Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 12 (1892)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1892)
- Date
- 1892-03-01
- Page
- Seite 59 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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59 Compilators Abr. Jaget (im 16. Jahrhundert) wie es scheint vollständig vor und zeugt nur von Maimüni's Vertrautheit mit der Sabbationsage, die er aus dein Talmud kannte. Josua Lorki hat also den Johannesbericht nicht ihm, das er nur als Quelle für diese nennt, sondern der 2. von ihm angeführten Quelle, den Erzählungen reisender Kanflente entnommen. Jnimerhin aber bleibt er Ls, dem wir die erste jüdische Nachricht von der Mythe in folgender Notiz verdanke»? „Viele von den 10 Stämmen wohnen in einer Gegend, auf der das Joch eines fremden Volkes nicht lastet, wie z. B die an den Enden des Landes des Erben der Herrschaft über die Völker, des christliche» Fürsten Preste Gnan^). Zu ihm stehen sie in freundschaftlichen Beziehungen, und das ist eine unbestreitbare Thatsache." Der gegen Ende des 14. Jahrhunderts lebende liebenswürdige, Prediger und Talmudist, Obadia di Bartenora schreibt aus Jerusalem, er habe erfahren, es sei einer aus dem Lande des Preste Guani gekommen und habe von den Söhnen Israels daselbst und ihren 5 Fürste» erzählt. Ja, Obadia selbst sah, wie er weiter berichtet, 2 derselben, die auf dem Sklavenmarkt von ihren Brüdern losgekauft waren, in Aegypten. Der ganze Brief, auf den wir hier nicht weiter eingehen wollen, ist äußerst wertvoll für die Geschichte der Falascha's (abessynischen Inden), die, wie sich leicht zeigen läßt, gemeint sind. Je mehr die Sage von dem gewaltigen Christenkönig im fernen Osten sich verbreitete, desto lebhafter und wärmer wurde das Interesse der Juden für die mit ihm in Connex gedachten Glaubens — oder doch' Stammesgenossen. So kann es uns nicht wundern, wenn zu den vielen oben registrierten Handschriften der allmählich beinahe zu einem vollständigen Arsenal der verschiedensten phantastische» Erfindungen des Orients und Occidents, die die unbekannten Ferne» mit Märchenblunien schmückten, gewordenen Epistel noch 3 hebräische Recensionen treten, welche der bekannte Gelehrte A. Neubauer Berlin 1888,. leider fast ohne alle erklärenden Anmerkungen, veröffentlicht hat. Der hochinteressante, unbenutzt gebliebene Inhalt des Werkes umfaßt auch das bisher hier von Neubauer angeführte. Der erste Brief wird vom Preste Juan an den Papst gerichtet. Bisher ist noch keine Handschrift mit dieser Adresse entdeckt worden. Daß solche existierten, wissen wir aus Petis de la Croix. Auch der Text des Dokuments weicht mehrfach von dem recipierte» sehr stark ab. Mit seinem Original ist der Bearbeiter offenbar viel freier umgegangen. wie seine beiden College». Dasselbe war entweder ein lateinisches, worauf z. B. die Form princeps (statt italienisch principe) schließen ließe, oder ein italienisches, worauf Ueberschrift (in der italienischen Namensform Preste Gua» oder Juan- und neben einer Re^he anderer sprachlicher Merkmale, wie z. B. apostolo — Apostel, die Adressirung an den Papst führen würde. Möglich, daß ein aus dem Lateinischen' übersetztes italienisches Schreiben dem jüdischen Schriftsteller vorlag. Von dem Eifer dieses Unbekannten, seine Nation zu verherrliche», werden wir später eine interessante Probe anzuführen Gelegenheit haben. In mehrfacher Hinsicht verdient der 2. Brief unsere ganz besondere Aufmerksamkeit. Ihm liegt ein französischer Presbyterbrief zu gründe. Das zeigt auf den ersten Blick die Namensform Petre (- Pretre) Gua». Ein Wunderspiegel, mit dem man 7 Tagereisen weit sehen und durch welchen der Priesterkönig seine neueruilgssüchtigen Vasallen beobachten tonnte, heißt mirail (altfran- ’) italienisch — Priester Zohapnes.