Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 12 (1892)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1892)
- Date
- 1892-03-01
- Page
- Seite 64 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2969669-2969947-2969951--3478-2976868- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
darische im talmudischen Schrifttum beziehen. Es seien hier mir genannt: „Ucbcr Sabbatscyclus und Jobelperiode" Breslau 1857, „Ueber talmudische Münzen und Gewichte" 1862, „Das jüdische Maßsystem und seine Beziehung zitin griechischen und römischen" 1867, „Catälog der hebräischen Werke der Seiiiinarbibliothek Teil 1." 1870, 2. Ausgabe 1876, von welchem leider eine Fortsetzung bisher noch nicht erschienen ist, „Das Mathematische im Talmud" 1878, „Materialien zur Entwickelung der altjüdischen Zeitrechnung" 1882, „Die astronomischen Grundlagen der tabellarischen Beigaben zu den jüdischen Kalendern" 1890, sowie eine Reihe von Abhandlungen in der Frankel-Grätz'schen Monatsschrift. Der demnächst erscheinende Jahresbericht des Seminars wird neben einer Arbeit des verstorbenen Prof. Grätz einige Tabellen voit Zuckermann bringen, und auch für das nächste Jahr hatte er eine Programmarbeit bereits fertig. Mit unermüdlichem Fleiß und bewunderungswürdiger Pflichttreue war er trotz seines hohen Alters selbst bis in die Tage seiner Krankheit thätig; noch am Tage vor feinem! Tode fand inan ihn an seinem Schreibtische arbeitend. Sein wahrhaft frommer und bescheidener Sinn gab sich bei Gelegenheit seines 70. Geburtstages kund: Um allen Ovationen zu entgehen, verließ er damals für einige Tage Breslau; allein nach seiner Rückkehr vermochte er sich den ihm zugedachten Huldigungen doch nicht zu entziehen. In dem von ihm im Jahre 1689 erstatteten Jahresberichte macht er, wie er selbst schreibt, nur „auf Beschluß und ausdrücklichen Wunsch des Lehrercollegiums" von dieser Feier Mitteilung. Seinem mehrfach ausdrücklich geäußerten Willen zufolge wurde an seiner Bahre kein L^ort des Lobes gesprvchen; selbst eine nachträgliche Trauerfeier durfte die Anstalt, die ihm so vieles zu verdanken hat, nicht veranstalten. Allein wie grotzVtzie Achtung und Verehrung aller derer war. welche ihn kannten, zeigte die uiigeheule" Beteiligung bei seinem Leichenbegängnisse, bei welchem nicht nur seine jetzigen und zahlreiche frühere Schüler, sondern auch eine große Menschenmenge aus allen Kreisen der jüdischen Bevölkerung dem hochverdienten Manne d'.e letzte Ehre erwiesen. — I» einem Artikel „Der Nationaljude" in der „Israelitischen Wochenschrift" heißt es: „Als eine solche Verrücktheit gilt uns auch das Nationaljudentum, das seit einiger Zeit in Rußland grassirt. — Aber bedenklich wird dieser Wahnsinn, wenn er deutsche Köpfe ansteckt, wenn er unter den Juden Berlins einen Anhang findet. Ein Agent Stöckers könnte nichts Schlimmeres thun, als diese Fahne des Nalionaljudentums in Berlin auspflanzen, denn was könnte diesen Herr» mehr willkommen sein, als ein Bekenntnis der Jude», daß sie Frenide sind; das klingt ja beinahe wie ein Antrag der Juden selbst, in Deutschland unter Fremdenrecht gestellt zu werden. Bis auf Weiteres glauben wir noch nicht, daß der gegenwärtige Redacteur der „Zeitung des Judentums", wie jüngst berichtet worden ist, für dieses Nationaljudentuin sich begeistert hat. Hier muß ein Mißverständnis obwalten. Wir Juden in Deutschland sind der Religion nach Juden, der Nation nach Deutsche. Darauf beruht unser Recht in Deutschland, wie es durch me Verfassung anerkannt ist. wenn es auch in der Praxis uns mannigfach verkürzt wird." — Man berichtet uns: Am 30. December wurde die neuerbaute Synagoge in Eberswalde durch Herrn Rabbiner Dr Kosenzweig aus Berlin eingeweiht. — Man schreibt uns aus Dresden: Im vorigen Jahre traten aus der Landeskirche 566 aus, darunter zum Judentum 2; dagegen traten aus dem Judentum zur Landeskirche 15 über- — Herr Dr. Löwrnlhal hat am 22. December sein Amt als Rabbiner in Parnowih angetreten. — In Gpprln wurde das fünfzigjährige Bestehen der dortigen Synagoge gefeiert. — Herr Rabbiner