Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 12 (1892)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1892)
- Date
- 1892-02-01
- Page
- Seite 37 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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87 sicherer und wirksamer auszuführen vermag, aber noch schlimmer ist es, wenn die Frömmigkeit mit Narrheit gepaart ist, denn vor dem offenen Frevler, den inan als solchen erkennt, kann man sich »och in Acht nehme», aber der Narr ist zu allem fähig, er ist unberechenbar, man kan» nie recht wissen, was an ihm ist, wo er hinauskomme» will, und ist er noch dazu ein frommer Narr, dem man wegen seiner Frömmigkeit ein besonderes Vertrauen entgegenzubringen geneigt ist, dann bekommt die Unvernunft noch einen Ehrenjchild, und man wird, will man nicht in den Verruf der Gottlosigkeit kommen, genöligt, in der Religion das Narrentum zu verherrlichen und selbst an ihr zum Thoren 'zu werden. Für die tvahre Gottesfurcht ist aber aus einem noch höheren Grunde die Klugheit in höchstem Maße erforderlich, ja geradezu unentbehrlich. Man kann nämlich der Sünde gegenüber, die, wie die heilige Schrift uns so trefflich darüber belehrt, an den Pforte» unseres Herzens lagert, und, da wir uns zu ihr so mächtig hingezogen fühlen, gar z» .leicht Einlaß in dieselbe findet, nicht genug wachsam und vorsichtig sein. „Der Kluge sieht nun das Böse und verwahrt sich davor, die einfältigen Thoren aber gehen über die Mahnung der göttlichen Lehre, hören die Stimme der Verführung, folgen ihrem schineichelnden Rufe und leiden Schaden, an ihrer Seele". Diejenigen, die uns für das Schlechte und Verwerfliche gewinnen wolle», gehen immer mit Klugheit zu Werke, sie rechnen daraus, daß >vir ihre eigentlichen Absichten nicht erkennen und durchschauen werden, sie machen sich unsere Verstandlosigkeit und Unüberlegtheit zu Nutze, sie wissen es auch, sich vor uns so zu verstellen und ihr nichtswürdiges Vorhaben mit einem so schönen Tugendgewande zu umkleiden, daß wir die Täuschung nicht merken, und, immer mehr betäubt und umgarnt, zu willenlosem Werkzeuge in ihrer Hand sind Mit einer plumpen Aufforderung, das Gebot Gottes zu übertreten, wäre es der Schlange gewiß nicht gelungen, zur Sünde zu verleiten. Die Schlange war klug und listig, sie wußte das Gift der Verführung so zu versüßen, daß'es im Augenblicke wie ein erquickender Balsam von ihren Lippen kam. Wir haben es also, indem wir gegen das Böse, das mit schlangenartiger Geschmeidigkeit uns uniwindet, ankänipfe», mit einem in allen Künsten der Schlauheit erfahrenen Gegner zu thun und da sollten wir in diesem Kampfe für Religion und Wahrheit, für Gottesfurcht und Herzensreinheit, den wir immerfort zu führen haben, der Klugheit entbehren können, dieser geistigen Waffe, die allein vor der Ueberlistung durch das Böse uns zu schützen vermag? Nein! Die Thorheit können wir i» der Religion nicht brauchen und wer durchaus ein Narr sein will, der sei es für sich selbst, aber nicht im Namen unserer Lehre, „die unsere Weisheit und Einsicht vor den Augen der Völker sein soll". Das darf, so es uns mit unserer gottergebenen Gesinnung ernst ist, nicht vorkoinme», daß es trotzdem anderen, die es schlau anzustellen wissen, gelinge, uns für Zwecke »nd Bestrebungen, die einer solche» Gesinnung nicht entsprechen, zu gewinnen, das darf nicht Vorkommen, daß wir, obwohl es im Geiste unserer Lehre für uns nur eine Wahrheit geben kan», trotzdem für Alles zu haben sind, wofür man uns anspricht, und uns der Schlauheit gefangen geben, mit der inan icns überlistet, denn über eine solche Art von Ueberzeugnng kann man wirklich nur spotten und mir dürfen uns nicht mehr darüber wundern, daß unserer Religion dann die Achtung nicht entgegengebracht wird, die wir um so eifriger von anderen für sie verlangen, je mehr wir selbst sie ihr versage». Solche Thorheit, die sich zu einer klaren und festen Anschauung nicht zu erheben vermag, solche Schwachheit, die keines geistigen Aufschwungs fähig ist, war es auch, die in