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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1892-03-01 · Heft 3 (1.3.1892) · p. Seite 58

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
12 (1892)
Issue
Heft 3 (1.3.1892)
Date
1892-03-01
Page
Seite 58 (sequence 10)
Language
German
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58 Meinung, gewisse Meere enthielten statt Wasser Baumharz, in dein die Schiffe stecken blieben, oder es gäbe Berge, die! alle Nägel wie Magneten aus den Schiffen herauszöglen, bis das Wrack zusammenfiele. Seit den Tagen der Gelehrte» des Talmild hatte die Frage nach dein Verbleib der einst von Salmänässar vertriebene» 10 Stämme Israels die Neugierde von Christen und Juden erregt. Wie heute noch bei den Afghanen und Nenorianern, bei den Chinesen und sogar den Indianern suchte matt auch damals bei den entlegensten Völkern das Reich der 10 Stämme. Der Sabbatfluß, der in den Wochentagen statt Wasser Steine wälzt, am Sabbat aber ruht und den schon Josephus kennt, soll nach dem seit dem Talmud allgemein verbreiteten Volksglauben ihr Gebiet rings umgeben. Beide, die 10 Stämme und der sie schützende Wunderstroni, fanden ebenfalls in dem Presbyterbrief, diesem Magazin der buntesten"Zeographischen Volksmärchen ihre Stätte. Ohne auf die komplicierten Frage», die sich an unseren Brief knüpfen, genauer einzugehen, wollen wir zunächst die folgende auf die 10 Stämme bezügl Stelle des Briefes in deutscher Uebersetzung hierhersetzen1). „Jenseits des Steinflusses wohnen die 10 Judenstämme, welche, obwohl sie behaupten unter selbständigen Königen zu stehen, doch nur Unsere Sklaven und Unserer Hoheit tributpflichtig sind." Eine gereimte deutsche Uebersetzung des Briefes (etwa aus dem 13. Jahrhundert) qiebt den Passus folgendermaßen wieder: Vernymf was ich meine, Jnhalb des flumes (Flusses) der Steine Die 10-Geschlecht (er) der Juden sind Besperret (eingeschlossen) mann, weib und auch kind, Mit einem Gepirg, das wunder hoch ist, Die ninsmer mehr dhainen (keinen) Tag noch dhain Frist Bo» demselben vangnüß (Gefangenschaft) kamen Und irdischen Mann nie mehr vernahmen, Die Alexander bei alten Zeiten, der wunderlich hieß nahen und weiten, Also lebendig darinne het vertan (eingeschlossen hat) u. s. w. Die Sage von Gog und Magog, den schon nach dem Koran von Alexander dem Großen hinter eine Mauer (vielleicht dachte man an die chinesische) gesperrten einstigen Verbündeten des Antichrist und einstweiligen Menschenfressern der christlichen Sage, hat-hier Anlaß zu einer leicht erklärlichen Verwechselung gegeben. Der jüngere Titurel endlich bearbeitet die Presbyterbriefnotiz in folgender Weise: Drei Tagereisen Länge man hohe Berge findet Von diesem mcr so strenge der berge hoh Die roten Juden bindet rc. Diese Erwähnung der 10 Stämme (in anderen, z. B. dem Hildesheimer Text noch viel ausführlicher) war es unfraglich vor allem, was die jüd. bisher noch unbeachtet gebliebene Johanneslitteratur hervorrief. Die früheste, chronologisch genauer bestimmbare Angabe, die von der Presbytersage Kenntnis verrät, würde unter den Juden ohne allen Zweifel Maimüni (f 1180) in einem von dem getauften Juden Josua Lorki - Hieronymus de sancta fide (lebte in der 2. Hälfte des dreizehnten Jahrhunderts und starb lals Leibarzt des Papstes Benedikt III.) eitierten Brief machen, wenn dieser Brief nur eine Spur einer solchen Kenntnis zeigte, wie Oppert a. a. O. S. 17 irrig behauptet. Denn dieses Maimüni'sche Schreiben liegt uns jetzt in einem von Neubauer veröffentlichten Aufsatz des ') Zarncke a. a. O. 1873. S. 915.

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