Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 12 (1892)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1892)
- Date
- 1892-02-01
- Page
- Seite 27 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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— 27 dem greisen Smyrnaer Rabbiner Josef Eskafo, der sofort als sein geschworener Gegner sich erklärt hatte, konnte er aber eine solche Unterstützung nicht erwarten- Er hielt sich daher, so lange dieser lebte, in stiller Zurückgezogenheit und setzte nun in gewohnter Weise in Palästiua seine asketische Lebensweise fort. Es währte ihm aber schließlich doch zu lange — Josef Eskafo erreichte nämlich ein Alter von 100 Jahren — wenn er nicht vergessen werden sollte, mußte er doch wenigstens von sich rede» machen. Er machte daher eine Reise in die Türkei, zunächst nach Konstantinopel, dann nach Saloniki und Athen. Er fand da überall einen große» Anhang, aber die Rabbinen, die das ganze Treiben Sabbatais als Schwindel ansahen, denen vor jeder Neuerung bange war, zeigten sich als seine entschiedensten Gegner. Einen glückliche» Fang machte er in Kairo. Dort wohnte ein außerordentlich reicher und wohlthätiger Mann, Raphael Josef Zelebi, der als Finanzagent eine hohe Stellung bei Hofe einnahm, aber dabei ein kabbalistisch frommer Jude war, sich aus Frömmigkeit die größten Entbehrungen und Peinigungen anferlegte und ans eigene» Mitteln fünfzig Gelehrte erhielt. die sich ausschließlich mit dem Studium der Kabbala beschäftigten. In diesem Kreise fand Sabbatai begeisterte Aufnahme, Raphael Josef schwärmte für ihn und stellte ihm für seine Zwecke Geldmittel in unbe-- schränkten! Maße zur Verfügung. Um seine Zukunft brauchte es Sabbatai, berauch von Hause aus ein ziemlich großes Vermögen besaß, und aller Sorge für die materielle Förderung seiner Pläne überhoben war, nicht mehr bange zu sei». Unterdes war auch der Smyrnaer Rabbiner Josef Eskafo gestorben. Sabbatai kehrte nun von Alexandrien nach Palästina zurück und ließ sich in Jerusalem nieder. Die dortigen Juden, welche fast sämtlich zu seinen Anhängern zählten, verpflichtete er sich bald zu großen» Danke, indem er, als ihnen einst eine Steuer auferlegt wurde, die sie nicht erschwingen konnten, sich nach Alexandrien begab und seinen Freund Raphael Josef dazu bewog, sie aus dieser Calamität zu retten. War sein erster Aufenthalt in Alexandrien für ihn zu einem glücklichen Ereignis geworden, indem er dort einen so reichen Mann fand, so sollte auch seine zweitmalige Anwesenheit daselbst für ihn nicht umsonst gewesen sein. Er heiratete nämlich und zwar die Frau, die, wie er meinte, von Gott für ihn ausersehen war und von der er sich daher nicht mehr scheiden ließ. Dieselbe, Namens Sara, war während der Judenverfolgungen im Jahre 1649 als siebenjähriges Kind ihren Eltern geraubt und in ein Kloster gebracht worden. Ihrem Vater gelang es aber, sie in ihrem 16 Lebensjahre heimlich von dort fortznbringen. Sie kam nach Amsterdam, hielt sich auch einige Zeit in Frankfurt a M-, nachher in Livorno auf, bis sie dann auf einer Reise in Alexandrien anlangte und sie das Herz Sabbatais gewann, der in dem Hause seines Gönners Raphael unter großem Gepränge seine Vermählung feierte. Eine für ihn außerordentlich wichtige Bekanntschaft machte er bei seiner Rückreise in der palästinischen Stadt Gaza. Er lernte nämlich daselbst den gelehrten Kabbalisten Benjamin Natan, gewöhnlich Natan Gazzati kennen, der sich ihm völlig zur Verfügung stellte, ein Propagandamacher von seltenem Geschicke war und niit einem tüchtigen, organisatorischen Talente eine bedeutende, den Zeitgenossen imponierende Gelehrsamkeit verband. Mit seinem Helfershelfer Natan Gazzati und mit dem Sekretär Samuel Primo beriet Sabbatai alle seine Schritte und Pläne, sie nahmen ihm die eigentliche Arbeitslast ab, so daß er blo's bei den Hauptactionen persönlich hervortreten mußte. Natan Gazzati war von Hause aus gar nicht so schwärmerisch angelegt, 3*