Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 10 (1890)
- Issue
- Heft 12 (1.12.1890)
- Date
- 1890-12-01
- Page
- Seite 273 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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273 durch Unbußfertigkeit und hartnäckige Sündhaftigkeit ausschließt. Bezeichnend ist der Ausspruch der Alten: „Hölle und Himmel sind nur durch eine Fingerbreite von einander geschieden", es ist nicht zu schwer,von jener in diesen zu gelangen. Als Abstufung gilt auch die Unterscheidung zwischen „Auferstehung" und „Wiederbelebung (Wiedergeburt)." Die erstere umfaßt alle Tobten» Gerechte, Bußfertige und Sünder, auch Heiden und zwar fromme und Sünder, eingeschlossen; die letztere nur diqenigen, welche im Gottesgericht bestehen werden. Zuerst wird die Barmherzigkeit Gottes so groß geschildert, daß sie „Todesangst und Grabesleiden" für den unbußfertig Gestorbenen auch schon als zur Sühne und Gnadenbezeugung genügend anerkennt. „Der Tod sühnt," heißt das bedeutsame Wort. In Bezug auf „Grabesleideu" wird angenomen, daß der Körper bis zur vollständigen Verwesung noch Empfindung habe, auch daß die Seele bis dahin zum Körper wieder zurückkehre. Wir erwähnen diese Phantasie-Gemälde nur der Vollständigkeit wegen. Die Auferstehung soll durch den Messias bewirkt, das Gericht durch Gott abgehalten werden. Diese Vorgänge solle» im' heiligen Lande stattfinden, denn dieses gilt in alle Zukunft und bei allen Religionsvölkern, Juden, Christen und Muhamedanern, als ein Land heiliger Verehrung. Die Tobten werden nach der Vorstellung Einzelner auf unterirdischen« Wege sich nach Palästina begeben und dort sich ans der Erde erheben. Weil man die Hebung der politischeil und religiösen Notverhältnisse im heiligen Landen mit der Ankunft des Messias nnd der Stiftung des Messiasreichs erwartete, wird die Bewirkung der Auferstehung dem Messias zugeschrieben. Als aber Gott und sein Volk — nach der Sage wandert Gott mit Israel auf allen seinen Zügen, und Israel befindet sich überall im Geleite und Schutze Gottes, — das heilige Land verließen, schrieb man auch die Abhaltung des Gottesgerichts nicht mehr Gott selbst, sondern ebenfalls dem Messias zu. Möglich aber auch, daß auf diese veränderten Anschauungen die Vorgänge im jungen Christentum Einfluß übten, wo Jesus als „Messias und Gott" zur Auferstehung und zum jüngsten Gericht wieder erwartet wird. Wohl sollten jttdischerseits „Gott und Messias" iir ihrer Gleichheit auseinander gehalten werden. Das Christentum bietet eigentlich keine wesentlich veräuderten Anschauungen; es steht auf dem Boden des Judentums. Sogar was die spätere Zeit der jüdischen Lehre und speciell auch dem Unsterblichkeitsglauben als neue utib veränderte Anschauung hinzugefügt hat, findet sich hier wieder. So die Angelologie und Dämonologie, welche zum Theil im Heidentuiü wurzeln, ebenso die Lehre von Satan, Hölle, und Paradies. Der Satan als Teufel gewinnt hier sogar, wie im Heidentum, eine selbständige Stellung, während er im Judentum, — er kommt meistens nur in den späteren Schriften vor, — ein von Gott abhängiger und nur in dessen Auftrag und mit dessen Genehmigung handelnder Engel ist; also nicht Vertreter des Bösen, der Böse selbst, der stets nur Böses will, der Geist, der stets verneint, sondern der Sachwoilter Gottes, der Versucher und Prüfer der Menschen, um zu sehen, ob sie im Guten verharren, auch wenn Tage des Unglücks kommen» oder bei sonstigem Anreiz zur Sünde und znm Abfall. So erscheint der Satan als „Engel" das ist „Bote Gottes", wie er auch genannt wird, bei Hiob (c.1), Zacharias (c. 3), bei Bileam (Num: 22). Für Paradies und Hölle existiren nicht einmal eigne Benennungen, sondern nur entlehnte Namen, zum Berveise, dvß auch die Begriffe übertragene und entlehnte sind. Das Paradies wird als Gan-Eden (Lustgarten) bezeichnet;