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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1892-01-01 · Heft 1 (1.1.1892) · p. Seite 14

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
12 (1892)
Issue
Heft 1 (1.1.1892)
Date
1892-01-01
Page
Seite 14 (sequence 14)
Language
German
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14 nur euch an! Da war nämlich noch ein dritter Bruder in der Geschichte, die ich euch erzählt habe, der sagte: Du hast ja ganz recht, auch ich bin ganz deiner Ansicht: Entweder Alles oder Nichts, also Alles, und ich sage: Entweder Alles oder Nichts, also Nichts! . > Um euretwillen, um euretwillen allein I mußten wir diesen Grundsatz auf seine Berechtigung prüfen, um euretivillen, die ihr aus diesem Grundsatz eine moralische Rechtfertigungsformel für euer Nichts gedrechselt habt, um euretwillen, die ihr mit diesem gefährlichen Grundsatz euer Gewissen in Ruhe wiegt, euch entschuldigt vor euch selbst! Seht, ihr Entschiedenen, ihr Eigensinnigen, die ihr nur ein Entweder Oder kennet, das ist es, warum wir mit euch rechte r. Seht, das ist euer Erfolg, das sind die Früchte eueres Grundsatzes. Eueren Söhnen und Töchtern habt ihr vielfach von euerem ganzen Judentum nichts hinterlassen als dieses Entweder Oder, welches das bequemste Hinterpförtchen ist, um dem ganzen positiven Judentum zu entschlüpfen. Sie machen's wie der dritte Bruder, sie ziehen weg von der alten Burg des Judentums, weil's ihnen nicht geheuer darinnen, und weil sie nicht gelernt haben, daß man sich's auch heule wohnlich und traulich und schön darin einrichten kann. Fortschreiten im Judentum hat man sie nicht gelehrt, darum schreiten sie vom Judentum fort. Stille stehen wo ihre Väter standen können sie nicht, vorwärts gehen mit denr veredelten Judentum mögen sie nicht, also machen sie Kehrt und drehen dem ganzen Judentum den Rücken. Sie wissen nichts, als: Entweder oder: entweder dem Leben entsagen, oder dem Judentum entsagen; dem Leben aber könne» und mögen sie nicht entsagen, darum geben sie dem Judentum den Abschiedsbrief, darum kümmern sie sich nicht um alle geistigen Bewegungen und Bestrebungen in seiner Mitte; darum sind sie gleichgiltig selbst gegen Reformen. Mag mit dem Judentum, da sie nicht kennen, Vorgehen, was da wolle, sie kennen nur ein Entweder Oder. Ja es giebt auch solche Entweder Odersager in unserer Mitte, die selber außerhalb des positiven Judentums stehen, aber anfangen entschiedene Fromme zu werden, wo es sich darum handelt, was andere halten sollen. Das Absprechen nur haben sie gelernt von ihren Vätern. Allein die Väter wollten erhalten mit ihrem Grundsatz, ihr aber wollt zerstören, euere Väter wollten das Judentum bewahre», ihr aber grabet dem Judentum ein Grab! Des Lügengeistes Rede ist's, die ails euch spricht. Ihr wollet das Judentum, das dem Druck und der Verfolgung der Jahrtausende nicht erlag, mit eigener fand zerstören, ihr wollet niederreißen undlnicht aufbauen, ihr wollt, daß das ndentum sein Herzblut hingebe und seine Lebensgeister entfliehen lasse. Aber der Wahrheit Stimme ruft euch zu: Lernet das Judentum besser kennen, besser verstehen! Nicht vergebens hat das Judentuin gekämpft und gerungen und gelitten und ausgeharrt, nicht vergebens hat es gegen altes und neues Heidentum, gegen Sinnlichkeit und Aufgeheu im Irdischen gekämpft einen viel tausendjährigen Kampf, nicht vergebens Hai es unzählige Geschlechter erzogen zum Gottesgedanken und zur ideale» Lebensauffassung, nicht vergebens in Unzähligen den himmlischen Funken angefacht und genährt, nicht vergebens sich im Zeiteiistrome stets verjüngt und ewig fortgebildet, nicht vergebens hat es im Frühling dieses Jahrhunderts neue Jugendkraft gewonnen und sich veredelt und verklärt. Und wenn der Geist der Zeit sich in Titanentrotz gegen es empören will, unsere Zeit wird vergehen, aber das Judentum wird bestehen. Noch ist sein lebendiger hoher Geist ihm nicht entwichen, noch ist seine Kraft nicht gebrochen. Noch leuch-

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