Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 12 (1892)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1892)
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 15 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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15 tet es, noch blühet es in markiger'Fülle, und noch heute können wir, nach Jahr« tausenden vom Judentum siegesgewiß verkünden: Nicht wird es ermatten, nicht wird brechen seine Kraft, bis es auf Erden Gerechtigkeit hat festgesetzt und alle Lande seiner Lehre lauschen werde». Giniges über die Juden in Osteuropa. Nach einem Vortrage des Herrn Wilhelm Faber über dieselbe».* Ich bin in Städten gewesen, in denen 70,000—80,000 Jude» wohnen, ihr 'Einfluß beherrscht dort vielfach vollständig Land und Volk. Einmal bin ich sogar auf einer konfessionell jüdischen Eisenbahn gefahren. Wenn jemand das Kursbuchs von Hentschel oder das Reichskursbuch zur Hand nimmt und schlägt die Sttecke Drohobycz-Boryslav auf, so wird er bemerken, daß von de» vielen Zügen »— wenn ich nicht irre, gehen deren 10 bis 12 täglich — am Sonnabend fast alle wegfalleil und nur einer oder zwei gehen, Dort ist die Gegend fast ganz von Juden bewohnt, und da es fast niemals vorgekommen ist, daß irgend jemand am Sognabend fuhr, so hat der Staat ganz von selbst am Solniabend die Züge eingehen lassen. — Die Sabbathfeier der Juden hat viel Beschämendes für uns. Am Sabbath ist eine jüdische Stadt Osteüropa's ganz still und ruhig. Es ist ei» merkwürdiger Unterschied zwischen dem Freitag Nachmittag ustd dem Sabbath. In diesen galizischen Städten sehen wir auf dem Markte ajm Wochenschluß das regste Treiben und Feilschen in echt orientalischer Weise! denn der Jude dort hat fich die orientalische Lebhaftigkeit noch in jeder Beziehung bewahrt. Mit lauter Stimme wird alles auf dem Markte ansgerufen unp angepriesen. Sobald aber der Sabbath anbricht, sobald der erste Stern aäfgeht: w iche Verwandlung, das Gewühl des Marktes ist rein weggeblasen. Alles wird ganz still. Wir schauen durch die Fenster der niedrige» Häuser, überall sehen wir das weiße Tafeltuch ansgebreilet, darauf stehen die brennenden Sabbathkerze». In den Synagogen erschallt das alte Lied: »Komm Freund, schon bricht der Sabbath an; auf, laßt uns bräutlich ihn empfah'n." — Die jüdischen Kinder, die dort auf der Straße gehen, sehen ganz anders aus als hier unsere Kinder. Die kleinen Knaben haben zwei lange Locken, die oft bis auf die Brust herunttrhängen. Das sind die „Peies" (?6otb wörtlich Ecke.) Nach dem Worte der Schrift: „Du sollst die Ecken deines Haares nicht scheeren," kommt nie eilt Scheermesser daran. Jeder Knabe hat ein schwarzes Käppcheil auf, so, wie es bei uus die alten Leute tragen. Das ist das „Jahrinelke," das Furcht Gottes-Käppchen. Der fromme Jude ist nie. ohne Kopfbedeckung, die verheirateten Frauen tragen alle Perücken. Der Rock der Knäben und Mäinier reicht bis beinahe auf die Erde, er heißt die »Schubitze," ünd ist bei Reicheren von Seide, ein Gürtel umschnürt ihn. Die auf der Straße laufenden Judenknaben sehen ans wie eine kleine Karrikatur. In der Schule wird von früh bis spät das Wort Gottes mit seinen zahllosen Auslegungen und dann später der Talmud gelehrt. Etwas anderes lernen *) Der Kantpf des Lichtes mit der Finsternis unter den Juden Osteuropa's.