Mannheim
Compact Memory

Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1890-11-01 · Heft 11 (1.11.1890) · p. Seite 253

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
10 (1890)
Issue
Heft 11 (1.11.1890)
Date
1890-11-01
Page
Seite 253 (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2969669-2969933-2969945--3063-2976750
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Hauche sie ihm zugeführt worden ist- Der Gebrauch der Juden, die Todten in weiße Leinengewänder zu kleiden, damit sie im Jenseits nicht nackt, sondern rein gekleidet erscheinen, wie der Gebrauch, die Glieder der Todten unversehrt zusammen und das Grab unberührt zu' erhalte», alles dies spricht für den Glauben an Wiederbelebung und leibliche, persönliche Auferstehung der Todten. Diese leibliche Auferstehung ist sowohl Ausdruck für ein persönliches Fortleben des Individuums, wie sie auch gegen die Ansicht gerichtet ist, daß die Bestimmung und das Streben des einzelnen Menschen nur den Interessen der Gesammtheit zu dienen habe. Denn das Ganze besteht nur durch die Individuen; die Individualität muß daher erhalten werde», nicht communismusartig in der Gesammtheit verschwinden. In der Familie hat jedes Individuum sein Recht und seine Bestimmung, in der Gesammtheit jede Familie, jeder Staat, jedes Volk. Aus den Einzelnen setzt sich das Ganze zusammen, das Ganze besteht aus Einzelnen. Das Einzelne strebt durch sich für das Ganze, das Streben hört auf, wenn die Vollkommenheit erreicht ist, und zwar in jedem Einzelnen für das Ganze. So ist das Wesen der Menschen zum Unterschiede von dem der Thiere. So gibt es Vor- und Zwischenstufen; wo und wie diese gedacht werden, darüber jetzt ein Wort. Auch über die Zeit ihrer Dauer gibt es verschiedene Angaben; sie schwanken zwischen 40—1000 und 7000 Jahre. Es sind dies immerhin willkürliche Zeitpunkte, obwohl Stützen und Anhaltspunkte dafür in der Bibel gesucht werden; jedoch auch diese sind willkürlich gewählt und gedeutet. Der unter Nero auf Patmos duldende Johannes gibt z. B. an, die Erlösung, zunächst für ihn, werde kommen, wenn 666 vorüber sein werde. Dies hat man auf Jahresfristen bezogen. Damit deutele indes Johannes nach damaligem Gebrauch durch den Zahlenwerth der Buchstaben von „Kaiser Nero", der 666 ergibt, versteckt an, wenil „Kaiser Nero" nicht mehr sein werde, werde für ihn die Stunde der Befreiung und Erlösung schlagen, darin hat man eine weissagende Hindeutung auf die allgemeine Erlösung gefunden. Im Buche Daniel finden sich ähnliche prophetische Weissagungen und Zahlenangaben, mit Bezug auf den Druck des seleucidischen Königs Antiochus Epiphanes, von dem man Erlösung erhoffte. Auch diese Zahlen sind allgemein gedeutet worden. Im später« Judentum vermied nian alle derartige Berechnungen und Erwartungen und verbot sie, und dennoch hat es an der Erhebung falscher und täuschender Messiase nicht gefehlt. (Schluß folgt). Arbeit und Arbeiter im jüdischen Wotke. Vortrag gehalten von I>r. Adolf Kurrein, Rabbiner und Prediger in Teplitz. « Fortsetzung) Nachdruck verboten. Wohl könnte noch dagegen der Einwand erhoben werden, daß die Sclaverei denn doch nicht iin Judentume aufgehoben war, weil ja heidnische Sclaven von den Juden gekauft und gehalten werden durften. Das hieße aber moderne Ideen ins Altertum hineintragen. Konnte ein Ländchen wie Palästina, das Rom und Griechenland, dem ptolomäischen oder seleucidischen Reiche gegenüber kaum nennenswert schien, die Sclaverei aufheben, die überall ja noch bis ins

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.