Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 10 (1890)
- Issue
- Heft 12 (1.12.1890)
- Date
- 1890-12-01
- Page
- Seite 275 (sequence 11)
- Language
- German
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- 275 (1 Cor. 15) und im Talmud, iu beiden Büchern Leugnern und Ungläubigen gegenüber, welche dadurch widerlegt werden sollen. Die Aendernng der politischen und religiösen Notzustände war niit Jesus, dem Messias, nicht eingetreten. Man deutete daher auf die Wiedererscheinung als Vorstufe zur Erwerbung einer Sühne. Diese Zwischenzeit ist das als Ausdruck einer unbestimmten, Jesu hin und betrachtete die Zwischenzeit höheren Sittlichkeit und zur Erlangung der sogenannte 1000jährige Reich (Chiliasmus), ».. fernen Zeit. So heißt es z. B. auch im A. T.: „Gott erweist Liebe bis in das tausendste Geschlecht," oder: „1000 Jahre sind bei Gott wie einTag." Am Ende dieser Zeit werde Gott in der Person Jesuj. wieder erscheinen, um Gericht zu halten über die Gerechte» und Bußfertigen, j Die Beschreibung dieser Wiedererscheinung ist in der Apokalypse ebenfalls! jüdischen Vorbildern nachgebildet. Dieselbe wird am Ende der Tage, der „jüngste Tag" oder das „jüngste Gericht" genannt, mit der Posaune (hebr. Schofar) chngeleitet, mit deren Ruf dieTodten aufgeweckt und zur Versammlung vor Gott gerufen, werden. Auch ganz nach jüdischer Anschauung und Sitte. Der Posastnenruf war nämlich das Mittel, Volk und Geineinde zur Versammlung, vor iGericht und zum Gebet, zu rufen, und zwar mit verschiedenen Signalen (Rum. 10). So wird auch heute noch in Israel am Neujahrstage, der als Mahnung! an das Gottesgericht gefeiert wird, die Posaune als symbolische Andeutung dafijr und zur Mahnung daran geblasen. Diese Zukunft wird bald als eine irdische, bald als eine himmlische gedacht, je nach der erlangten Sittlichkeitsstufej und Berechtigung zur vollen Glückseligkeit. Je nach dieser ist ein weiteres Streben erforderlich, ein Weilen in der Hölle oder im Paradiese. > Von den Seelen! der Verstorbenen heißt es, sie sind der irdischen Hülle entkleidet und „Engeln gleich," Strafe und Lohn können deshalb auch nicht leiblicher Art sein; die Frojmmen weilen bei Gott, im Genüsse geistig-göttlicher Seligkeit, ganz nach jüdischer Auffassung: „die Seligen sonnen sich im Glanze göttlicher Majestät." Wir finden demnach vom frühesten Altertum an, selbst bei den Heiden, den Unsterblichkeitsglauben, und zwar auf sittlicher Grundlage aufgebaut, verbunden mit der Erwartung von Todtengericht und Vergeltung, aber auch mit der Möglichkeit, begangene Sünden zn büßen uyd zu sühnen, wie durch Erlangung einer höheren Sittlichkeitsstufe Gnade und Seligkeit zu erlangen. Hebet das Wo und Wie dieser zukünftigen Zustände sind verschiedenartige Vorstelluflgen vorhanden; indes haben wir darüber weder bestimmte Offenbarungen, iwch können wir darüber Bestimnites erforschen, und sollen es nach jüdischer Auffassung nicht. Wir wissen nur, daß es eine Zukunft gibt, nicht wo und wie sie ist. Hiernach ist auch Les sing zu deutest (Erziehung des Menschengeschlechts 8 93—100). Die Geschichte der Wiedergeburt geht durch die ganze Geschichte der menschlichen Entwickelung, durch die Geschichte der Religion, wie der Philosophie, findet sich im Altertum wie in der Gegenwart. Der einzige Gegner dieser Idee ist der Materialismus. Dieser leugnet das Dasein von Gott und Geist; auch der Mensch bestehe nur aus Stoff und Leib. Ein Fortleben für den stofflichen. Leih könne es nicht geben. Mit dem Tode höre der Mensch auf zu sein; sein Lqib unterliegt der Veränderung und Zersetzung. Mit dem Materialismus' zerfällt abjer auch das ganze geistige Gebiet, auf dem sich der Mensch bewegt, sein geistiges und sittliches Streben und Leben.