Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 12 (1892)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1892)
- Date
- 1892-03-01
- Page
- Seite 63 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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63 So schwankend und sich widersprechend Scherr's Ansichten über Hebräer und Hebräertum, wie soeben nachgewiesen, sind, so fest führt er den Griffel, so treffend, weil objektiv, ist sein Ürtheil, wenn er an Moses, den Stifter der jüdischen Religion herantritt In solchen Augenblicken scheint er seinen Hut gelüftet oder gar das Knie gebeugt zu haben. Er schreibt: „Moses, der Sohn des Amram und der Jochibed, aus dem Stamme Levi, ist einer von jenen größten Männern, die dem Erdball für alle Zeiten ihre Fußtapfen eingedrückt haben Er bedarf des mythischen Aufputzes — womit fast alle Religionsstifter behängt werden — durchaus nicht; auch ohne diesen wird inan vor der Person diesen großen Kulturheros, die tiefste Ehrfurcht fühlen. Denn ein Kulturheros das war er, und zwar war er der, welcher von alle» den unermeßlichsten Einstuß auf die Weltgcschäste geübt hat. — Die ganze Größe des Mannes wird dem bewundernden Blick erst recht klar, wenn wir betrachten wie er nicht nur auf Israel, sondern durch dieses auf die Menschheit gewirkt. Denn wohlverstanden, der Mosaismus in seiner Reinheit ist eine Religion des Lebens, wie gar keine andere, nicht eines vorgestellten Lebens, nein, des wirkliche», faktische», des Erdenlebens. (Forts, folgt). Monatsschau. Am 27. Januar starb in Hurischeid - Aachen Herr Dr. David Rothschild, früher Rabbiner in Alzey. Er war ein vielseitig thätiger theologischer Schriftsteller, dessen Wirksanikeit von dem freien Geiste des modernen Judentums erfüllt war. Wir werden unserem treuen Mitarbeiter, der die Bestrebungen des Mendelssohn-Vereins in Wort und Schrift kräftigst unterstützte, ein ehrendes Andenken stets bewahren und behalten uns vor sein Leben und Wirken noch ausführlich zu schildern. — Man schreibt uns: Am 17. December vorigen Jahres starb in Krrsla« der Docent am jüd.-theol. Seminar, Dr. Henedikt Zuckrrmann. Der Verstorbene entstammte einer alte» Breslauer Familie, welcher u. a. auch der Verfasser des „Pne Jehoschia“ angehörte. Im Jahre 1818 geboren, verlebte er seine Jugend in seiner Vaterstadt und bezog nach bestandener Abiturientenprüfung daselbst die Universität, um sich dem Studium der Mathematik zu widmen. Dieses Studium setzte er später in Berlin fort, wo er ein Schüler von Galle und Diiichlet war, und promovirte in Kiel zum Doctor der Philosophie. Als im Jahre 1854 das jüd.-theol. Seminar in Breslau gegründet wurde, berief man ihn, dem auch eine große Kenntnis der jüdischen Wissenschaft z» Gebote stand, als Lehrer an dasselbe. Hier erteilte er in der Gymnasialabteilung den Unterricht in der Mathematik, während er gleichzeitig in der oberen Abteilung Vorlesungen über verwandte Disciplinen, besonders über das jüdische Kälendenveseu hielt, zu dessen besten Kennern er gehörte. Als vor wenigen Jahren die Gymnasialabteilung aufgehoben wurde, behielt er die Vorlesungen in der oberen Abteilung bei, und wandte nunmehr seine Thätigkeit hauptsächlich der Bibliothek zu, welche er seit dem Jahre 1857 leitete. Reben feinem Lehramte entfaltete er eine reiche wissenschaftliche Thätigkeit, von welcher seine zahlreiche» Schriften Zeugnis oblegen, die sich zum größten Teile auf das Mathematische und Kalen-