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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1892-01-01 · Heft 1 (1.1.1892) · p. Seite 4

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
12 (1892)
Issue
Heft 1 (1.1.1892)
Date
1892-01-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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4 „Ich nähme sie, und wenn sie noch schlimmer wäre," erwiderte Mendel Naphtali. Die Hochzeit fand in Sobolina statt. Dann fuhren die jungen Eheleute nach Kirbassa, und hier geschah das erste Wunder. Baruschka. welche als Städterin, das Naschen spöttisch erhoben, auf das Land zog, war angenehm enttäuscht, als sie erst das hübsche, fröhliche Thal sah, in dem Kirbassa lag, das große, schöne Dorf und das prächtige Besitztum ihres Gatten. : Bollends starr vor Verwunderung war sie, als ^Mendel Naphtali sie nun in ihr Schlafzimmer führte, das ei ihr ganz besonders hübsch eingerichtet, und die reichen Geschenke vor ihr ausbreitete, die er ihr zur Brautgabe bestimmt hatte. „Das ist nicht recht," sagte Baruschka verwirrt und beschämt, „ich sehe, daß Du _ein Verschwender bist. Fast könnte ich Dir böse werden, obwohl Du es gewiß gut gemeint hast." „Weshalb solltest Du mir böse werden?" erwiderte Mendel Naphtali, „Sagt nicht der Talmud: „Der Mensch esse und trinke unter seinem Vermögest, kleide sich nach seinem Vermögen und ehre seine Frau über sein Vermögen." „Nun, wenn es der Talmud sagt," erwiderte Baruschka lächelnd, „so will ich's Dir für diesmal Nachsehen.* ■ j Nachdem Baruschka ausgepackt!t»d es sich bequem gemacht hatte, äßtzn sie zu Nacht, und dann gab sie sofort di: erste Probe ihrer Regierungskunst.! „Geh, Mündel," sprach.sie, während sie behaglich im Lehnstuhl saß, „bringe mir meine Kazabaika, sie liegt drinnen in meiner Stube auf dem Betts' Wenn Baruschka erwartet hatte, Stendel werde sich ihrem Befehl heroisch widersetze», so hakte sie sich vollständig geirrt. Ruhig ging er hinein, brachte ihr die Pelzjacke, half ihr in dieselbe hinein und brachte ihr dann noch zwei reizende, goldgestickte Pantoffel.! „Was soll ich damit?" fragte Baruschka- „Was Du damit sollst?" erwiderte Mendel lächelnd, „zweierlei, Du sollst sie anziehen und Du sollst mich unter den Pantoffel bringen, wie Du mir's verheißen hast- Wen» die Frau so schön ist wie Du und der Pantoffel so niedlich, läßt man sich's gerne gefallen." - „Du bist ein Narr!" rief sie, aber mit einem Blick, welcher deutlich genug bewies, daß ihr die Narrheit Mendels nur zu gut gefiel. „Ja, Du hast Recht," erwiderte er lächelnd, „wirklich, ich bin wie ein Narr in dich verliebt." Und damit schlang er die Arme um sie und wollte sie küssen. Baruschka wehrte sich, ja sie gab ihm einen derben Schlag auf die Wange, aber Mendel lachte nur um so toller und küßte ihr die Hand, mit der sie ihn geschlagen hatte, und endlich begann auch sie zu lachen. „Nein," murmelte sie, „man kann dem Menschen nicht böse sein, er ist wirklich zu komisch." Und noch immer lachend,. gab sie sich willig seinen Küssen hin — — — —. Merkwürdig! Es kam ganz anders, als es alle Welt erwartet hatte. Es gab niemals Streit, niemals böse Worte zwischen Mendel und Baruschka. Allerdings war es ihre Art, rasch und resolut zu sprechen und ihre Worte mit einem Mienenspiel und Gesten zu begleiten, die vielleicht einen andern zum Widerspruch gereiht hätten. Aber Mentzel hatte das glücklichste Temparament der Welt, pflrgmatisch und heiter zugleich.! Er blieb immer ruhig, immer gleichmüthig, und da Baruschka ungemein klug war, und wenn sie ihren

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