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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1890-11-01 · Heft 11 (1.11.1890) · p. Seite 250

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
10 (1890)
Issue
Heft 11 (1.11.1890)
Date
1890-11-01
Page
Seite 250 (sequence 10)
Language
German
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250 Hinneigung zum Götzentum war bei Israel meistens die Folge fremder Irreführung. Im späteren Judentum, behauptet man, sei die Vorstellung von der Unsterblichkeit eine leibliche geworden. Es findet sich zwar schon Deut. 32, 39 ei» Ausspruch über Wiederbelebung der Tobten; jedoch ist es nicht sicher, daß der Ausdruck Moses aagehört, da das Deuteronomium wenigstens Zusätze undCorrekturen späterer Zeit enthält. Auch 1 Sam. 2, 6 findet sich ein solcher Ausspruch, und ebenso zeugen die Wiederbclebungsakte der Propheten Elia und Elischa dafür. Indes sprechen diese Beispiele nicht mit Notwendigkeit von der Wiederbelebung wirklich Gestorbener, sondern können auch auf Genesung und Heilung Kranker oder Wiederbelebung Scheintodter gedeutet werden. Jedenfalls geht daraus hervor, dag die Idee von der Wiederbelebung der Todten oder der Wiedergeburt des Menschen schon in dem frühen Judentum bekannt gewesen ist. Dies ist auch begreiflich, da' doch schon das heidnische Altertum diese Idee gekannt und gepflegt hat. Jedoch folgt nicht daraus, daß diese Idee von Wiederbelebung und Auferstehung im frühen Judentum die herrschende gewesen sei, sondern nur daß sie bildliche Anwendung gefunden habe. So, wie in anderen Stellen, namentlich auch in der Ezechiel's <c. 37), wo die Wiederbelebung des gleichsam erstorbenen israelitischen Nationalkörpers unter dem Bilde von Auferstehung der Todten behandelt und dies ausdrücklich als ein Gleichniß erklärt wird. Da wäre es denn auMlligdaß zur Zeit des Exils, im späten Judentum, wo die monotheistische und geistige Anffassung Gottes in Israel aufs neue und viel inteusiver erstarkte, sei, und man sich,! die geistig-psychische Auffassung der Unsterblichkeit verflacht bei sonstiger Entfernung vom Heidentum, darin wieder demselben genähert habe, daß man das Fortlebe» der Seele als eine leibliche Auferstehung und Wiederbelebung der Todten erklärte. Es wäre dies um so auffälliger, als die leibliche Auferstehungstheorie gerade von den Pharisäern, von der Partei gepflegt wurde, welche das gesunkene religiöse Wissen und Leben im Volke ganz besonders zu stärke» suchte, während die Sadducäer, die levitische Priesterpartei, die Unsterblichkeit geleugnet haben sollen. Der Widerspruch ist ein scheinbarer. Die leibliche Auferstehungstheorie wurde nicht dem Heidentum entnominen; wir haben erkannt, daß dieselbe auch der Vorzeit nicht ffremb war. Der Glaube an leibliche Auferstehung hatte bei den Juden nieder sterblichkeit wurde! eine heidnische Grundlage noch Tendenz. Die psychische Unfestgehalten, nur erhielt dieselbe in der Fortbildung und Entwickelung eine faßbare Gestalt uud Form; sie blieb nicht mehr eine verschwimmende Idee. Es gemeines und uu sondern daß die wurde erklärt, daß mit der Unsterblichkeit nicht nur ein allbegriffeneS Zurückgehen der Seele ins Jenseits zu verstehen sei, __... Unsterblichkeit eine persönliche und individuelle sei, verbunden mit einem Gerichte Gottes über die Guten und Bösen, mit einer Vergeltung für die Bestrebungen und Ergebnisse des dieseitigen Lebens, mit einer Belohnung des Guten und Bestrafung des Bösen. Ferner verband sich damit eine moralisirende Tendenz, iwelche die Aneiferung zum Guten, die Erstrebung einer höheren und immer gcstemerten Sittlichkeit bis zur höchsten Stufe bezweckte, sowohl um eine Hebung der politischen und socialen Zustände im Diesseits zu erzielen, wie der höher» und höch ten Vervollkommnung und einer vollendeten Glückseligkeit im Jenseits theilhaftig zu machen. Gleichzeitig verband sich damit ein Trost für die strebenden, ksimpfende» und duldenden Patrioten, wie die in Kampf und

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