Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 12 (1892)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1892)
- Date
- 1892-02-01
- Page
- Seite 30 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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30 Der Gesinnung. Er hatte den Mut, ' gebe». Die Bearbeitung von Zunz's Werk, das leider nicht zu Ende gegeisternd. Von den vielen gedruckte» einzelnen Reden seien hier nur erwähnt die durch den Vorstand der Gemeinde veröstentlichen „Reden, gehalten am Neujahrsfest und Versöhnungstage des Jahres (5638/ Frankfurt a. M- 1878 (39 S.)", ein Denkmal seiner Gesiniiungshoheit, und weisen wir außerdem auf die vielen, in den „Monatsblättern" erschienenen Predigten hin. N. Brüll hat einen reichen litterarischen Nachlaß zurückgelassen. In Wort und Schrift war er schlicht und bescheiden, aber dabei^von seltener Entschiedenheit und Festigkeit in seinen Ueberzeugunge» offenen Ausdruck zu gottesdienstliche» Vorträgen war sein letztes diehen; zum Ergänzuugsband haben sich stur Notizen vorgefunden. — Seine Bibliothek zählt einige Tausend Bände. Jnjdieser Bibliothek vermißt man kaum ein Werk von wahrem Werte aus dem Gebiete der jüdischen Litteratur und enthält dieselbe nebstdem sihr seltene Ausgabe». Diese Bücher sind dadurch noch wertvoller, daß sie Ralchuoteu von seiner Land enthalten. Die Bibliothek bildet ein Denkmal seltenen Sammelfleißes, gepaart mit Sachkenntnis. — Am 24. Januar hielt er die letzte Predigt in der Synagoge, die wir hier neben seiner ersten am 22. Januar 1870 in Frankfurt a. M. gehaltenen Gastpredigt folgen lassen. Donnerstag, de» 29. Januar hiellt er einen wundervollen Vortrag ans [ dein Stegreif über den Talmud in der Bereinsversammlung des Mendelssohn- Vereins in Frankfurt a. M., der über lj/a Stunden dauerte und mit großem. Beifall aufgenommen wurde. Sonnabend, den 31. Januar, wurde er in der' Synagoge von einer Ohnmacht befalle», erholte sich aber bald derart, daß er den weiten Weg nach seiner Wohnung zu Fuß zurücklegte. Der herbeigerufene Hausarzt legte der Sache gar keine Beoeutung bei. Allein Dienstag, den 3. Februar, Abends, trat eine linksseitige Lähmung ein, der Mittwoch Abend eine rechtsseitige folgte. Am 5. war Neheinias Brüll, ein seltener Mensch und großer Gelehrter, unter den Toten. Sonntag, den 8. Februar, 9 Uhr, bestattete man, einen der edelsten Menschen. Die zahlreichen Kundgebungen der Theilnahme von nah und ferne gaben Zeugnis^ von der großen Anerkennung welcher sich der Heimgegangene in seinem Leben erfreut hatte. Sein Andenken sei zu Segen! Erste Medigt, gehalten in der Hauptsynagoge zu Fra Dr. N. Brüll s. «., ai inkfnrt a. M.' von Herrn Rabbiner 11t 22. Januar 1870. Was. macht das wahre Wesen der israelitischen Lehre ans'? welches ist ihr gediegener, kraftvoller, unsterblicher Gehalt und was ist an dein, was als Judentum sich uns darstellt, nur äußeren Zierrat, alterndes^Kleid, schützende Hülle? War es stets des Israeliten Pflicht, des Denkenden Streben, des Lehrenden Beruf, die Spreu von dem Weizen zu sondern, die ewige» Wahrheitey der Lehre vor den zeitlichen Bestimmungen derselben hervorzuheben, das äußerie Bekenntnis zur inneren Erkenntnis zu erhöhen unds'alle/, die Jrrtümex und Vorurteile fernezuhalte», die das Licht des Geistes trüben, den Fortschritt des Gedankens hemmen; so ist "es in unserer leichtlebigen, vielgestaltigen Zeit, in der die Gegensätze so scharf und schroff, so offen und nahe an einander getreten.