Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 10 (1890)
- Issue
- Heft 11 (1.11.1890)
- Date
- 1890-11-01
- Page
- Seite 252 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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c — 252 - und Erhalter des natürlichen Lichts ist.. Darum die Salbung der Gottesmänner mit dem heiliger Oel. Zunächst erwartete man in« Exil Babylon's, wie unter der Gewalt und Fremdherrschaft Rom's die Wiederherstellung der davidischen Dynastie, einen neuen König, ein;» „rettenden und heilbringenden Gesalbten". Dieser sollte deshalb ein „Sohn Darid's"'sein. Daraus erklärt sich, daß Jesus, was auch in seinem Namen (Jeschua) liegt, der „Heiland" genannt wurde; darin erklärt sich auch die Notwendigkeit des Nachweises seiner davidischen Abstammung, wie die Verdächtigung, daß er in politischer Absicht nach Wiederherstellung der jüdischen Königsherrschaft und Beseitigung der römischen Fremdherrschaft strebe. Zuerst fällte dieser Messias die politische und sociale Not des Diesseits beseitigen und ein; glücklichere Zukunft bringen. — Dies das Messiasreich. — Darauf werde ins Gottes- oder Himmelreich (auch hebr. so genannt) folgen, wovon es ausdrücklich heißt, daß es im diesseitigen Leben auf Erden erwartet werde. Die bezüglichen Worte lauten: „in eurem Leben und in euren Tagen, bald und in naher Zeit." Darunter soll-verstanden sein ein Reich nach dem Willen und Ge etz Gottes, wo man in vollkommener Sittlichkeit und Eintracht, in Friede und Nlückseligkeit allseitig, aller Orten und Zeiten, leben, wo weder Streit und Haß der Einzelnen, noch Feindschaft oder Krieg der Völker sein würde, sondern wo die ganze Menschheit und alle Völker Einen Glauben bekennen und Eine Herde bilren werden, wo Gott als Vater aller Menschen, die ganze Welt wie Ein Haus und Eine Familie gelten wird, und alle Menschen, als Kinder des Ein:n Gottes und Vaters, sich als Brüder anerkennen und brüderlich in Liebe mit einander leben und verkehren werden. Alles dies ist in der gegenwärtigen Zeit und Welt nur unvollkommen, die höhere und höchste Vollendung gehört der Zukunft an. Es tttufi noch höhere Stufen geben, die der Mensch erringen soll. Mau nannte dies früher „von (sittlicher) Kraft zu Kraft" gelangen. Die Erde ist dafür die unterste Stufe, andere liegen höher und gehören anderen Welten an. Man sieht der stlnsterblichkeitsglaube, die Ideen der Wiedergeburt, zu erstrebender höherer Sittlichkeit und dadurch zu erlangender vollkommener Glückseligkeit durchziehen die ganze Vorzeit und alle Religionen. Es wchd in einer Legende erzählt: Als Moses in den Himmel stieg, um bei Gott die Lehre zu empfangen, haben die Engel davon abgerathe», die heilige Lehre bei den sündigen Menschenkindern der Entweihung und Uebertretung auszusetzen. Gott aber habe den Engeln, erklärt: Gerade die Erdenmenschen mit schwachem Leibe und sündhaften Leidenschaften bedürfen der Weisung und Lehre; ihr Engel, die ihr anders geartet seid, bedürfet ihrer für den Himmel nicht mehr. Die Erde gilt! als „Herberge" znm zeitweiligen Aufenthalt, als „Vorhalle", wo wir uns für oen Einlaß in den „Palast" erst würdig zu machen und vorzubereiten haben." Das diesseitige Erdenleben wird allseitig eine vorübergehende „Pilgerfahrt", das Jenseits des himmlischen Lebens unsere. „Heimath" genannt. Das ewige Leben gilt als das wirkliche Leben, und der Todtenhof führt den bezeichnenden Namen im Munde und in den Schriften der Juden: „Haus des .(ewigen) Lebens" oder „Haus der (ewig) Lebenden". Dies will sagen: „Die Gestorbenen sind nicht tobt, sie leben,;ber Tod ist die Eingangspforte zu einem bessern Leben." Der Tod erscheint auch nicht in Schreckensgestalt als grinsendes Gerippe, sondern als Engel, als Friedensbote des Himmels, der den Frommen mit einem Kliffe die ( Seele weghaucht und sie zu Gott führt, wie mit einem