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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1892-01-01 · Heft 1 (1.1.1892) · p. Seite 7

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
12 (1892)
Issue
Heft 1 (1.1.1892)
Date
1892-01-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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7 mir sehr vernachlässigte Studium der Bibel auch im Allgemeinen zu Ehren kam und die Schriftforschung von der talmudischen Auslegung unabhängig gemacht und die allen Midraschdeutuugen nur als sinnreiche freie Betiachtungen. nicht aber als exegetijche Wahrheit angesehen wurden. Kaum hatten sich nu» die Wogen des Streites, der Jahrhunderte hindurch um die Quellen und Urkunden der jüdischen Gesetzeslehre geführt wurde, gelegt, da kani es bald wiederum zu einem wohlnicht so tief eingreifenden aber doch nicht minder heftigem Kampfe, bei welchem jetzt noch viel wichtigere Gegenstände in Frage kamen und auch der Talmud wiederum in Mitleidenschaft gezogen wurde. Die aristotelische Philosophie, von den Arabern auf den Thron erhoben, hatte auch im Judentume die Herrschaft über die Geister gewonnen. Man mußte, sollten Religion und Wissenschaft, Glaube und Vernunfterkenntuis einander nicht fremd oder gar feindlich gegenüberstehen, die Grundlehren des Judentums gedankenmäßig ergründen, philosophisch beleuchten, einen höheren Zweck und geistigen Inhalt in den einzelnen Religionsgesetzen entdecken und im Allgemeinen nachzuweisen suchen, daß die aristotelische Weisheit im Judentume längst ausgesprochen sei. Für das Judentum, dessen Lehren nicht dogmatisch formulirt sind und das überdies eine genaue Beobachtung unverstandener Satzungen verlangt, war jetzt eine doppelte Gefahr vorhanden. Einerseits war es mit Sicherheit vorauszusehen, daß die alten heiligen Glaubenslehren, die das Herz erheben und es mit Gottinnigkeit erfüllen sollen, in subtile Abstractionen verflüchtigen, in blasse Philosophie umwandelt werden und andrerseits mußte eine symbolische Auffassung der einfachen Erzählungen und gesetzlichen Vorschriften, wie sie jetzt in Schwung kam, dahin führen, daß auf die Uebung der religiösen Ccremonieen kein Wert gelegt, wird. In der That haben die jüdische^ Aristoteliker, an ihrer Spitze der ebenso geniale als wissensreiche Maimonides, ein scharfer Denker und zugleich auch ein Gelehrter, der eine Belesenheit in der theologischen und philosophischen Literatur besaß, wie sie vielleicht bis auf den heutigen Tag von keinem Vertreter der jüdischen Wissenschaft wieder erreicht worden ist, ihre Auffassung der Grundlehren des Judentums ganz von den Principien des Aristotelismus abhängig gemacht und ihnen dadurch einen Inhalt verliehen, der mit der herkömmlichen Auffassung nur auf künstliche Weise in Einklang gebracht werden konnte. Ueberhaupt mußte die in diesen Kreisen herrschend gewordene Methode, in den Schriftstellen, wie in den talmudischen Sätzen, die als Urkunden und Belege der jüdischen Glaubensgrnndsätze angesehen wurden, Hindeutungen auf Lehren griechischer, Weisheit zu erblicken, die Altgläubigen, die von einem Judentume, das nur durch die Anlehnung an fremde Krücken sich erhalten kann, nichts wissen wollten, stutzig machen. Maimonides hatte z. B. den Gottesglauben so abstract gefaßt, daß schon die Annahme positiver Eigenschaften der Gottheit, die mit ihrem Wesen identisch sind, als eine Art Vermenschlichung derselben erschienen. Jede Vorstellung, die wir uns mittelst des Verstandes oder gar der Phantasie von der Gottheit entwerfen wollten, ist in seinen Augen eine Verletzung der Wahrheit, da wir von Gott nichts mehr wisien und auSsagen können, als daß er ist. Ja er stempelt denjenigen, der der Gottheit eine Gestalt oder ihr Thätigkeiten und Eigenschaften beilegt, die ein körperliches Wirken voraussetzen, zum Gottesleugner. Das ist nicht wahr, replicirt darauf sein literarischer Gegner Abraham b. David, nein! wer nach seiner Auffaffung der Schriftstellen und talmudischen Erläuterungen über das Wesen und das Wirken der Gottheit sich dieselbe nicht anders vorstellen kann, als daß auch körperliche Eigmschast in ihr vorhanden ist, der ist deshalb noch durchaus nicht

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