Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 10 (1890)
- Issue
- Heft 11 (1.11.1890)
- Date
- 1890-11-01
- Page
- Seite 260 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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260 umfassend, herausgegeben Diese kostbare Sammlung ist zu verkaufen. Vielleicht findet sich in Deutschland ein reicher Mann, der diese Manuskripte erwirbt und einem wissenschaftlichen Institute zur Verfügung stellt. — Herr Di\ I, Mayer, Bezirksrabbiner in Zwribrückrn, versandte zum Vorlesen für die Synagogen seines Bezirkes vor den hohen Festtagen einen Bußbrief, in welchem er auf die manigfachen Mißbräuche hinweist, die man sich in der Umgangssprache zu Schulden kommen läßt, indem man sich nicht immer reindeutscher Ausdrücke bedient. Er schreibt: „Die Sprache ist das Kleid des Gedankens. So aber ein Mensch sich hüllen würde in Kleidungsstücke, welche verschiedenen Nationaltrachten oder Geschmacksrichtungen angehören, würde er da nicht dem Fluche der Lächerlichkeit verfallen?" Wir glauben, das gelte noch mehr in Bezug auf veraltete Mißbräuche, die im Leben der Inden, besonders auf dem Lande, in Erscheinung treten und die erhabene Lehre des Judentums dem Spotte preisgeben. — Herr Oberrabbiner Weil in Colmar hat ein Buch unter dem Titel „La Characteristique de Israel“ herausgegeben. Judenfeinde könnten daraus viel lernen und ihre schiefen Urteile über Juden berichtigen. — Herr Professor Harnack kündigte in der „Protestantischen^ Kirchenzeitung" (No. 22) den evangelisch-socialen Eongreß, der der Verbrüderung dienen sollte und nicht .der Vergiftung, mit folgenden Worten an: Es mag eine Judenfrage im nationalen und wirthschaftlichen Sinne geben-ich weiß das nicht und bin darüber nicht kompetent — das aber weiß ich, daß den Antisemitismus auf die Fahnen des evangelischen Christentums zu schreiben ein trauriger Skandal ist. Die welche das gethau haben, haben freilich nur das nationale und nsirthschaftliche Leben mit hineingezogen, weil sie als Christen Hütten schamrot» werden müssen, wenn sie einfach im Namen des Christentums die Parole des! Antisemitismus ausgegeben und^das Evangelium in einen neuen Islam verwandelt hätten. Aber wer kann leugnen, daß mich das geschehen ist! Das heißt aber die Macht, welche dazu in der Welt ist,, in Gegensätze der Raren und Nationen zu mildern und Menschenliebe selbst dem Feinde gegenüber zu erwecken in entgegengesetzter Richtung mißbrauchen. — Die israelitische Gemeinde in Leipzig hat den Berwaltungsbericht für 1869 veröffentlicht. Die Gemeinde zählt 1175 steuerpflichtige Mitglieder. — An der Universität in Hrrliu lehren gegenwärtig 52 jüdische Doeenten. Unter diesen sind zwei ordentliche und achtzehn außerordentliche Professoren. — In Westfalen kommen auf 10000 männliche Personen 70,4 katholische, 112,6 evangelische und 526 jüdische Schüler. — In Berlin nnujbe anläßlich der Feier der Silberhochzeit des Herrn Direktors Introstnski ein« Jutrosinski-Stiftung zum Zwecke der Unterstützung früherer Zöglinge des Reichenheimischen Waisenhauses durch Gewährung von Darlehen ins Leben gerufen. — Herr Prof. Th Landsbrrg. Rector der technischen Hochschule in Darmstadt, erhielt das Ritterkreuz I. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmüthigen. — Herrn Stadtrat Horchardt in Berlin ist das Offizierskreuz des Japanischen Ordens des Spiegels verliehen worden. — Herr Commerzienrat Brrhouishi aus Kenthen hat der israelitischen Gemeinde in Katibor 10000 Mark überwiesen, liiii: deren Zinsen alljährlich 10 arme Frauen unterstützt werden sollen. — Die Bürgerschaft in Lübeck hat den Senatsantrag, den die jüdische Gemeinde erbeien, daß alle dort wohnenden Juden gezwungen werden sollten', Mitglieder der israelitischen Gemeinde zu werden, fast einstimmig abgelehnt. Die Hildesheimerimier machen einmal zur Abwechslung auch in Gemeindezwang. — In seinem Werke „Politik der constitutionellen Staaten" (Carlsruhe 1890) fordert der berühmte Lehrer des Staatsrechtes Herr Dr. Gart Walker deutsche Protestanten