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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1892-03-01 · Heft 3 (1.3.1892) · p. Seite 51

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
12 (1892)
Issue
Heft 3 (1.3.1892)
Date
1892-03-01
Page
Seite 51 (sequence 3)
Language
German
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51 7. Jahrhunderts — sagt Montesquieu — rühren alle Grundsätze der neueren Inquisition her. Bessere Zeiten erblühten den spanischen Juden seit dem Einfall der Sarazenen. Sie erreichten die höchsten Stufen und Würden im Staat und in der Wissenschaft. Es blühten seit 984 die Hochschulen in Cordova, Toledo, Barzellona, Granada, mit jüdischen Lehrern -und Hörern. Und wie unter der Herrschaft der Araber, so schwangen sich auch in dem christlich verbliebenen Castilien und Aragonien die Juden durch Pflege der Wissenschaft, als Aerzte, Lehrer, Staats- und Finanzmänner zu den höchsten Ehrenstellen auf. Ja, nach Prescott I. 127 übte das jüdische Geschlecht die ärztliche Wissenschaft zu jener Zeit fast ganz allein ans. Der spanische Gelehrte Rodriguez de Castro hat den ersten Band seiner Bibliotheca espagnola Madrid 1781, einen dicken Folianten, den escritores rabinos espagnoles, den Werken der spanischen Rabiuen gewidmet, die gedruckt oder handschriftlich sich in der Klosterbibliothek San-LoreZzo des Escurial vorfinden »nd sich auf die verschiedensten Gebiete des Talmud, der Philosophie, der Rechtswissenschaft, der Arzneikunde, Astronomie, Mathematik, Dichtkunst u. s. w. erstrecken. Dieser Folioband allein ist ein großartiges Denkmal für die spanischen Juden. Aber, wie Montesquieu in den lottres persannees sagt: »die jüdische Religion ist eine Mutter, die zwei Töchter hat, die ihr tausend Wunden schlugen; denn in Sachen des Glaubens sind die einander am Nächstenstehenden die Feindseligsten." Der Neid weckte den Haß. Ende des 14. Jahrhunderts (zur Zeit der allgemeinen Judenverfolgung in Westeuropa) hetzte die Geistlichkeit den Pöbel Castiliens und Aragoniens gegen die Juden. 5000 wurden 1391 in Navarra gemordet, 35,000 soll der Dominikaner Bincenz Ferrei in Valencia bekehrt haben. Ja, nach Llorcnte sollen mehr als 10,000 jüdische Familien, d. i. etwa eine Million spanischer Juden damals zum Christentum übergetreten sein. Diese Neuchristen nannten die Juden Marannen von maranatba. Die Mehrzahl dieser Bekehrten hatte den Schritt nur aus Todesfurcht und aus Rücksichten auf ihre Aemter und Stellungen gethan, waren aber jm Herze» Juden geblieben, und nahmen insgeheim an jüdischen Bräuchen, Uebungen und Gottesdiensten teil. Das gab den nächsten Anlaß zur Inquisition in Spanien, jenes Schreckensgerichts von dem der Sicilianer Paramo 1598 ganz ernsthaft behauptete, es sei in Gottes Ebenbild errichtet: der erste Ketzerrichter sei Gott gewesen, seine Verweisung Adams aus dem Paradiese sei das Urbild inquisitorischer Milde, Adams Bekleidung mit Tierfclle» sei ein Vorbild des Ketzerhemdes san bleito. Mit demselben Rechte wie Gott Adam aus den« Paradiese, hätten Ferdinand und Jsabella die Juden aus Spanien vertrieben. Jm Jahre 1477 kam der sicilianische Inquisitor Philipp von Barboria nach Sevilla rmd erhielt von dem Königspaar Ferdinand und Jsabella auf sein Ansuchen das Privilegium bestätigt und erneut, das. Kaiser Friedrich II. im Jahre 1233 der Inquisition in Sicilien erteilt hatte. (König Ferdinand von Sicilien, »m dies hier einznschalten, hatte 1469 die Königin Jsabella von Castilien geheiratet. und erbte 1479 den väterlichen Thron von Aragonien. Sein Bund mit Jsabella und die von ihnen vor vierhundert Jahren — 1492 — erreichte Eroberung Granadas und Vertreibung bez. Bekehrung der Maure» schuf erst das vereinte Königreich Spanien. Jsabella starb 1504, Ferdinand 1516. Sie hinterließen nur ein Kind — und das wurde wahnsinnig: Königin Johanna, die Mutter Kaiser Karl V., die Großmutter Philipp II., dessen wahnwitzigen Glaubenseifer die Geschichte verdammt — der Atavismus erklärt.) 5*

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