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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1892-02-01 · Heft 2 (1.2.1892) · p. Seite 33

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
12 (1892)
Issue
Heft 2 (1.2.1892)
Date
1892-02-01
Page
Seite 33 (sequence 9)
Language
German
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33 der lechzenden Seele, dem dnrsteuden Geiste Erquickung, dem schmachtenden Herzen Labsal, tränke» den Boden unserer Hoffnung »nd kräftigen die Saaten des Lichtes. Wie, lehren unsere alten Weisen, der Leib, i» de» frischen Wasserstroi» getaucht, rein und gesund aus demselben emporstcigt, so fährt über den von dem Unflat des Wahnes und Irrtums verunreinigten Geist der Menschheit der Strom der Lehre dahin und von neuem verjüngt erhebt er sich zur Erkenntnis seiner Kraft und Würde. So soll denn das Judentuni wie der Bach hell und sanft dahinfließen, den in ihm ruhenden Geistesquell voll und nngehemmt^sich ergießen lassen, durch das ganze Geäder der menschlichen Gesellschaft. Und dem Garten soll das. Judentum gleichen in seiner Fülle und Fruchtbarkeit. Wie es die Lebendigkeit und Geistesfrische nach innen sich erhält, so soll es seine Triebkraft und Lebensfähigkeit auch nach außen bekunden. Es sollen die Wasserstripne der Lehre nicht blos den Geist erfrischen, sondern auch das Herz beleben und aus der Lichtsaat der Erkenntnis »ins, die Heilesfrucht der Tugend ersprießen. Es ist alles Wissen zwecklos, wertlos, wenn nicht das Leben dadurch wird beeinflußt und gefördert, matt und nichtig alle Einsicht, wenn das Reich der Wirklichkeit nicht wird von ihr gehoben und gekräftigt. Die Fruchtbarkeit ist das beste Zeugnis der inneren Lebensfrische und die Ueppigkeit der Entfaltung der sprechendste Beweis von der Fülle geistiger Kraft. Eine Religion des Gedankens will das Judentum sein, aber auch eine Religion der That, den Einklang und Zusammenhang zwischen Wissenschaft und Wirklichkeit will es bewerkstelligen und vermitteln den Einfluß der Erkenntnis auf die Thätigkeit, die Wechselwirkung der Lehre und des Lebens. Dem Garten am Strome sott cs daher gleichen, die in ihm ruhenden Geistesschätze auch zum Segen der Menschheit verwerten und mit der Macht des Gedankens bekämpfen die Hindernisse, die deni Gedeihen des Rechtes und der Wahrheit entgegen stehen. Ja, durch Werke der Liebe und des Edelsinns bekunden wir am herrlichsten den sittlichen Geist des. Judentums und durch Thaten der Tugend und der Gerechtigkeit die himmlische Kraft, die in ihr ruht, den göttlichen Hauch, der in ihr wallet. Trachten wir, daß wir im Namen des Judentums nur schöne und edle Thaten vollsnhrcn, daß wir durch heilige Werke, nicht durch Werkhciligkcit unsere Anhänglichkeit an demselben beweise», daß von dem Baume des ewige» Lebens nur Früchte ewigen Heiles ersprießen. Es ist tveitgefehlt, durch die Bnchstabenkuechtschaft die Herrschaft der Geister zu hemmen, von kleinlichen Deuteleien die Gestaltung des Lebens abhängig machen, die Bedürfnisse des Herzens init dem Maßstabe engherziger Grübelet abschätzen zu wollen. Rein! Es muß die wissenschaftliche Erkenntnis in den Bund uiit der lebendigen Erfahrung treten, es müssen die Ratschläge der Vernunft ebenso ernst, als die Ueberlieferungen der Vorzeit beachtet werde» und überhaupt die Bedürfnisse der Zeit bestiminend einwirken auf die Entwickelung der Lehre. Einem Garten an Strvmesrand, in welchem das Wachstum reich und üppig gedeiht, soll das Judentum gleichen. Es soll für alle Zeiten fruchtbar, genießbar bleiben, nicht abgesondert von der Welt der Erscheinungen und der Thatsachen blos zwischen den vier Ellen der „Halacha" sein Leben fristen, denn

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