht; wenn er das Tischgebet der Juden sagt; wenn er koscheren Wein trinkt; wenn er den Segen über das volle Weinglas spricht; wenn er mit Juden zusammen speist; wenn er Psalmen recitierr, ohne am Schluß zu sagen: gloria, Preis dem Vater, dem Sohne n. s. w.; wenn eine Frau 40 Tage nach der Entbindung nicht in die Kirche geht; wenn er seinen Sohn beschneiden läßt : wenn er ihm einen bei Juden üblichen Namen gibt; wenn er nach der Taufe seiner Kinder deren Kopf an der Stelle Maschen läßt, an welcher sic das Taufwasser erhielten; wenn er seine Kinder 7 Tage nach der Geburt aus einem Becken taufen läßt, das mit Wasser, Gold, Silber, kleine» Perlen, Getreide, Oel u. a. Dingen nach jüdischem Brauch (!) aaigefüllt ist, und dabei gewisse Worte spricht; wenn er das Horoskop seiner Kinder bei der Geburt stellen läßt; wenn er sich nach jüdischem Brauch verheirathetl; wenn er am Tage vor einer Reise ..ruaja" macht, d. i seinen Verwandten oder Freunden ein Abschieds mahl gibt: wenn er gewisse bei den Juden übliche Namen bei sich trägt; wenn er beim! Brodbacken ein Stück Teig verbrennt; irenn er sterbend sich nach der Wand! wendet; wenn er den Leichnam mit warmem Wasser wäscht, ihm das Gesicht verhüllt; wenn er ihn in einem neuen Leichentuch begraben läßt, mit Strümpfen, Hemd und Mantel; wenn er ihm unter Len Kopf ein Kissen von frischer Erde! oder in de» Mund ei» Goldstück legt; wenn er dem Toten Leichenreden hält oder Trauergedichte widmet; wen» er das Wasser im Hause des Tote» und seiner Nachbarn ausgicßt; wenn er sich hi iter die Thüre des Toten zum Zeichen der Trauer setzt; wen» er ihm zu Ehren statt Fleisches Fisch und Oliven ißt; wenn er ein ganzes Jahr nach dem Begräbnis zu Hause bleibt; wenn er einen Toten in frischer Erde oder auf dem jüdischen Friedhof begraben läßt! All das galt für sträflichen Rückfall ins Judentum und beweist ebensowohl die damaligen jüdische» Bräuche als den innigen Verkehr der Neuchristen mit den Juden. f Die ersten Nenchriste» wurden 1481 in Sevilla verbrannt, die Zahl der Verbrannte» und! sonst Bestraften ging schon 1482 in die Tausende. 2000 wurde» verbrannt, 17,000 „versöhnt", d. h. zu lebenslänglichem Gefängnis, Gütereinziehung, Geldstrafen begnadigt. Ein steinernes Schaffot in Sevilla, der (juemadero, ward zu ihrer Hinrichtung hergestellt. Dies Bauwerk, an dessen vier Ecken die Bildsäulen der vier Propheten standen, pries der schon erwähnte Pfarrer von Palacios als den Ort, „wo die Ketzer verbrannt werden und so lange brenne» sollen, als noch Einer zu finden". 1810 stand es noch in Sevilla! Viele Neuchristen wanderteu aus, nach Frankreich, nach Afrika, nach Rom. Nachdem so das Jnquisitionsgerichk gegen die Marannen gewütet, ward 1492 den Juden! der Garaus gemacht. Man suchte nach Anlässen zur V rfolgung und klagte die Juden an, die Reuchristen zum Rückfall verleitet zu haben; man berief sich auf eine Legende von vor 287 Jahren: wonach Jude» 1255 an Charfreitag Kinder gekreuzigt hätte»; auf einen angeplichen Hostienraub von 1406; behauptete, daß jüdische Aerzte, Wundärzte und Apotheker christliche Fürsten getötet hätte», so ein Dr. Mair: Heinrich III. Aber — so sagt Llorente — „das Judentum bildete für Ferdinand V. nur den Vorwand bei Einführung der Inquisition, sein eigentlicher Beweggrund war : ein System von Confiscationen, das allen Reichtum der Juden