Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 12 (1892)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1892)
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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9 zehnten Jahrhunderte hervorgetretene sabbatianische Bewegung anzusehen, die auf eine völlige Umgestaltung des Judentums hinzielte aber trotz der gewaltigen Erregung der Geister, die sie hervorrief, resultatlos verlaufen mußte, weil es dem Manne, der sie hervorgerufen - hat, an jener Genialität gefehlt hat, die von einem großen Gedanken erfüllt ist und in seinen Wegen ihm rastloS nachfolgt. Wer unb was war Sabbatai Zebi? Wen» »vir nach den Berichten seiner Gegner urteilen sollten, »var er nichts mehr als ei» gewöhnlicher Betrüger, ein eitler Großthuer, eine possenhafte Figur, deren Thun man nicht ernst zu iichmkn hatte. Fragen wir. »vas seine Anhänger, seine Apostel von ihm melden, so bekommen wir fast nichts mehr als Fabeln upd Wnndergeschichten zu hören, die selbst, wenn etwas Wahres daran" sein sollte nicht viel bedeuten. In dem Sendschreiben eines seiner Anhänger,'welches ich vor einige» Jahren in einer Handschrift her Wiener Hosbibliothek aufgefunden unb damals in einer hebr. Zeitschrift veröffentlicht habe, wird offen zugestande», daß seine Freunde, die sich in seiner nächsten Umgebung befanden und die er in seine Lehren eingetveiht hatte, diese selbst nicht so recht verstanden haben und nur so viel wußten, daß sein ganzes Studium darauf gerichtet gewesen sei, das Geheimnis des göttlichen Wesens und das Verhältnis desselben zu den voi» ihm ausgegangenen Potenzen zu erforschen. Es war in der That auch nicht feine Lehre, sondern seine Persönlichkeit, die eine so mächtige Anziehungskraft ansgeübt hat, es »var seine angeblich messianische Sendung, die ihm in den Augen seiner Zeitgenossen eine so große Bedeutung verliehen hat. Für unsere Begriffe »nuß jemand durch hervorragende öffentliche Wirksainkeit oder durch große litterarische Leistungen sich auszeichnen, um einen glänzenden Namen zu erlange» und ein weitverbreitetes Ansehen zu genießen, in der Zeit, in der Sabbatai Zebi lebte, konnte man, wie bis vor kurzem noch in vielen jüdischen Kreisen, durch wahre tiefe Frömmigkeit, durch die Idealität des Gemütes, durch die hingebungsvolle Gottesfurcht, die die Seele über das Irdische erhebt, einen großen Ruf. eine weit verbreitete Verehrung erlangm. Sabbatai Zebi war kein großer Geist, man kann ihm keine bedeutende selbständige Wirksamkeit nachrühmen, aber er war ein Idealist, dein es von Jugend an damit heiliger Ernst war, Gott zu suchen und für Gott zu leben. Ich »nöchte seine Biographie nicht iioch mehr ausschmücken, als es bereits von seinen Freunden geschehen ist und will Ihnen, indem ich alles Sagenhafte zurücklasse, nur die wesentlichen und thatsächlichen Momente derselben vorführen. ' (Schluß folgt.) Entweder — Oder. Aus einer Rede, gehalten von D». Cäsar Seligmann, Prediger am israelitischen Tempelverbande in Hamburg Es wohnten einst drei Brüder in einer friedlichen Burg am Stromesrand, und die Burg war gar fest und stark und gqr heimisch und traulich; der Urahne hatte sie schäl» erbaut und eingerichtet, und alle seine Nachkoalmen hatte» darin gewohnt. Eines Tages merkten die Brüder mit Schrecken, daß der Strom seinen Lauf veränderte schon nmspülten seine Wellen die Burg, schon drang der Strom durch alle Ritzen der Quader, und die Burg selbst schien bedroht. ,Da versammelte»» sie sich zu ernstem Rath und überlegten, was zu thun sei - Der