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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1892-02-01 · Heft 2 (1.2.1892) · p. Seite 38

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
12 (1892)
Issue
Heft 2 (1.2.1892)
Date
1892-02-01
Page
Seite 38 (sequence 14)
Language
German
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38 .Israel eine gefahrdrohende Gestalt angenommen hatte, als es zum ersten Male gegen die Angriffe seines Erzfeindes Anialek sich wehren sollte. An äußerer Macht war Israel diesem Feinde weit überlege», und es hätte derselbe einen Kampf gegen Israel gar nicht wagen können, wenn er nicht eben mit scharfem Blicke dessen innere Schwäche erkannt und in dieser einen so gefügigen Bundesgenossen gefunden hätte. Was hat trotzdem, nachdem das mächtige Aegypterreich im Kampfe gegen Israel eine solch' entsetzliche Niederlage erlitten hat, de» unansehnlichen Wüstenstamm Amalek dazu ermutigen können, gegen Israel zu Felde zu ziehen? Nichts anderes als die geistige Zerfahrenheit, die in Israel zu einer erschreckenden Ausbreitung gelangt war. Als da die Grundlagen der Religion so sehr erschüttert wareik, daß diese keinen festen Boden in Israel hatte, als da die Gottergebenheit, diese eigentliche Macht Israels ins Schwanken geraten war und da weithin der Ruf ertönte: „Giebt es einen Gott oder nicht", stehen wir unter dem Schutze einer höheren Leitung, oder sind wir dem blinden Zufalle preisgegeben, als solche Thorheit, die in Israel, nachdem es ja der Lehre, dieses Gottes erst ewige Tretie gelobt hat, gar nicht möglich sein sollte, dennoch die Geister verblödete und Moses, der Wohlthäter seines Volkes, es selbst bekenne» mußte: „Es fehlt gar nicht viel mehr dazu, daß sie mich steinigen" da hielt Amalek seine Zeit für gekomüien, da konnte es hoffen, seine menschheitsfeindlichen Zwecke zu erreichen. Da konnte es mit Israel kämpfen, kämpfen ohne Schwert und Waffe, denn Israels Schlaffheit und Wankelmut, diese Abgestumpftheit, in der es für alles zu haben war und zu einer Ueberlegung aus eigener Erkenntnis heraus gar nicht fähig war, war selbst schon eine Waffe in der Hand Amaleks, wirksamer als alle Lanzen und Geschosse- Ja, Amalek verstand cs gar wohl, diese Schwächen auszuniitzcn,! es konnte schon der Zufall ihm den Sieg in die Hände spielen, da eine wohlübergelegte und entschlossene Abwehr von Israel gar nicht erwartet werden konnte. Israel erblickte und -erkannte in Amalek gar nicht den Feind und Widersacher, dem es die Spitze zu bieten habe, es gab sich ihm willenlos preis, schwankte gedankenlos zu dem Feinde herüber, der es mit seinen Ränken anzulocken verstand und wenn es nicht unterlag, so hatte es dieses nur dem einen Moses zu verdanken, der mit der unüberwindlichen Macht des Glaubens ausgerüstet war und sich darin nicht wankend machen ließ, wenn auch alle um ihn her strauchelten und deni Feinde, den sie bekämpften, doch zugleich auch die Hand reichten. Ja, weün Moses sein-: Hand erhob, wenn dieser Glaubensgeist in Israel zur Höhe kam, wei^n es mit Festigkeit und Entschiedenheit an seinen heiligen Ueberzeugungen festhielt, danit konnte Amalek nichts ausrichten und mußte seinen Arm sinken lassen. 'Wie aber diese. Moseshand zurücksank, dieser Mosesgeist in Israel unterlag, wqr Amaleks Sieg unausbleiblich, da Israels Schwäche ihm den Weg dazu bahnte. Ja, die Feinde, die unsere Schwächen erspähen und ansnützen, die mit den Mitteln der Arglist uub Verführung uns beizukommen wissen, sind noch immer da, ja sogar noch in unserer eigenen Mitte. Da gilt es denn, daß wir uns immer wieder auf uns selbst zu besinnen wissen und nicht das Opfer unserer eigenen Thorheit werden. Damit, daß wir zu unserer Lehre uns bekenne», und sie unter uns fortbestehe» lassen, haben wir in neuerer Zeit, in der alle Kämpfe lund Gegensätze hervortreten, noch lange nicht genug gethan, sie »nuß auch in u,»seren» Geiste und Herzen einen festen Boden gefunden haben, von welchem alle Stürme, die über uns hereinbrechen, sie nicht hinwegzunehmen vermögen. Wir müsset» mit dtzm Bewußtsein unseres Bekenntnisses und unserer

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