Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 10 (1890)
- Issue
- Heft 12 (1.12.1890)
- Date
- 1890-12-01
- Page
- Seite 282 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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282 Die Familiennamen, welche für die Juden jener Zeit etwas ganz neues waren, wurde von den Geburtsorten oder den Beschäftigungen genommen und geben uns daher ei» Bild von den damals bei den Juden üblichen Handwerkes und Beschäftigungen., Der leichtern Nebersicht halber mögen sie alphabetisch uns vorgeführt werden: Bader, Buchbinder, Bauer dieser sehr häufig verkommende beweist, wie beliebt der Ackerbau bei den Juden war ebenso verbreitet ist der Name Bäck und Bäyer. Drucker oder hebr. Madfes ist sehr häufig, wie ja seit 1500 von den Juden in Italien, der Türkei, in Amsterdani, in vielen Städten Deutschlands und in Galizien die hebr. Buchdruckerei eifrigst betrieben wurde. Färber, Fleischer, Fleischuiann, Glaser, ferner Goldschmied, Margulies, Cores, das auch in Koref verwandelt wurde, Silberer, Silberstein, Silbermann, Edel-! stein u. d. gl. ni. sehr verbreitet, in Folge der sehr beliebten und stark betriebenen j Goldschmiedekunst; Klcmperer gleichbedeutend mit Klempner und Spängler, Lederer soviel wie Gärber, welcher Name ebenso wie das Gewerbe vielfach sich! findet, Maler, Müller, Posamentierer, auch Schuürmacher und Schnürdreher, Schleifer, Sattler, Riemer, Schindel, Schindler (Arbeiter der Schindel zur Dachj deckung), Schreiber hebr. Sofer, Schneider, Schuster, Stricker, Steingraber, Steinschneider (gleich! Graveur), Töpfer, Wagner, Zinner d. h. Zinnarbeiter, i Diese Familiennamen zeigen am Beste», daß die meisten Handwerke von! Juden betrieben wurden, und dabei will dieses Verzeichnis noch nicht auf! Vollständigkeit Anspruch machen. Nennen wir noch die häufigen Nanien Träger j und Schröter, so sehen wir, daß die schwere Arbeit des Lasttragens de«! Juden ebenfalls ein willkommener Erwerb war, wie man das noch heute! in Amsterdani und Saloniki tagtäglich sehen kann. Selbst polnische und russische Juden, denen zumeist wegen einiger sehr elenden oder wirklich1 nichts taugenden und übrigen überall bemer berufsmäßig bettelnden Brüder, die sich zum Schaden derj Ikbar machen, Mangel an Arbeitsliebe aber mit Unrecht! llen das größte Contingent der jüdischen Arbeiter im allge-! iter in Polen, Rußland und Bukowina überhaupt. Das! wenigstens aus den Augenscheine Rabb. Dr. Rülf in che: Drei Tage in Rußland. Die beliebtesten und gej i den Diamantschleifereic» sind von jeher die Inden in! Anifierdam! Halten wir Umschau in unserer eigenen Gemeinde (Bielitz), so finde»! wir von dem Großindustriellen und Fabrikanten bis zum Flickschuster alle Hand-! Werker vertreten, so haß unser schönes Gotteshaus vom Baumeister bis zum j Spengler, Tischler und Maler von jüdischen Arbeitern, Mitgliedern unserer Ge- > nieinde, ferligäcstellt wurde. Wenn dessenungeachtet der jüdische Arbeiter we-! »iger in die Angen fällt, so mag es seine Nüchternheit, seine Zurückgezogenheit,! seine Vorliebe für das Familienleben sein, das ihn dem ostentativ auftretenden, socialistisch angehauchten Arbeiterleben entzieht; weniger als der nicht jüdische Arbeiter arbeitet er sicherlich nicht. Ziehen wir nün das Ergebnis ans dem bisher Gesagten, so kann als erwiesen erachtet werden: Die Juden werden durch ihre religiöse Erziehung und Anschauung und sogar durch den viel geschmähten und gelästerten Talmud zur Arbeit angewiesen und erzogen. Durch ihre Vergangenheit und Geschichte gehören sie mit ihren besten Kräften und mit ihren größten und edelsten Geistern, der Arbeit an. Die Arbeiter bildeten ihre beste Gesellschaft, das Herz und den Pulsschlag ihres körperlichen, geistigen und religiösen Lebens. Ein Zeitlaug erlitt