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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1892-02-01 · Heft 2 (1.2.1892) · p. Seite 26

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
12 (1892)
Issue
Heft 2 (1.2.1892)
Date
1892-02-01
Page
Seite 26 (sequence 2)
Language
German
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26 scheiden unter dem Vorwände, das; sie nicht die von der Vorsehung ihm bestimmte Ehehälfte gewesen sei. Der eigentliche Grund lag aber vielleicht eher darin, das; diese Frau, sich mit der aseetischen Lebensweise ihres Mannes nicht befreunden konnte. Auch eine zweite Ehe, die er einging, wurde wahrscheinlich aus demselben Grunde bald durch Scheidung aufgelöst. Er kannte kein anderes Verlangen, als sich zu der Stufe der Gottähnlichkeit zu erheben und die Absichten der himmlischen Vorsehung zu erforschen. Er gelangte schließlich selbst zu dem Glauben, das; er dazu ansersHen sei,^ eine höhere Sendung ans Erden 31t vollführen und ans dem Jndentnme eine'neue Heilesreligion herauszugestalten und die alten prophetischen Zntunftsverheißungen in Erfüllung 31t bringen. Es war damals eine Zeit, in der man nicht blos in jüdischen, sondern auch' in christlichen Kreisen eine neue Aera der Erlösung erharrte, Messiashoffnungen lagen in der Luft. Von christlichen Theologen war für sie das Jahr 1l>66 die in den Evangelien^ angetnndigte Wiederkunft Jesu vorhergesehen worden, in dem von den Kabbalisten für heilig erklärten Buche „Sohar" wurde die Ankunft des Messias srir das Jahr 1648 signalisirt. Der Messias mußte kommen, er mußte, lvie man überall glaubte, schon da sein, man sah täglich seinem Erscheinen Entgegen. Sabbatai Zebi war das natürlich nicht unbekannt, und die große Verehrung, deren er sich erstellte, die tiefe Gotteserkenntnis, in deren Besitz er zu sein glaubte, ermutigten ihn, eben im Jahre 1648 den Vertrautesten seiner Schiller 311 eröffnen, das; er der verheißene Messias, der ersehnte tsohu Davids sei und forderte sic allst den allerheiligsten Namen Gottes so auszusprechen, lvie er geschrieben, nicht wie er gelesen wird, denn der Name Gottes werde, jetzt offenbar werden, nnb die Lehre Gottes werde von den Schalen, die ihren Kern umschließen, befreit werden und in neuverjnngter Gestalt an's Licht treten. Vom Rabbinate 311 Smyrna erhielt Sabbatai hierauf eine ernstliche Verwarnung; er wurde, als dieselbe fruchtlos blieb und Sabbatai sich auf seine messianifche Sendung berief, als Gotteslästerer zum Tode verurteilt und da dieses Urteil nicht vvllstreckt luerbnr konnte, für vogelfrei erklärt, aber im Volke hatte er einen großen Allhang und niemand wagte, all ihn Hand anzulegen; auch waren die nwhamedanischen Richter durch Bestechungen seiner Freunde so weit gewonnen, daß er auch von dieser Seite nichts zu befürchten hatte. Indes „der Prophet gilt nichts in seinem Vaterlande." Er mußte flüchten. Er wendete sich zunächst nach Palästina, wo er im Stillen einen großen Kreis begeisterter Anhänger um sich schaarte, die nach allen Richtungen hin Briefe allssandten, in welchen ben jüdischen Gemeinden mitgetheilt wurde, daß der Messias erschienen sei. Wir dürfen uns darüber nicht lvundern, daß diese Nachricht fast überall Glauben fand und unter den Juden eine außerordentlich freudige Erregung hervorrief Sie erschien als die Bestätigung der fast als ein Dogma geltend gewesenen Annahme, daß im Jahre 1648 der Messias erscheinen müsse. Diese Hoffnung! war also wirklich in Erfüllung gegangen Die Zahl der Gläubigen mehrte sich von Tag zu Tag, man erzählte sich' merkwürdige Munderthaten, die Sabbatai bereits vollsührt habe, und die Wenigsten zweifelten daran, daß er der von Gott gesendete Erlöser sei. Sabbatai selbst vermiedes indes noch immer, sich öffentlich als Messias zu proklalnieren. Es scheint, daß es ihm besonders darum zu thun war, zunächst von dem Rabbiner sestjer Vaterstadt, dem geistlichen Führer seiner Heimatsgemeinde, als Messias erklärt zu werden und dadurch seinem Erlöserberufe einen legitimen von der zuständigen Autorität anerkannten Charakter zu verleihen. Von

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