Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 12 (1892)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1892)
- Date
- 1892-03-01
- Page
- Seite 62 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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fällt ihm dennoch nicht ein, den Religionen ihre nutzbringende Existenz zu bestreiten; er bricht vielmehr eine Lanze für deren Unentbehrlichkeit, indem er de» Satz aufstellt: „Die religiöse Idee hat die Welt beherrscht, beherrscht sie und wird sie immer beherrschen, denn die Religio» ist der Idealismus der Massen." Die Priester hingegen sind ihm lein Dor» im Auge. Darum kühlt er denn auch von Zest zu Zeit an diesen sein Müthchen. wie folgende Stellen beweisen mögen: „Zn allen Zeiten, wie unter allen Völkern ist die Priesterschaft in Gefahr, durch has Bewußtsein von der hohen, überwiegenden Wichtigkeit ihrer Zwecke unvermerkt! zu bedenklichen Mitteln verleitet zil werden." — Das geistliche Gewe rbe nährt in der Region der Nordlichter seinen Mann nicht weniger als unter dem ASguatör. Mais iveiß unter keinem Himmelsstriche von einem verhungerten Priester:Für den Unterhalt der Priesterkaste im weiteren Sinn d. hdie Leviten (»begriffen, war reichlich gesorgt. Wo auch hätten die Priester! nicht gut für sich jju sorgen verstanden?" Gedrängter Kürze werden wir Uns in Folgendem befleißigen. Den j besten Beweis für die subjective Beurtheilung des Hebräertums — wie schon oben angedentet — liefert folgende Stelle: „Es ist etwas starr Exklusives, bei-! spiellos Zähes UND Beharrliches ii» Hebräertum. Ein unzerstörbarer Faniilieu- ^77777 0777 tt S öttt it trfiPiä »*/> 1707t /V} sinn, eilt scharfer, eine unbezwinglick mus und unter t religiöser Hinsicht ltzender, zerfressender Verstand, ein unbesiegliches Mißtrauen (?) e Energie und Ausdauer, ein sozusagen gefrorener Fanatismständen, eine mitleidlose Unduldsamkeit (?), endlich, was in der Hauptpunkt, eine wunderbare Kraft der Abstraktion. Das sind, will mir scheinen, die vertretenden Charakterzüge des Hebräertums." Wie reimen sich aber seine weiter nute» stehenden Aeußerungen über diesen Gegenstand mit den soeben angeführten zusammen? Glaubt inan nicht zwei entgegengesetzte Meinungen zu hören? Wer überbrückt diese Kluft? Wahrlich inan wähnt einen Änderen als Scherr, etwa seinen Gegner zu hören, wenn man folgende Worte liest: „Das ganze Leben der Hebräer, das war der Grundgedanke des Mosnismus, sollte ein fortwährender Gottesdienst sein, von welchem der eigentliche Kult die Spitze bildete. Indem aber der Hebräer Gott diente, dient« er zugleich sich selbst. Denn das ist das bewunderungswürdige großartige des Mosai smus. daß er auf der Grundlage des religiösen Glaubens und der gottesdienstliihen Bräuche ein bis ins Einzelnste ausgeführtes System der sozialen Wohlfahrt begründete und für die Bestätigung desselben eifrig machte. Es ist ein merkwürdig feines und umfassendes Verhältnis für die Bedürfnisse der Wirklichkeit in dieser Gesetzgebung, ein energischer Realismus, und bei aller hervorbrechenden altsemitischen Wildheit und Grausamkeit (?) doch auch wieder eine heilige Scheu vor der Natur und ihren Geboten. Selbst dem Acker wird sinnig das Bedürfnis der Erholung zu geschrieben; ja im siebenten Jahre soll er ausruhen von seinen Anstrengungen. Ebenso zeigen die Verbote, Stier oder Lamm an einem!Tage zugleich mit ihren Juiigen zu schlachte», oder die auf ihren Jungen ergriffen^ Vogelinutter zu fangen, von schauungsvoller Scheu und Milde. Die gesundheitspolizeilichen Vorschriften über Rein und Unrein beweisen tiefe Einsicht ii»die menschliche Natur und in die klimatischen Verhältnisse. — Während des Jubeljahres mußte alle Feldarbeit ruhe», wieder eine ehrfurchsvolle Rücksicht auf die unhelebte Natur, und alle Knechte und Mägde aus israelitischem Geschlecht wurden bedingungslos frei und veräußerte Grundstücke fielen ohne Ersatz des Kaufschillings an ihre ursprünglichen Besitzer oder deren rechtmäßige Erben zurück.