Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 10 (1890)
- Issue
- Heft 12 (1.12.1890)
- Date
- 1890-12-01
- Page
- Seite 271 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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271 religiöse Schranken hindernd in den Weg, so hätten die jüdischen Logen nicht so raschen Anklang gefunden. Entkleidet? man sie zweier, in Vieler Augen bestechender Umhüllungen — des Geheimnisvolle» und des weithin bis übers Meer reichende» Zusammenhangs — so sind diese jüdischen Logen in der That gar keine amerikanischen Einfuhren, sondern gutes altdeutschjüdisches Gewächs: Chewras, Wohlthätigkeitsvereine mit Geselligkeit. Als solche mögen deutschjüdische Auswanderer sie mit hinüber genommen haben. Drüben aber, wo man solche Umhüllungen liebt, hat man wohl den Chewras das Ordenskleid einer Loge angezogen und sonst allerlei dazu geheimnißt. Für Amerika ist das nicht auffällig, dort giebt es noch andere ähnliche jüdiche Geheimbttnde, wie die sons of Israel, und sons of Benjamin, den Kescher schel Barsel u. s. w. Und so kam die gute Chewra mit mysteriösem Aufputz ivieder nach Deutschland zurück. Worin nun Manche ihr Bestrickendes finde» mögen, darin liegt aber gerade etwas Bedenkliches. Zuerst in dem Geheimuißvolleu, dein Logenmysterium. Es ist den Freimaurerlogen nachgebildet, offenbar aber nicht tu übler Absicht. Jndeß schon der Name „Loge" fordert zum Vergleich mit der Freimaurerloge heraus. Das Wesen der letzteren ist nun aber, wo nicht die Aufhebung, so doch die Milderung der von den positiven - Religionen gegebenen Schranken. Wohl giebt es freimaurerische Systeme, welche das Christentum zu Grunde legen, wohl mag es vielen Christen schwer werde», sich ein edles Menschentum anders als im Gewände christlicher Anschauung zu denken: aber die Urquellen der vor fast 200 Jahren in London entstandenen Freimauerei wissen von christlicher Ausschließlichkeit nichts und sind rein deistisch, für Anbeter des Einen Gottes berechnet. sie schließen nur den Gottesleugner und den Sittenlosen aus. So halten sich die Freimaurerlogen über den ganzen Erdball verbreitet, sie umschließen freie Männer von gutem Ruf aus allen Ländern, allen Ständen, allen Bekenntnissen, Christen und Inden, Mohamedaner und Hindus, Weiße und Schwarze, welche Selbsterkenntniß, Selbstvered/kung und Menschenwohlförderung, mit Einem Wort: Humanität erstreben. Selbst die nach christlichem System arbeitende» deutsche» Logen sind heutzutage verpflichtet, Freimaurer jüdischen Bekenntnisses als besuchende Brüder zuzulaffen. Wie keine Religion nach jedem einzelnen ihrer Bekenner, so kann auch die praktische Weltreligion der Freimauerei nicht nach jedem ihrer Logenmitglieder beurtheilt werde», nicht Jeder entspricht und lebt dem Ideal, darum wird inan einzelne Freimaurer und Logen finden, die antijüdisch sein mögen, aber die Gesammtheit und ihr Grundsatz sind nicht. Eben darum tritt aber nun die jüdische Loge in den entschstdenstey Gegensatz zur Freimaurerloge, indem sie sich auf Mitglieder Eines Glaubens nennt, mit Geheimnissen, Syntbolen, Loge beschränkt und sich doch gleich jener: Zeichen umgiebt. Der Gegensatz schärft sich dadurch, daß es Grundsatz der Freimaurerloge ist: Niemanden aufzunehtnen, der einem anderen Geheimbunde angehört. Darum wurden auch nach dem vorjährigen Beschluß des druscheu Großlogenbundes d i e Freimaurer, welche sich einer Bne-Brith-Loge angeschlossen, vor die Wahl gestellt, einem von beide» Bünden zu entsagen. Und wer von Ihnen möchte wünschen, daß der Freimaurerbund nicht wie bisher, Juden und gute Juden zu seinen Brüdern zähle, denn unsre besten und segensreichst wirksamen Glaubensgenossen waren Freimaurer: Montefiore, Cremieux, Rießer, Auerbach u. s. w.