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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1892-02-01 · Heft 2 (1.2.1892) · p. Seite 39

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
12 (1892)
Issue
Heft 2 (1.2.1892)
Date
1892-02-01
Page
Seite 39 (sequence 15)
Language
German
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39 Religion ausgerüstet sein, und miissen jene Thorheit vermeiden, die Alles gut heißt und annimmt, was man »nt schonen schmcicheliiden Reden ihr zuträgt, bis zuletzt der eigene, bessere Glaube erst getrübt und dann völlig hinweggelöscht^wird. Klugheit und Wachsamkeit ihn» uns not, wie Moses müssen wir auf der^Höhe stehen, von der wir alles mit klarem und sicherem Blicke überschauen, dann wild cs keines Feindes Hand, keines Verführers List gelingen, uns unsere theuersten Glaubensgüter zu entreißen Solcher Glaube ist eine Macht, eine Schutzwehr gegen alle Angriffe des Hasses und Böswilligkeit, in ihm wollest wir ansharren, in ihm werde» wir siegen. Deine Lehre, o Herr ist unser Heil, deine Wahrheit unsere Macht, dein Beistand unser Sieg. Laß es uns o Herr an deinem liebreichen Schutze nicht fehlen, an deiner göttliche» Gnade, die uns leitet von Geschlecht zu Geschlecht durch alle Zeiten. Aas Zvaisen-Kaddifch-Oebet. ' von Ad. F r ehha n, Vorsitzender des Vereines „Schlesische Dichterschule" in Breslau. Man hat den Vater in die Gruft gesenkt. Mit thränenschwerem Auge steht sein Knabe Den Blick zum Himmelsdom emporgelenkt. Sein erstes Kaddisch schluchzend vor dem Grabe, Und graut der Tag, und sinkt der Abend nieder, Erhebt im Tempel sei» Gebet sich wieder: „Dich preis' ich, der Du Erd' und Himmelszelt Erschaffen einst nach Deinem mächt'gen Willen; O wolltest Du, mein Gott, die ganze Welt Mit Deines Friedens lichtem Strahl erfüllen!" Und in die sturmbewegte Seele ziehen Auch ihm des Friedens sel'ge Harmonien. Da ist es ihm als öffne sich das Thor Des Himmels seinem brünstig heißen Flehen, Als riefe tröstend ihm der Engel Chor: „Dir lebt ein Vater„ liebend in den Höhen, Der Mose einst der Fluth des Nils entrückte, Und Esther mit der Königskrone schmückte!" „Er wird der Gnade Fittig lieb und mild, Auch über Dich, verlass'ne Waise breiten; D'rum Gott mit Dir! Er möge muthersüllt Zu rüst'ger That durch's Lebe» Dich geleiten Und mache reich an Ehren Deinem Namen!" Und bebend haucht des Knaben Lippe, „Amen!“

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