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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1892-01-01 · Heft 1 (1.1.1892) · p. Seite 3

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
12 (1892)
Issue
Heft 1 (1.1.1892)
Date
1892-01-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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„Sie find nicht gescheit," erwiederte Baruschka und zuckte mit einer Geringschätzung, welche sie nur «och reizender erscheinen ließ, die Achseln. „Wer sind Sie überhaupt, daß dieser Weise mit mir reden?" „Mein Name ist Mendel Naphtali. ich habe ein hübsches Gut drüben in Kirbassa, bin ein wohlhabender Mann und leider Wittwer seit fünf Jahren." „Und meschugge obendrein," rief Baruschka lachend. „Meschugge? Warum?" fuhr Mendel fort, unerschütterlich in seinem behaglichen Lächeln. „Weil ich Sie zur Frau nehmen will? Warum sollte ich Sie nicht nehmen? Weil Sie als bös gelten? Fräulein Sarah, ich fürchte mich nicht vor Ihnen, mögen Sie noch so böse sein, dafür sind Sie auch schön und der Talmud sagt: Wer ist reich? Wer eine schöne Frau hat, schön besonders a« Charakter." Nun, und haben Sie etwa nicht einen guten Charakter? Sind Sie nicht klug und resolut?" Baruschka hatte ihm immer verwunderter zugehört. Langsam neigte sie sich über den Ladentisch zu ihn, herüber und den Kopf in beide Hände gestützt, sah sie ihn mit ihren großen dunklen Augen forschend an. „Und Sie hätten wirklich den Muth," erwiederte sie, „mich zur Frau zu nehmen?" „Ja, gewiß," gab Mendel zur Antwort. „Mich, die Böse?" „Gerade deshalb." fuhr er fort. „Sehen Sie, eine gute Frau ist lang- Seilig, das habe ich bei meiner ersten gesehen, sie war ein Muster einer Frau, eine Taube, ein Engel, und doch schlief ich manchmal des Abends an ihrer weite ein. gleich so auf dem Stuhl nach dem Nachtessen. Eine böse Frau, weine schöne Sarah, oder Baruschka, wie man Sie nennt, bringt einem Abwechslung tn<3 Haus, da giebt es jeden Tag was Neues, und ich stelle mir das köstlich vor, einen Mund zu küssen, der uns eben böse Worte gegeben hat." „Wirklich," erwiderte Baruschka, „ich hätte Lust, Sie zu nehmen, nur ulm Ihnen zu beweisen, was Sie für ein Narr sind. „Dann nehmen Sie mich," bat Mendel Naphtali, indem er ihr treuherzig die Hand bot und sie mit seinen guten Augen schalkhaft-ansah. „Da Sie es uicht anders wollen," entgegnet« Baruschka, „so sei es denn, ich nehme Sie," und zugleich legte sie ihre kleine, weiße Hand in die seine. Noch in derselben Stunde war Mendel Naphtali bei ihren Eltern. Diese waren selig, ihre Tochter auf so gute Art los zu werden. Wenn Aron Merores alle seine Reste, die er hinten im Magazin ausgespeichert hatte, auf einmal los geworden wäre, er wäre kaum glücklicher gewesen. Es war ngötzlich, die Beiden zu sehen, als sie nun zusammen verhandelten. Aron Merores hielt Mendel fest in der Todesangst, er könnte ihm noch im letzten Augenblick entschlüpfen und Mendel Naphtali konnte nicht rasch genug zum Abschluß kommen, so sehr fürchtete er, die schöne Sarah könnte sich noch eines andern besinnen. „Und wenn es Ihnen recht ist und Ihrer Tochter," schloß Mendel Naphtali, „so wollen wir rasch Hochzeit halten." „Auch das," sprach Baruschka. „Ich kann es nicht erwarten. Sie unter meinen Pantoffel zu bekommen. Warten Sie nur, bis wir verheirathet sind, dann sollen Sie mich erst kennen lernen." „Sie ist nicht so schlimm als sie thut," sagte Aron Merores begütigend.

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