Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 10 (1890)
- Issue
- Heft 12 (1.12.1890)
- Date
- 1890-12-01
- Page
- Seite 277 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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27? vorschwebt, in diesen« Leben nicht, Niemand, auch der Strebsamste nicht. Der Stifter der christlichen Religion ist nur als Gottmensch vollkommen, kein Erdenmensch komme ihm gleich. Das Christentum betont sogar die verderbte Natur des Erdenmenschen in der Lehre von der Erbsünde, erst durch göttliche Gnade und Erlösung werde der Mensch sündenfrei und schuldfrei. Immer aber schließt der zukünftige Seelenzustand des Menschen Schnldfreiheit und Sittenreinheit ein. Wo ist nun der Raum für den wiiedergeborenen Menschen, um diese zu erlangen? Hier auf Erden nicht, oder sie müßte nach des Propheten Wort neu geschaffen und umgestaltet werden. Aber Gott hat ja niehrere Welten geschaffen, unzählbar an Menge. Schon Herder hat die Idee ausgesprochen, daß »yir auf der Wanderung über die verschiedenen Sterne vielleicht unsre Ewigkeit durchleben. Unsere Erde ist die Anfangs-, die niedrigste Stufe. Wir schreiten nach dem Tode fort, von Welt zu Welt, ie nach der Stufe, die wir errungen haben und verdienen. Jedenfalls in indiyioaeller Persönlichkeit, dein« sonst hätte Abstufung und Streben «veder Sinn noch Zweck. In welcher Gestalt, darüber wissen wir nichts. Jedenfalls ist alsdann die irdische Hülle abgestreift und der Mensch nur Geist geworden, aber individuell erhalten, unterscheid- und erkennbar. Seine Vergangenheit wird von jedem durchschaut, er kann nichts verbergen, er «vird sich aber auch der Scham und Reue nicht entziehen und den Bestrebungen nach höherer Vollkommenheit sich anschließen. Dies ist seine Belohnung und Bestrafung iin Jenseits. Niemand wird Zurückbleiben «vollen, jeder wird mit hinaufgezogen. Dies bedeutet des Menschen Ebenbildlichkeit mit Gott, »vie die Bibel das seelische Wesen des Menschen nennt. Gott hat nur die Ahnung davon in uns gelegt, das Wissen darüber aber hier auf Erden versagt, und mit Recht, sagt Lessing: „die Erinnerung meiner vorigen Zustände würde inir nur einen schlechten Gebrauch des gegenwärtigen Lebens zu machen erlauben." Wir sagen umgekehrt: das Wissen der späteren Zustände würde mir nur einen schlechten Gebrauch des gegenwärtigen Lebens zu machen erlauben. Denn das Bewußtsein, später ein besseres Lebe» führen zu können, «vürde in dem gegenwärtigen mein Streben lähmen: «vir würden vor der Ankunft zurückschaudern oder früh- und vorzeitig uns dahin sehnen, unser diesseitiges Lebe«« voreilig und eigenmächtig beschließen. Aber gerade darum, sagen wir, muß es eine andere Welt geben, wo die Rückerinnerung an die frühere Vergangenheit nicht fehlt, «veil ohne diese ein neues und befferes Leben, ein höheres Streben nicht möglich ist. Sind denn die Himmelskörper, Sterne oder höhere Welten'geheißen, nicht auch Schöpfungen desselben Gottes, der die Erde geinacht? Sie bestehen aus deiiselben Stoffen, «vie unsre Erde, ihr Licht hat dieselbe» Eigenschaften u««d Wirkungen, wie das irdische, sie haben, zum Theil nachiveislich, Luft und Wasser, wie die Erde. Sollten diese zahllosen Welten »nbe«vußt und unbewohnt sein? Darüber, daß die Erde der Mittelpunkt des Weltalls sei, Sonne und Sterne nur für sie leuchten, wie man früher glaubte, sind wir längst eines bessern belehrt; es gibt der Sonnen und Welten noch andere. Ist es nun nicht denkbar und wahrscheinlich, daß auf diesen Welten den Menschen ähnliche Wesen leben, oder daß «vir nach dem Tode unser zukünftiges Leben, aufersta««den und wiedergeboren, weiter führen, von Stern zu Stern, yon Welt zu Welt uns erhebend, immer höhere Stufen der Vollkommenheit erriisgend, bis «vir die höchste Stufe erreicht haben und, in Gottes Nähe gelangt, seine Anwesenheit genießen? Dies ist unsre Zukunft und Ewigkeit, ohne Ende, denn zahllos und un-