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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1892-01-01 · Heft 1 (1.1.1892) · p. Seite 6

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
12 (1892)
Issue
Heft 1 (1.1.1892)
Date
1892-01-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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6 — „daß ich im Grunde bist gar nicht so böse, als Du es Dir eiiibildkst. Man hat Dich nur dazu gemacht. Für mich aber bist D» dip bpstp £tvnit Nie irfi fiiihpn fonnte. lliih uifim Du warum? Weil ich „Also gibst Du zu?" versetzte Baxuschka lächelnd ein Satan bin?" „Nein, mein Weibchen," sprach Mendel, „Du Du warum? Weil ich „Wenn Gott gewollt Du die beste Frau, die ich finden konnte. Und weißt die Lehre des Talmuds befolgt habe, die da lautet hätte, daß das Weib die Sklavin des Mannes sein soll, so hätte er sie ans seinen Füßen genommen. Hätte er gewollt, daß sie seine Herrin werden sollte» so hätte er sie aus seinem Kopfe genomine». Da Gott sie aber aus der Mitte des Mannes nahm, so wollte er, daß sie seine Gefährtin sei." Baruschka sah Mendel mit einem dankbaren Lächeln an und dann stand sie langsam auf, legte die vollen Arme um ihn und küßte ihn. Sabbatai Jebi und fein Anhang. Vortrag, gehalten im Mendelssohn-Verein zu Frankfurt a. M. von Rabbiner Dr. N. Brüll s. A. (Nachdruck verboten) Es hat zwar den Anschein, als ob das Judentum seit der Zeit, in welcher der babylonische Talmud zum Abschlüsse gelangt ist und Gottesdienst und Religionsübung nicht anders als . nach den in diesem großen Sammelwerke enthaltenen Normen geregelt werden sollten, eine stabile Gestalt, einen unveränderlichen Charakter angenommen hätte und in den früheren Jahrhunderten nie eine Reform desselben versucht, nie ein Widerspruch gegen das mit unantastbarer Autorität bekleidete Herkommen gewagt worden wäre, so daß etwa das ganze religiöse Leben nur in der gewohnheitsmäßigen Annahme und Fortkrhaltung der ererbten Glaubensanschauungen und Cultusübnngen bestanden hätte, allein ein Rückblick auf die Geschichte des Judentums, die freilich erst durch die neuere jüdische Wissenschaft ans Licht - gezogen wurde, zeigt uns, daß doch von Zeit zu Zeit Bestrebungen hervorgetreten sind, die darauf hinzielten, diesen Zustand der Starrheit, der jeder Entwicklung zum Bessern im Wege stand, zu brechen und das ewig Wahre und Heilige, das in der Religion uns dargebote» wird, in das rechte Licht zu stellen und es zugleich auch zur vollen Geltung zu bringen. Die Opposition gcgeiube» Talmud und den Glauben an den göttlichen Ursprung der rabbinischen Ueberueserungen war selbst schon im achten Jahrhunderte so. mächtig geworden, daß sie innerhalb der Judenheit eine tiefgehende Spaltung hervorrief und das Auftreten eines Mannes, der sich offen gegen die Autorität dieses Werkes erklärte, hinreichend war, Tausende zu einer großen antitalmudischen Partei zu vereinigen, die sich Karaiten, die Bekenner der biblischen Lehre lzuerst nach dem Namen ihres Hauptes Ananiten) nannten und da sie mit ihren Gegnern sich nicht vereinigen konnten, zu einer besonderen Secte sich abzweigten. Mochten die Motive und die Folgen dieser Bewegung welche auch immer gewesen sein, der ihr zu Grunde liegenden Idee, daß die Kenntnis des Judentums zunächst aus lauteren Quellen geschöpft werden müsse und das richtige Verständnis der heiligen Schrift gegen die oft den einfachen Wortsinn preisgebenden rqbbinischen Auslegungen nicht zu weit hintangestellt werden dürfe, war eine gewisse Berechtigung nicht abzusprechen und so kam es, daß das

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