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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1890-11-01 · Heft 11 (1.11.1890) · p. Seite 254

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
10 (1890)
Issue
Heft 11 (1.11.1890)
Date
1890-11-01
Page
Seite 254 (sequence 14)
Language
German
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254 Mittelalter hin« in im Schwange war? Die Aufhebung der gänzlichen auch der heidnische» Sclave ei hätte höchstens zur Folge gehabt, daß die heidnischen Sclaven das Land überschwemmt und Judentum und jüdisches Volk verschlungen und zugrunde gerichtet hätten, wie es ja die Freigelassenen mit Rom gethan. Die heillose Wirtschaft, welche die Freigelassenen in Rom anrichteten, wirkte bei den Jkt-ü den als abschreckendes Beispiel, so daß die Juden sich später für die Freilassung der Sclaven nicht sehr begeisterte», ja oft die härtesten Urtheile über die Sklaven aussprachen. Es heißt im Talmud: Wie ein Erbteil vom ersten Ahn Kanaan findet sich bei de» Sclaven: Ein Zusammenhalten, Raub, Unsittlichkeit, Trägheit, Lüge, und Hcß des eignen Herrn'). Unter den dreien, die von Gott verflucht wurden und für deren Fluch ein Ende nicht absehbar ist, gehört der Sclave*). Zehn Maß Uiulheit wurde zur Erde hienabgesandt, neun davon besitzen die Sklaven*), Zehn Maß Schlaf kam zur Erde, neun davon nahmen die Sclaven für sichH. Triue und Glauben ist bei Sclaven nicht zu hoffen und nicht zu finden*). Viel Sklavinnen, viel Unsittlichkeit; viel Sclaven, viel UnehrlichkeitH. Ein Sclave hat keinen Stammbaums Einem Sclaven gibt man keinen Titels). Einen Sclaven darf iiian auch nicht in der Gotteslehre unterrichten*). Für verstorbene Sclaven hält man keine Trauer, nimmt auch keine Tröstungen an wie für Verwandte und Angehör ge"). Ein Sclave des Königs gebärdet sich wie der König selbst und besitzt ai ch oft so viel Macht wie der König selbst".) Diese Aussprüche geben uns ein Spiegelbild Roms zur Kaiserzeit. Die Sklaverei wirkte in Rom «wie überall lauf die eheliche Sittlichkeit im höchsten Grade verderblich. Juvenal (VI 281) lä;t die in | beit Armen eines Sclaven ertappte Frau sagen: Es war ja seit lange ausgemacht, daß du thun sollst, was dir beliebt mnd ich ebenfalls nach meinem Gefallen!leben könnte. In einem Epigramme zählt Martial die sieben Kinder einer Fraü auf, deren Gesichtszüge nur zu deutlich erkennen lassen, welche Sclaven des Hauses ihre Väter sind. (Mart. VI, 30.) Die Verhältnisse ehebrecherischer Natur, welche Frauen selbst der höchsten Stände und sogar Kaiserinnen mit Schauspieler», Athleten u. s. w. öffentlich unterhielten, gehörten zur Regel").! Die Freigelassenen erwarben große Reichtiimer; sie waren in jener Zeit der eigentliche Typus! des gemeinen unverschämten prahlenden Emporkömmlings. Zu dem Seltsginsten in Rom gehörte die Stellung der kaiserlichen Sclaven. Halbberechtigte und verachtete Menschen wurden allen Augen sichtbar an die Spitze des Weltreiches!gestellt.Callistus, der Sclave, gelangte zu einer der kaiserlichen gleichkommenden Allmacht und zu einem ungeheueren Vermögen. Unter Clandius verhandelte» dix Freigelassenen mit Messalina im Bunde nach Willkür nicht bloß Bürgerrechte, Aemter Und Statthalterschaften, sondern auch Straflosigkeit und Todesurteile. Man kann es begreifen, wenn durch Rom gewarnt, immer schärfer der Grundsatz hervorgehohen wurde: Wer einen heidnischen Sclaven freiläßt, Übertritt das Gebot der!Schrift: Ewig sollt ihr sie als Sclaven halten"). Eine Freilassung eines Sclaven wurde nicht »lehr als eine gute That, sondern als leichtsinnige Vermögensverschwendung erachtet, denn unter den drei Dingen, durch welche reiche Leute ihr Vermögen verlieren, wird auch die Freilassung der Sclaven ') Pesäch. 113. u. Wirke d. R.Hakod. B. 6. u. 5; * * 9) im letzten Bab- 3; s) ebend. 10; 4) Kiddusch. 99,b. *) Bab mez. 86; °) Aboth c. 3; ’) Jebam. 62; “> Berach. 16,6; 9) Äethub. 25; ,0j Berach. 16,b; ") Schabuoth 47; “) Friedländer Sittengesch. Roms 1. S. 495; ») ebend. 373;!4) ebend. 81; ") Breach 47.

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