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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1890-12-01 · Heft 12 (1.12.1890) · p. Seite 284

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
10 (1890)
Issue
Heft 12 (1.12.1890)
Date
1890-12-01
Page
Seite 284 (sequence 20)
Language
German
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284 Grundlagen haben, kann die Welt von jenen bestialischen Anwandlungen befreien, der in letzter Zeit namentlich in Hessen die Massen erfiillten. — Am 18. Oktober feierte die einzige Schwester Heinrich Heinc's, Frau Eharlottc Embden, in Hamburg, ihren 90 Geburtstag. — Herr i)r. Hettelheim, Prediger der Reformgemeinde in Kaltimorr, starb ans dem Dampfer „München" am dritten Tage seiner Reise von Hamburg nach Baltimore. Er stammte au§ Galgocz, und war früher Rabbiner in Philadelphia, Richmond und San Franciskv. Sein Leichnam wurde am 21. August um Mitternacht bei Fackelschein in feierlicher Weise ins Meer versenkt. Die Ceremonie leitete Herr 0r. Stein, der nebst zwei katholischen Geistlichen auch am Krankenlager des Verstorbenen gebetet hatte. — In Iiichin wurde am 6. Oktober das fünfzigjährige Bestehen der dortigen Synagoge festlich begangen und in Eich wurde eine Synagoge durch Herrn Rabbiner I>r. Stein aus Worms eingeweiht. — Von dem talentvollen Maler S. Kohn aus Wien, bekannt durch sein Buch „die Malerei", ist über die diesjährige II. Münchner Jc hresausstellung eine Brochüre „Kunst und Künstler; Betrachtungen eines Malers ans einem Rnndgange im Glaspalaste" erschienen. — In Eöln gelangen an jedem 10. und 24. Oktober den Sterbetagen der Freiherrn Abraham von Nppenhcim und der Freifrau Eharlotte v. Gppenheim in der jüdischen Gemeinde ca 5500 Mark zur Verteilung an jüdische und ebensoviel an christliche Arme. Am 16. Oktober hielt in Worms im Arbeiterbildungsverein Herr Lehrer Rothschild einen Vortrag über „Berthold Auerbach." Die dichtgedrängte Zuhörerschaft folgte mit sichtlicher Spannung den Ansführnngen des Redners. — Herr Lehrer f. Drei>f»ß in Lörrach kam in einem im dortigen Vereine „Eintracht" gehaltenen Vortrage auch auf die Uebelstände int synagogalen Leben zu sprechen. Er hebt mit Recht hervor bei dem Gottesdienste, wie er jetzt besteht, komme es nur darauf an. daß die Zeit „totgeschlagen" werde und es falle gar nicht auf, daß von dem Inhalte der Gebete nicht das Geringste verstanden werde. „Wir sagen wie's gedruckt ist" sagte jüngst ein einflußreicher Mann der dortigen Gemeinde, als der Vortragende eine nur bescheidene Abkürzung in den Gebeten vorschlug. Es ist wirklich etwas ganz Erstaunliches, den ganzen Tag am Versöhnungstage unverstandene Worte herzusagen. Dieses unverstandene Beten ist tadelnswert uttb verwerflich. Der Vortragende hat schon früher einmal in einem Aufsatze „Ueher den Unterricht im Hebräischen bei der israelitischen Jugend" ähnliche Mißstände zur Sprache gebracht. Die Folge von der jetzigen Art unseres Gottesdienstes ist die, daß man selbst am Versöhnungstage die meiste»Zeit von der Synagoge ferne bleibt und daß diejenigen, die in derselben ausharren, sich gemütlich mit den Nachbarn unterhalten. Der Vortragende betonte mit Recht „Nach Erwägung dieser Thatsachen müssen wir uns gestehen, daß wenngleich die Feste noch immer in alter Weise gottesdienstlich begangen werden diese Feier sich bereits als unhaltbar und unserem jetzigen Andachtsbediirfnisse durchaus nicht -mehr entsprechend gezeigt hat. Das Hersagen von unverstandenem Hebräisch (oder Chaldaeisch) als Gebet kann uns nicht mehr befriedigen. Der deutschen Sprache muß in unseren Gotteshäusern ein größerer Raum gegönnt sein und die Predigt muß überall den Hauptbestandteil desselben bilden. Auch die Frauen werden sich dann ist gehöriger Weise am Gottesdienste beteiligen und sich nicht mehr durch Gespräche über Küche, Mode und dergleichen die Zeit zu vertreiben suchen. Es sind, tvie wir sehen, beherzigenswerte Worte, die Herr Dreyfuß zur Sprache gebracht. Möchten dieselben nicht leer verhallt sein! — In N. 2 der Mitteilungen über die Missionsarbeit der Gesellschaft zur

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