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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1890-11-01 · Heft 11 (1.11.1890) · p. Seite 246

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
10 (1890)
Issue
Heft 11 (1.11.1890)
Date
1890-11-01
Page
Seite 246 (sequence 6)
Language
German
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246 werden zuin Theil vereine, so am 7. »och, an den Stiftungstagen der jüdischen Wohlthätigkeitskldar, dein vermeintlichen Gebnrts- und Sterbetage Mosis, von den Beerdignngsbr idetschafteu abgehalten. An ihnen werden eigens dazu gedichtete alte hebräi che Lieder, natürlich ernstreligiöser Art, gesungen. Als im Jahre 1850 hier e u Fest dieser Art gefeiert wurde, ließ ein geistreicher Arzt diesen düstren Gesängen ein hnmoristisches Tafellied und einen freisinnigen Trinkspruch folgen. Da; erregte den Zorn des Oberrabbiners Or. Frankel in dem Maße, daß er sofo t die Tafel verließ, obschon er mit jenem seinem Hausarzte befreundet blieb. In diesen Che,Vra-Sudoth liegen die Anklänge zu de», meines Wissens zuerst unter Moses Mendelssohn in Berlin, später in Breslau, Pose», Leipzig und anderen Orten errichtetei Briider-Vereinen und Gesellschaften der Freunde, d. h. einer Verbindung von Wo hlthütigkeits-und G^selligkeitsvereinen in jüdischen Kreisen. Daran schlo'se» sich auch Fortbildnngs- und Bortragsvereine. Ich selbst habe in meinem 1872 im Synodalblatt, 1874 in dem Buch „Zu Chanukka" abgedruckten Aufsatze „Vorwärts" die Anregung gegeben zur Begründung jüdischer Fortschrittsvereine unter dem Namen Moses- Mendelsohns-Vereine „zur Förderung jüdischer Bildung und Fortbildung, als Sammelpunkte für alle Inden, denen ihr Judentum lieb und wert ist, die es erhalten wollen, aber weil sie dies wolle,, sich auch verpflichtet halten, es fortzubilde», mögen sie auch über das Mehr oder Minder der Form und Reform verschiedener Meinung sein, als Sammelpunkt für alle mit Ausnahme, der Zeloten, zu gegenseitiger Verständigung und Förderung, wie zur Abwehr von Angriffen." Der Ausschuß des deutsch-israelitis hen Geiiieindebundes hat im Jahre 1879 in gleichem Sinne zur Bildung solcher Mnses-Mendelssohnsvereins aufgefordert. In Frankfurt a. M. hat sich denn auch ein solcher Mendelssohnverein gebildet, dessen Vorträge und dessen Organ, bin sehr empfehlenswerten „Populär-wissenschaftliche Mouatsblätter zur Belehrrug über das Judentum für Gebildete aller Confessionen," die einzige freisinnige jüdische Zeitschrift i» Deutschland, sich bereits als segensreich wirksam bewährten.*) Allgemeinerl!/über den Kreis der einzelnen Gemeinde hinaus gehende Vereinigungen der Juden sind erst das Werk der neuesten Zeit, der letzten drei Jahrzehnte. Daß sie zu Stande kommen konnten, daß sie je länger je mehr gedeihen: das spricht laut und preisend dafür, wie das von sogenannt frommer Seite ungerecht verlästerte, das von dünkelhaften Strebern, die sich ihm entfremdet, vornehm verachtete Judentum unsrer Tage größer und herrlicher entwickelt ist, als j: zuvor, daß das seit den letzten dreißig Jahren thätig gewesene Geschlecht der Juden — freilich in seiner Gesammtheit und durch hervorragende, begeisterte Führer, nicht in allen Einzelne», für Inden nnd Judentum in einer Weile schöpferisch thätig war, die früheren Jahrhunderte fern liegen mußte und fern lag. Wenn „Älles schon dagewesen" — neu und nie zuvor gekannt, ja i mi* geahnt sind die beiden großen und großartigen Vereinigungen der Alliance Jsrcwlite Universelle und des deutsch-israelitischen Gemeindebundes. Ihr Entstehen, ihr Gedeih« belegt die Wahrheit des alten Spruchs: „Israel ist nicht v:rwaist," in früher kaum für denkbar erachtetem Umfange. ihre *) Die in empfehlende Allgeme sähen zugänglich, such r jehigen redaktionellen Umwandlung gleichfalls sehr warm zu ne Zeitung des Judentums, obgleich neuerdings freisinnigen Aufdoch eine mehr objektive, wo nicht vermittelnde Stellung einzuhalten.

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