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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1892-02-01 · Heft 2 (1.2.1892) · p. Seite 36

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
12 (1892)
Issue
Heft 2 (1.2.1892)
Date
1892-02-01
Page
Seite 36 (sequence 12)
Language
German
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36 die Zeder soll es sich erheben, erstehen in jugendlicher Pracht und Herrlichkeit wie in dem goldenen Zeitalter seines Ursprungs. Zum kindlich reinen Ursprünge unserer Lehre wollen wir zuriickkehren und an den edlen Gestalten hoher Geister uns erhebe». Wenn wir in diesem Geiste und Sinne das Judentum erfassen, bethätigen und pflegen, dann tröstet der Herr Zion, erhebt es aus den Trümmern, aus der Wüste entsteht ein Paradies, die Sandsteppe wird zum Fruchtgarten und Freude und Jubel erklingt anstatt der Klagenud Schlachtrufe, Dank und Preis Adonai, dem einig einzigen, dem Gotte der Wahrheit und der Liebe. Fehle predigt, gehalten in der Hauptsynagoge zu Frankfurt a. M. von Herrn Rabbiner Dr. N. Brüll s. A. am 24. Januar 1891. Zur Gottesfurcht, bemerken unsere Weise», gehört auch das nötige Mag von Lebensklngheit. ■ Die Frömmigkeit verlangt das durchaus nicht, daß . man keine Weltkenntnis besitze und in täppische Blödheit versinke. Im Gegenteil! Gerade die Menschen, die ihre» Gott in rechter Weise verehren, die mit reinem Herze» ihm diene» und in ihrem Wirken seinem Willen und Gebote folge» wolle», müssen stets ans der Hut sein, daß ihr edles Streben nicht von anderen mißbraucht -und mißleitet iverde, sie müssen, eben tveil sie nur das Gute und Gottgefällige bezwecken und beabsichtigen, ihr Thun ivohl überlegen und sich von der Gedankenlosigkeit und Unbesonnenheit in Acht nehmen, in der man auch beim besten Willen die größten Fehler begehen kann. Wenn die Religion, das Höchste und Heiligste, das wir besitzen, nicht zn dem ihr gebührenden Ansehen gelangt und sogar zum Gegenstände des Spottes und des Hohnes wird, so ist das gewiß nicht ihre Schuld, wohl aber die Schuld derjenigen, die durch ihr thörichtes Thun sie lächerlich machen und es durchaus darauf aiilegen, ihr de» Widersinn und Ungeschmack anfzuzwingen, der da/ wo sie zunächst in ihrem Geiste erfaßt wird, in keiner Weise sich mit ihr vereinen läßt. Es ist das nicht immer bewußte Böswilligkeit, es ist vielmehr oft nur Thorheit, die sich darin gefällt, aber solche Thorheit ist der Religion gefährlich, tveil sie die Meinung hervorrnft, daß die Gottesverehrung nur in nichtigen Dingen bestehe und man, um die göttliche Lehre zu üben, vor allem recht einfältig und unvernünftig sein müsse. Bor dieser allerdings verbreiteten, aber durch und durch irrige» Annahme haben aber unsere Weisen schon längst auf das eindringlichste gewarnt, sie verurteilen auf das allerentschiedenste den „närrischen Frommen", der sich über sein Thun keine Rechenschaft zu geben sucht, der anstatt von der göttlichen Wahrheit erleuchtet zu werden, sich in einen finsteren Wahn hineinlebt, und die Religio», die er mit dem beste» Willen durch seine Thaten verherrlichen möchte, gerade durch dieselben herabwürdigt und der Lächerlichkeit preisgiebt. Ja, unsere Weise» gehen in der Verurteilung dieser sonderbaren Art der Gottesverehrnng so weit,'daß sie „den thörichten Frommen" mit dem „listigen Frevler" auf eine Stufe stellen und Beide zn den „Weltverderbern" rechnen, vor denen man sich hüten müsse. Ja die Bosheit des Frevlers wird doppelt gefährlich, wenn sich mit ihr auch die Klugheit verbindet, die ihr allerlei Kniffe an die Hand giebt, ihr allerlei Wege ausfindig macht, auf welchen sie ihre verderbliche» Bestrebungen

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