Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 10 (1890)
- Issue
- Heft 12 (1.12.1890)
- Date
- 1890-12-01
- Page
- Seite 283 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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283 in unserer Mitte die Stärke, die Wertschätzung und die Bedeutung des Arbeiterstandes eine Einbuße, doch ist der Grund hiefiir nicht in uns, sondern außer uns zu suchen in den dabei interejsirten Kreise». Seitdem aber diese störenden Einflüsse beseitigt sind, werden die Juden immer in den Reihen der Arbeiter zu finden sein und ihren Brüdern im Altertum, was Fleiß, Biederkeit, Haltung. Religion, Moral und Tüchtigkeit betrifft, würdig sich auschließen. Das zu fördern und zu unterstützen ist Aufgabe des Handwerkervereines, und in diesem Sinne ist und muß jeder Jude unterstützendes Mitglied des isr. Handwerkervereins sein.! Was dem Verein noch zu tyun erübrigt, ist, auch unsere Frauen unb Jungfrauen für den Handwerkcrvereiy zu gewinnen. Erst wenn unsere jungen Damen frei von jedem Vorurteile die ihnen dargebotene schwielige aber biedere und ehrliche Hand des jüdischen Arbeiters niit eben so bezaubernder Liebenswürdigkeit annehmen und drein einschlagen werden, wie in die jedes andern Standes; und wenn dann unsere Mütter über solche Wahl ihrer Töchter ebenso beglückt wie über jede andere sein werden, und zufrieden und in ihrem Mutterstolze befriedigt ihr segnendes und beglückendes Jawort geben; dann ist die Arbeit, wie sie es stets im jüdischen Geiste und in jüdischer Auffassung war. nicht nur ein Segen und ein Paradies dem jüdischen Arbeiter in seiner Werkstatt, sondern auch in dem jüdischen Hause an der Seite und in der Liebe der unvergleichlichen jüdischen Frau. _ Wonatsschau. Der Herzog von Anhalt hat eine Erinnerungs-Medaille für die Theilnahme an der Enthüllung des Mendelssohn-Denkmals in Dessau prägen lasse». — In Kerlin wurde daS Denkmal Gotthold Ephraim Keslings, geschaffen von dem Bildhauer Gtto Kessing am 14. Oft. feierlich enthüllt. Zn beiden Seiten des Sockels speien Delphine Wasserstrahlen in Granitbecken. Vier Reliefs bilden den künstlerischen Schmuck des Sockels; eins enthält die Inschrift „Gotthold Ephraim Lessing", das zweite ist ein scharfumriffenes Bild des geistvollen Kopfes von Meiidelssohn. Die Festrede hielt Herr Prof. Erich, die mit den Worten schloß: Die verschlungenen Ringe an der Vorderseite des Denkmals aber sollen besiegeln nicht das Gelöbnis nur frostiger Toleranz, nein! das Gelöbnis der wechselseitigen werkthätigen Liebe. — „Du heiliger Genius" — „Du Funkenschläger und Fackelschwinger, Du Phosphoros der deutschen Prosa, Du Schwerkfeger, dessen Waffen blank und scharf stets in jedem deutsche» Kampf um geistigen Fortschritt und nationale Ehre mitkämpfen! Klare Wasser rieseln zu Deinen Seiten, sie laden uns, zu schöpfen aus dem Quickborn Deines Geistes. Du aber schiedest von uns mit den symbolischen Worten von der Erhaltung der geistigen Kraft: „Ist nicht die ganze Eivigkeit mein?" Ein Jeder aber, der, dankbar des von Dir Erungenen, vor Dir steht, wird eingedenk sein Deiner Worte: „Es eifre Jeder seiner »«bestochenen, von Vorurtheilen freien Liebe nach!" — Der Erlaß des Großherzoglichen Hessischen Oberconsistoriums au die Geistlichen, in welchem die antisemitische Agitation als unchristlich und die Beteiligung an derselben als unvereinbar mit den Christen- und Amtspflichten eines Geistlichen bezeichnet wird, darf als ein Wendepunkt in der Geschichte des Antisemitismus augesehen -werden. Rur die Geistlichen aller Confessionen sind im Stande, das Unheil abzuwehren, nur der Friede zwischen Jndentniu und Christentum, welche dieselben ethischen 12*