Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 10 (1890)
- Issue
- Heft 11 (1.11.1890)
- Date
- 1890-11-01
- Page
- Seite 262 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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262 — I» Mendorf an der Lumba wurden den Inden unter die Kruste ihrer Sabbatbrode asbgeschnittene Streichholzköpfcheil gelegt. Die Sache wurde bei der Staatsanwaltschaft anhängig gemacht. — Von folgendem Akte engherziger Intoleranz wird uns berichtet: In der Kirche zu Frieda wurde jüngst eine Gedenktafel enthüllt, welche die Namen jener Friedaer trägt, die den Feldzug 1870/71 mitgokämpft haben. Zufällig befindet sich unter diesen Kriegern einer israelitischer Religio», dessen Name jedoch ans Veranlassung des dortigen Pfarrers' keinen Platz ajif der Tafel fand. — Gelegentlich einer Berichtigung der Herrn Prof. E. Stei gel aus Marburg im „Mümling-Bote" teilt derselbe ans einem Briefe Hoeckels den Satz mit „Ich habe diesen Monat 20 Mark weniger als sonst, deßhalb bi» ich in Noth gekomme». Diese Eltern sind Scheusale, jeder ohne Herz, den man verachten must." Und solche Menschen wollen die Welt verbessern! — Ans dem jüdischen Friedhöfe in Mayen sind zwanzig Grabsteine zertrümmert n orden und in Sirgbnrg zwölf. —Herr Landgerichts-Dircctor Ernst Harre in seiner Schrift „Der ländliche Wucher" schreibt : Es muß aber betont werden, daß der Wucher nicht ausschließlich den vielgeschmähten Israeliten zur Last fällt. Es ist viel christliches Capital durch Wucherzinsen verdient. Und es schadet den an sich so löblichen Bestrebnngen mancher gegen den Wucher gerichteten Vereine, daß sie stets nur vom jüdischen Wucher reden, während der christliche sich daneben gerade so breit macht. Nur der Treiber, der Handlanger ist meistens tiev jüdische Geschäftsmann. — Die Staatsanwaltschaft hat in Schwelbel» biq Beschlagnahme des int Verlage von Th. Fritsch in Leipzig erschienenen anlisemitischen Flugblattes: „Was kosten uns die Juden?" angeordnet. — Unter dein Titel „der Vcrzweiflungskampf der arischen Völker init dem Judentum" hat der von seinem Amte als Schulreelvr suspendirte Herr Herrmann Ahlwart in Serlin eine antisemitische Hetzschrift hcrausgegebe». Wen» Herr Ahlwan ein Repräsentant der arischen Völker sein will, so hat er diese mehr als das Judentnm beleidigt, gegen das er aus antisemitischen Schriften und Versam» lungen bekannte inhaltlose Schlagwörler vorbringt, die nicht mehr zünden. — Der jüdischen Gemeinde in Schirrllein wurde von dem dortigen Gemeinderat kostenlos ein Stück Land zur Anlegung eines Friedhofes überwiesen. — Man berichtet uns: Es wurde jüngst in zwei Instanzen entschieden, daß ein Commis israelitischer Kousession auf Wunsch seines Prinzipals an seinen hohen Festtagen im Geschäfte thätig sein muß. — Man schreibt uns: Wenn ein Orthodoxer eine Reise/ thut, bekommt man tvunderliche Dinge zu hören. So schreibt Herr (E. Hanrnfelser im Israelit tN. 66) in einem Neisebriefe ans der Schweiz ab Rigi-Kulm 17 Ab, >vo er den Sonnenaufgang unter Anderen bewunderte: Ein einziges Lippenpaar bewegte sich, auf welches mich meine Kinder aüfmerksam machten, 'es war das einer wiederkäuenden Kuh, die ganz s;ins gene neben uns lagerte. Was macht diese Kuh da, fragt mein Töchterchen sic kaut schon die ganze Zeit,^und hat doch kein Futter gor sich? „Sie kaut das wieder, was sie vor einer Stunde gefressen hat." „Das glaube ich nicht," meinte der Junge, „mau kann Doch nicht das, was mau schon lange gegessen hat, noch einmal kauen. Weißt D», was sie thut? Sie betet Schacharis." „Du hast es gerathen", erwiderte ich; „und tvir wollen nach Hanse gehen und dasselbe thun." Eine solche Blasphemie ist doch unerhört! Im nächsten Jahre will sich der gute Mann Hermelin lTalis) und Ordensband (Teffillin) mitnehmen dessen er sich Heuer geschämt hatte und auf Rigi-Kulin bei Sonnenaufgang „Gelächter erregen" — In Aachod wurde Herr Di°. H. Goitein zum Rabbiner erwählt,