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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1892-01-01 · Heft 1 (1.1.1892) · p. Seite 18

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
12 (1892)
Issue
Heft 1 (1.1.1892)
Date
1892-01-01
Page
Seite 18 (sequence 18)
Language
German
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nern hatte sich dort angelagcrt — von ei item Juden war keine Spur zu sehen. Die Nacht brach herein; von den-benachbarten Putzten her klang der Gesang der Bauern und ich suchte irgend ein Nachtquartier zu bekommen. Plötzlich kam ein Zigeunerknabe igelaufeu und fragte, ob ein „Deutsch" gekommen sei, er solle ja warten. Darauf kam denn auch der Manu an. Er war gefahren und war in einem ausgetretenen Fluß bei iahe verunglückt. So kam er trieisend naß an — sein Gesicht von einem großen Bart umrahmt, mit langem wüstem Haar, seine beiden Stiijnlocken hingen bis auf die Brust herab. Nach der! Begrüßung sagte ich ihm, er solle sich i! inziehen und trockene Kleider anlegen. Aber davon war gar keine Rede — er Ich. war müde. Es war Abends um 7 als wir aufhörtcn war es den andern Morgen 'MO Uhr. Ich habe noch nie in meinem Leben so viel in so kurzer Zeü geredet — Die Reisenden, die durch-i kamen — benachbarte Gutsherrn — schauten und den jungen Deutschen, die so lebh einander saßen. setzte sich hin und fing an zu reden Uhr, als wir anfingen zu reden und erstaunt auf diesen alten Juden fit disputierend und gestikulierend be^ Eine Erinnerung an Weyerbeer von Alexander Weil. Meine Freundschaft mit Meyerbeer, welche dreißig Jahre währte und von Tag zu Tag inniger wurde, datirt von der ersten Aufführung seines „Robert der Teufel" zu Frankfurt a. M. gegen das Ende des Jahres 1835 oder 1836- Zu jener Zeit war ich der alleinige Heränsgeber eines kleinen Blattes, und in einer Notiz über seine. Oper wies ich nach, daß drei der Nummern aus der Synagogeninusik entnommen wären. J Ich kann sie nicht alle nennen, aber ich kann mich sehr gut erinnern, ihm bewiesen zu haben, daß der Chor dep jungen Mädchen an die Königin im zweite» Akte derselbe Gesang war, wie „menucha w’siincha“ aus de» „Semiroth" am Freitag Abend. Meyerbeer besuchte mich in der. Judengasse in meinem Zimmer, welches ich sieben Jahre bewohnte, und in welchem einst Ludwig Börne das Licht der Welt erblickt hatte. Er sagte mir, es könne möglich sein, daß diese Erinnerungen ihm aus seiner Kindheit im Gedächtniß gelegen lhätten, aber in keinem Falle wären sie nur Phrasen. Ich erwiderte, daß ich, sehr weit davon entfernt, das zu tadeln, im Gegentheil stolz darauf sei, und daß es mein einziger Wunsch wäre, zu seinem Ruhme beizutragen. Von dieser Zeit an datirt unsere Freundschaft. Vierzehn Tage vor seinem Tode sagte ich eines Morgens nach einem Balle, den ich ihm zu Ehren gegeben, zu ihm: „Warum haben Sie nicht wie Ihr Freund Halsvy, auch Synagogenmusik komponiert?" Seine Antwort ist bemerkenswerh: „Sie berühren da eine empfindliche Seite. Sie wissen doch, daß ich zwei Söhne verlor. Gut, ich will Ihnen ein Geständniß machen; wenn die Vergangenheit zurückgerufen werden könnte, würde das nicht noch einmal geschehen. Es sollte Kindern lnie erlaubt sei», eine von den Eltern verschiedene Religion zu habe». Ich fühle das tief im Hinblick auf meine Enkel, von meiner ältesten verheiratheten Tochter gar nicht zu sprechen, der ich absolute Freiheit in der Wahl ihses Gatten ließ, und die hierbei fehlgriff. Das schmerzt niich am tiefsten. Was Ihren Vorwurf, daß ich nichts

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