Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 10 (1890)
- Issue
- Heft 11 (1.11.1890)
- Date
- 1890-11-01
- Page
- Seite 251 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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I 251 Duldung untergehenden Märtyrer, deren damals viele waren; für sie lag darin eine Genugthuung im Diesseits und eine Vertröstung auf das Jenseits. Bei den Juden ging der Auferstehungsgedanke aus dem Streben nach höherer Sittlichkeit hervor, bei den Heiden ruhte er zunächst auf der Ansicht von der Ewigkeit und Unvergänglichkeit der Materie, wenn auch die nioralisirende Tendenz dabei nicht fehlte. Der Auferstehungsgedanke war daher bei den Juden keine Nachahmung heidnischer Anschauungen. Die Sadducäer bildeten die alte überkommene Priesterpartei Ihnen hatte die reforinirende Volkspartei der Pharisäer in der nachexilischen Zeit das Heft der religiösen Volksbildung und -Erziehung aus der Hand genomme»; die Leitung der politischen und religiösen Angelegenheiten lag zeitweise mit bei den Pharisäer». Durch Meinungsverschiedenheiten und Parteistreitigkeiten standen sich beide oft schroff gegenüber. So hielten auch in der Unsterblichkeitstheorie die Sadducäer streng und conservativ an der mosaischen Ansicht von dem rein psychischen Fortleben der Seele fest. Sie leugneten somit den leiblichen Auferstehuugsglauben der Pharisäer, aber nicht die! Unsterblichkeit. Fälschlich wird diese Scheidung der Ansichten nicht auseinander gehalten und so vielfach verwischt und verwechselt. Wie hätten die Sadducäer, die Priester, bei dem restaurirten Tempelbau und Opfer-Gottesdienst nach der Rückkehr aus dem Exil die Gebete für Unsterblichkeit sprechen und dulden können, wenn sie Leugner gewesen wären, selbst wenn ein Meinungsaustausch eine Einigung darüber geschaffen hätte? Leugnende Sekten gab es zwar, und da auch die Sadducäer sectirend sich verhielten, mögen irrige Verwechselungen vorgekommen sein, so daß von den Sadducäern erzählt wurde, was von Anderen galt. Die Auffassung über das Berhältniß der Pharisäer und Sadducäer, wie das Wesen und die Unterschiede derselben, ist vielfach, auch im N. T, eine irrige und' bedarf der Berichtigung. Es gab Formgläubige und Scheinheilige unter den Pharisäern, wie auch in der Gegenpartei; diese werden aber von den übrigen Parteigenossen getadelt und ausgeschlossen. Die Pharisäer vertreten die Fortschrittspartei, welche den zeitlichen Verhältnissen Rechnung trug, der conservativ orthodoxen Partei dcr Sadducäer gegenüber» welche Abänderung und Entwickelung zurückwies. Aehnlich verhält es sich mit den Anhängern der Sunna im Islam. Sunna entspricht der Mischna, dem Grundbuche des Talmuds, worin die Ideen des Pharisäismus gesammelt sind. Beide Benennungeu heißen «zweites Gesetz" nach Entwickelung und Fortschritt. Die saddncäischen Priester war die ältere Partei; ältere und Parteien sind auch heute noch in der Regel Vertreter des Conservotismus. Das Jenseits die „kommende, zukünftige Welt", im Gegensatz zu „dieser" oder der „gegenwärtigen Welt",—im N. T. sind die Bezeichnungen nach jüdischem Beispiele ganz gleichartig, — ist nicht in weiter Ferne uitd höchster Höhe zu suchen, sondern zunächst auf dieser Erde und umfaßten viele Stufen der zu erringenden Sittlichkeit und Glückseligkeit. So das „Messiasreich", herbeigeführt durch den Gesalbten Gottes. (Messias, hebr. Maschiach, griech. Christas, heißt Gesalbter.) Die Salbung mit dem heilige» Oel für Hohepriester und Könige war ein Symbol. Das Licht nämlich galt und gilt »och als Symbol der Geisterleuchtenden und Herzciwärmenden Religion, denn wie das natürliche Licht die Eigenschaft der Erleuchtung und Erwärmung hat, so auch das geistige Licht der Religion. Priester und Könige, Propheten und Gesandte sind, als Beauftragte Gottes, Träger des Gotteslichts, der Religion, ihre Vertreter und Erhalter, wie das Oel Träger