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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1890-12-01 · Heft 12 (1.12.1890) · p. Seite 270

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
10 (1890)
Issue
Heft 12 (1.12.1890)
Date
1890-12-01
Page
Seite 270 (sequence 6)
Language
German
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270 richtet, eine Zeitschr ft für jüdische Geschichte und ein Quellenwerk für deren Urkunde», ein alljährlich neu erscheinendes statistisches Jahrbuch der Gemeindeverwaltungen, eine Zusamenstellung der jüdischen Moralsätze u. A. mehr in's Leben gerufen. Dein Bunde gehören zur Zeit 384 deutsche Gemeinden mit ca- 300,000 Seelen, also mehr' als die Hälfte der deutschen Juden, 'ferner zahlreiche Einzelmitglieder an, auch einige in Dresden. Der Jahresbeitrag für diese beträgt mindestens 40 Mk, Dafür erhält man das, statistische Jahrbuch und die sehr lesenswerten Mitteilungen des Bundes, deren letzte z. B. den Nachweis enthält, daß die jetzi mit Recht so gepflegte Handfertigkeit der Knaben von den schwedischen Juden Abrahamsohn und Salomo» in Nees in einer für Deutschland vorbildlich und zum Muster gewordenen Weise und mit edelster Opserwilligkeit gefördert norden ist und noch gefördert wird. Unter Ausschluß kultureller und ritueller Fragen bezweckt der Bund die Förderung der Verwaltungs- Bildungs- und Wohlthätigkeitsangelegenheiten der israelitischen Gemeinden im deutschen Reiche, namentlich durch gegenseitige Mitteilung von Erfahrungen auf dem Gebiete der Gemeindeverwaltung, Unterstützung bedürftiger Gemeinden, Fürsorge für Religionsunterricht und Ausbildung ron Religionslehrern, Altersversorgungen der Gemeindebeamten, Hebung der jüdischen Volksbildung, Erziehung zu Handwerk und Landwirtschaft, Kränken- und Armenpflege, Bekämpfung des Wanderbettels, Fürsorge für entlassene Sträflinge, Statistik, Verbreitung richtiger Kenntnisse von'Wesen und Geschichte der Inden. Fürwahr, ein reiches Programm, dessen Ausführung Zeit, Liebe und Geld erfordert! Der Gemeindebund hat schon Mannigfaches geleistet, es bleibt ihm aber noch ein großes Arbeitsfeld. Dazu gehören aber Mittel. Unsre Gemeinde ist seit Anfang an Bundesmitglied, früher mit 60 Mk. jetzt mit 100 Mk. jährlich. Ich selbst als Ausschußmitglied nehme Anmeldung von Einzelmitgliederu gern entgegen. Ich mag nick t leugnen, daß ich dem Gemeindebund ein lebhafteres Fortschreiten und Freihe t vom dem statutarischen Ausschluß der Kultus- und Ritnsfrageu wünschte. Denn nach meiner Auffassung müssen die deutschen Juden dem zweiten Jahrtausend ganz anders gerüstet entgegen schreiten — als mit orientalischen oder latholisirenden verblaßten Erinnerungen und Liebhabereien, sie müssen den edlen sittlichen Gehalt des Judentums in ansprechender deutscher Gestalt fortbilden. Der heutzutage auffälligen Abkehr, ja Lossagung vieler Inden vom Judentum, dessen Bräuche sie kalt lassen, muß wirksamer durch Belebung des Gemüths, durch Erwäckung des Verständnisses für seinen hohen Werth entgegengearbeitet werdm. Ich würde »ich einer Unvollständigkeit zeihen müssen, wen» ich bei Erwähnung hervorragender Erscheinungen im Vereinsleben der Juden nicht drittens nach den Bund anführte, der mich hier gastlich aufnahm — die Bne- Brith-Loge. Diese Rücksicht der Gastfreundschaft einesteils, die Pflicht der offnen Aussprache andrertei^s nötigt, zumal bei der vorgeschrittenen Zeit, zur Kürze. Die Bne-Brith-Logea sind in Deutschland eine der eigenthümlichsten Erscheinungen des letzten Jahrzehntes. Sie stammen gleich den Odd-fellows aus Nordamerika, aus diesem Lande der wunderbarsten Gegensätze. Sie haben in Deutschland eine auffällig große Verbreitung gefunden — offenbar infolge der antisemitischen Strömungen. Machten diese nicht den Juden den engeren, auch geselligen Anschluß an einander rithsam, träten sie nicht dem berechtigten Einigungstrieb ohne

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