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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1890-11-01 · Heft 11 (1.11.1890) · p. Seite 247

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
10 (1890)
Issue
Heft 11 (1.11.1890)
Date
1890-11-01
Page
Seite 247 (sequence 7)
Language
German
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Die Alliance teilt mit den Juten überhaupt das Schicksal: von den Antisemiten gehaßt, verleumdet und in elmdester Weise verdächtigt, von einem beträchtlichen Teil ihrer jüdischen Gesimungsgenossen aber — denn ei giebt auch jüdische Antisemiten — als überflüssig und schädlich mißachtet zu werden. Welche empörende Bosheit hat man über die Alliance und über deren bedeutendsten Leiter, den 1880 verstorlenen Cremieux ausgeschüttet! Die Alliance verschimpfte man als einen Gauuerbluid.um den Juden Macht und Herrschaft zu erringen, ganz ähnlich wie man ins Mittelalter den Juden Brunnenvergiftung und Luftverpestung andichtete. Cremieux, diesen Ehrenmann, der ebenso groß war als Jude wie als Patriot — als französischer natürlich, da er in Frankreich geboren war und lebte, — ebenso hervorragend als Jurist wie als Staatsmann, ihn hat die giftige Verleumderzunge deutscher Antiseiniten — o daß man das edle Beiwort deutsch solchem Miß- und Mischwort zufügen muß! —zum feigen Mörder gestempelt, der dem Kaiser Wilhelm nach dem Leben getrachtet, und einen Preis aus seinen Kopf ausgeschrieben haben soll. Sowohl Cremieux als nach seinem Ableben seine Tochter — obwohl Christin, doch Erbin seiner Seelengröße — hielten es unter ihrer Würde, den Strafrichter wegen dieser schimpflichen Verleumdung anzurufen. Und so wuchert sie in de» Antisemitenblättern fort. Noch in allerjüngster Zeit hat das Berliner Jesuitenblatt Germania ein gefälschtes Schreiben der Alliance veröffentlicht, in welchem die Inden in Galizien, aufgefordert werden, dort allen Grundbesitz zu erwerben. „Alle unsere reichen Glaubensgenossen, Hirsch, Rothschild, Bleichröder, Mendelssohn — heißt es in dem elenden Machwerke — werden sich große Opfer auferlegen, um in den Besitz Galiciens zu gelangen."— Der Name Cremieux ist seit 50 Jahren in den Herzen aller Juden eingeschrieben, die Sinn und Teilnahme für ihre Glaubens- und Leidensgenossen haben. Im Jahre 1840 ein berühmter und vielgesuchter Verteidiger in Paris, nahm er im Verein mit dem gleichhochgesiniiten Moses Montefiore in London sich der Glaubensgenossen in Damaskus an, welche ein mönchisches Bubenstück in der, wie früher so seitdem wieder so oft und gleich ruchlos gehandhabten Weise des Mordes beschuldigt hatte, um Christeublut zu Osterkuchen zu verwenden. Der französische und der östreichische Consul unterstützten die Ankläger, verteidigten die Weltlüge. Da rissen Cremieux und Montefiore den Heuchlern die Larve vom scheinheiligen Gesicht und befreiten die lang und schuldlos gefangenen Glanbensgenossen. Seidem haben der Franzose Cremieux und der Engländer Montefiore, wie der gleichstrebende Deutsche Gabriel Rießer lebenslang treu das gute Recht ihrer Glaubensgenossen in Wort und Schrift und That, mit Einsetzung ihrer Persönlichkeit, ja nicht zum Mindesten durch diese selbst verfochten und vertreten. Und was diese brei großen Führer — Stadtlonim nannten die Juden im Mittelalter solche Wohlthäter — durch ihr persönliches Wirken erzielten, dafür treten jetzt, da solche Kräfte fehlen, Vereinigungen ein, Die Alliance besteht nun 30 Jahre. In« Mai 1860 wählten 17 Juden in Paris aus ihrer Mitte ein sechsgliedriges Comite— darunter Oberrabbiner Astruc, jetzt in Bayonne — zur Begründung einer Vereinigung der Juden zu gemeinsamem Schutz und allgemeiner Förderung, nach dem Vorbild der evangelischen Allianz. Sie erließen einen „Aufruf an alle Israeliten der ganze» Welt," um Anschluß und Mitwirkung „zum großen und hoffentlich segensreichen Werke." Es handle — heißt es in diesem Aufruf — sich um eine von Land zu Land reichende Gemeinsamkeit aller Israeliten, den Glücklichen zur Ancifernng, den

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