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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1890-12-01 · Heft 12 (1.12.1890) · p. Seite 279

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
10 (1890)
Issue
Heft 12 (1.12.1890)
Date
1890-12-01
Page
Seite 279 (sequence 15)
Language
German
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- 27g - Die Arbeit wurde von den Alten nicht nur als Mittel des Unterhaltes gewählt, sondern auch als Medizin zur Stärkung und Kräftigung der körperlichen Gesundheit. So wird von R. Jose berichtet, daß er die Mühle getrieben, von R. Schescheth, daß er Balken getragen, mit in Ermanglung eines Dampfbades den Körper in Schweiß zu bringen und sich von Erkältung zu befreien. Sie wendeten darauf den Grundsatz an: Schätzenswert ist die Arbeit schon darum, daß sie dem Arbeiter Wärme erzeugt?) Aus all de,» geht zur Genüge hervor, daß das Judentum der Arbeit allezeit den höchsten Wert beigelegt und daß die Arbeiter nicht etwa den Abhub der Gesellschaft sondern den Geistesadel, die höchsten Vertreter der Religion und der Sittlichkeit bildeten, so daß die jüdischen Arbeiter in unserer Geschichte nicht allein den gesunden kräftigen Arm, sondern den gesunden Sinn und de» lebenskräftigen Herzschlag des Volkes bildeten. Wie koinmt es nun, nmß jeder erstaunt fragen, daß die Juden infolge ihrer religiösen Erziehung, der sorgfältigen Pflege des Religions- und besonders des Talniudstudiums und der alten Überlieferung von den Vätern und dev ererbten Gewohnheit nicht immer und überall auch Arbeiter und Handwerker geblieben find? Darauf gibt es zwei Antworten. Erstens sind es unsere Feinde, die den Vorwurf erhoben. haben, daß die Juden der Arbeit und dem Handwerk sich nicht zuwendeu^ und wir Juden sind zu gleichgültig, um daran zu denken, mit statistischem Materiale de» Nachweis zu führen, daß wir mit einem vielleicht ebenso großen, Prozentsätze als alle andern Nationalitäten und Bekenntnisse, an Arbeit und Handwerk beteiligt sind. Auch ohne dieses Mittel zur Verfügung zu haben, werde» wir uns nachzuweisen bemühen, daß nur Ungerechtigkeit den Vorwurf der Arbeitsscheu gegen uns erheben kann, und daß zweitens, falls dieser Vorwurf irgend welche Berechtigung hätte, die Schuld davon uns nicht aufgebürdet werden dürfte, daß wir nur anderer Sünden tragen und büßen. Zur ersten Antwort will ich an der Hand geschichtlicher Daten, so weit der enge Ramen dieses Vortrages es gestattet, den Nachweis liefern, daß die Juden, seitdem sie den Boden Palästinas verlassen hatten, immer und „überall Ackerbau und Handwerke, wenn auch nicht ausschließlich, betrieben. In Ägypten und besonders in Alexandrien, wo das Deltaquartier ganz von Juden bevölkert war, trieben die Juden mit Eifer Handel und. Schifffahrt, doch waren diese nicht ihre einzige Beschäftigung. Vermöge ihrer Lernbegier und ihrer Anstelligkeit lernten sie bald den Griechen ihre Kunstfertigkeit ab und wußten Rohprodukte schön und sinnreich zu verarbeiten. Es gab unter de,, alexandrinischen Juden viele Handwerker und Künstler, die sogar in einer Art Ziinftgenossenschaft vrganisirt waren; brauchte man in Palästina Künstler für de» Tempel, so berief man sie aus der alexandriuisch-jüdischen Gemeinde2) Die Beschäftigung der babylonischen Juden, welche zusammenhängende Landstriche, das Land Israel genaunt, bewohnten, war Ackerbau, Handwerke aller Art, und was besonders in einem von Kanalbewässerung abhängigen Lande natürlich ist, sie gruben und reinigten Kanäle, auch betrieben sie Viehzucht, Handel, Schifffahrt und einige Künste?) Die Juden des fränkischen und burguudische» Reiches, in welchem die Juden als römische Bürger angetroffeu wurden, trieben Ackerbau, Gewerbe und Handel und befuhren mit eigenen Schiffen die Flüsse und das Meer nach dem gewiß glaubwürdigen Zeugnisse Gregors von Tonrs?) Ebenso geht aus der unmenschliche» jndenfcindlichen! Gesetzgebung der Westgothen hervor, daß die ') Gittin 67, b.; ') Graß, Gtsch. HI 28; °) ebend. IV 175; 4) ebettb. V, 44.

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