Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 10 (1890)
- Issue
- Heft 11 (1.11.1890)
- Date
- 1890-11-01
- Page
- Seite 249 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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249 von Elia und dessen Himmelfahrt, sie alle enthalten Beweise für den vorhandenen Glauben an ein Fortleben. Moses erklärt sichi sogar, wie angegeben, entschieden für ein psychisches Fortleben. Um so auffälliger ist die vielfach herrschende Meinung, daß dieser Glaube sich bei Moses Nicht finde, überhaupt das Judentum ihn nicht kenne. Diese Meinung ist auf hie Polemik -des früheren Christentums zurückzufiihren. welches die Unsterblichkeitslehre für sich in Anspruchs nahm und an die Auferstehung Jesu knüpfte. Eine vermeintliche Unterstützung j dieser Meinung lag darin, daß die Sadducäer, die jüdische Priesterpartei, angeblich die Unsterblichkeit sogar geleugnet haben sollen. Diese Annahme aber ist falsch. Die frommen Priester hielten vielmehr der Lehre Moses entsprechend an dem psychischen Fortleben fest, im Gegensätze zu d«m bei den Pharisäern und dem Volk betonten Glauben an leibliche Auferstehung. Die außermosaischen Bücher der Bibel, die kanonischen wie apokryphischen, sprechen entschieden und mit Deutlichkeit von der Unsterblichkeit. Alle diese Bücher sind älter als das Christentum; demnach kann die Unsterblichkeitslehre dem Judentum nicht ab- und deren Ursprung dem Christentum nicht zugesprochen werden. Sie sind auch zuin größten Theil älter als die griechische Philosophie; das Judentum kann demnach die Unsterblichkeitslehre bei dieser nicht entlehnt haben. Vielmehr entnahmen die Griechen diese Lehre den Juden, und als andere Philosophenschulen dieselbe als eine fremde und jüdische bekämpften, tratest gerade Juden zu ihrer Vertheidigung auf. Ausdrücke der Bibel, wie „die Todten loben Gott nicht (Ps, 6, 6. 115, 17) oder „der Mensch ist nicht unsterblich" (Sir. 17, 30) sind vielsäch als Ableugnung der Unsterblichkeit aufgefaßt worden, aber irrig. Selbst wenn diese Auffassung richtig wäre, so wären diese vereinzelten Aussprüche dennoch kein Zeugniß für die allgemeine Ableugnung des Unsterblichkejtsglaubens, vielmehr umgekehrt für die allgemeine Annahme desselben. Der Sinn dieser Aussprüche ist vielmehr folgender: Der Psalmdichter will sagen, der Mensch sei bestrebt, so lang er lebt Gott zu loben, d. h. mit Worten und Thatest seinen Ruhm anzuerkennen, denn im Tode könne er das Versäumte nicht nachjholen. An anderer Stelle: Gott, rette den bedrängten Menschen, daß er nicht sterbe, denn im Tode kann er nichts mehr für seine sittliche Erhebung und deine Lobpreisung auf Erden thun. In gleicher Weise sagt Sira: der Mensch lebt nicht ewig auf Erden, er muß sterben, d. h. um seines geistigen Antheils und seines Seelenheils willen sei der Mensch deshalb frühzeitig und alle Zeit des Todes eingedenk, ehe es zu spät ist. Man hat behauptet, Moses habe die Unsterblichkeit nicht gelehrt, weil die psychische Auffassung derselben als zu sublim für ein an transcendentales 'und abstraktes Denken nicht gewöhntes Volk unbegreifbar gewesen sei. So ist es mit dem gewöhnlichen, für philosophisches DeukeN nicht gebildeten Menschen aber immer, auch, heute noch. Und dennoch hat Moses damals dem Volke die Lehre von einem unsichtbaren, nicht sinnlich vorstellbaren, dem abstracten Denken angehörigen Gott gegeben. Den gebildeten Römern war dies noch unfaßbar, denn Tacitus erklärt die Juden gerade deßhalb für abergläubisch, weil sie einen unsichtbaren Gott anbeten, etwas was sie nicht sehen, für Gott halten. Freilich erklärt sich dadurch bei Israel der häufige Rückfall in den heidnischen Götzendienst und vielleicht für das Christentum dis Concefiion an die zu bekehrenden Heiden, ihnen Gott in der concreten Fory« des sichtbaren „Menschensohns" vorzustellen. Bei Moses sind Gotteserkenntniß und Uizsterblichkeitslehre rein geistig gehalten. Nur die Wahrheit, nicht Zweckmäßigkeit, war dabei maßgebend, Die .-■ I