Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 10 (1890)
- Issue
- Heft 10 (1.10.1890)
- Date
- 1890-10-01
- Page
- Seite 228 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2969669-2969933-2969944--3035-2976721- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
228 \ That nicht ausschließen und überflüssig machen, denn darin Wurzelt das Wesen der Moralität; sondern das Gesetz will die Befolgung der guten Lehre und die Ausübung der guten That nur sichern. Zunächsti fordern Religion und Leben, daß die gute That geschehe, das Gesetz befolgt werde, mit oder ohne innere Zustimmung, beim das nioralische Lebe», das Leben i» Sittlichkeit, Liebe und Gerechtigkeit. kaim auf die Ueberzeugung und Zustimmung, auf die Gesinnung und freie Entschließung des Einzelnen nicht warte». Sie wird aber vorausgesetzt und gefordert, gelehrt undauerzogen. Die innere Moralität ist nicht gleichgültig und entbehrlich, sondern nothwendig und erforderlich, aber wo und so lange sie fehlt, tritt die gesetzliche Moralität an die Stelle, damit wenigstens das Gute geschehe und zur Ausführung gebracht werde, damit die gute That nicht fehle. Das Rechte md Gute muß ja in der gewöhnlichen Welt befohlen und erzwungen werden, durck Gesetz und Gewalt, durch Mahnung und Drohung; von selbst und aus eignem Äntrieb, ohne Vortheil, ohne Aussicht auf Lohn und Anerkennung, geschieht es it der Regel nicht. Es beruht demnach auf Jrrthum, wenn das polemische Christenthum sich später über das Judenthum als eine Religion des Gesetzes erhob; eine etwaige Inferiorität des Judenthums kann danlit nicht begründet werden. Der neutestamentliche Ausspruch: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt" hat nach dem Zusammenhang nicht d:n Sinn, daß das Christenthuin sich gegen das diesseitige Lebeil gleichgültig virhalte, oder in der Weltflucht eine ideale Richtung desselben erstrebe, das Erdenleben flieht um den moralischen Versuchungen und sinnlichen Genüssen desselben zu entgehen: Jesus wollte damit nur seinen politischen Gegnern und Versuchern answeichen, die ihn revolutionärer Umtriebe ziehen und bei der römischen Gewaltherrschaft anklagten; er wollte mit diesem Ausspruch seine Bestrebungen als moralische, dein geistigen, nicht dem politischen Gebiete angehörige andeuten. I (Fortsetzung folgt). Arber it und Arbeiter im jüdischen Wolke. Vortrag gehalten von Dr. Adolf Kurrein, Rabbiner und Prediger in Teplitz. (Fortsetzung.) Nachdruck verboten. Die Religion ninimt eine so weitgehende Rücksicht auf die Arbeit, daß sie dem Pesachfeste 8 Tage, dem Laubhüttenfeste 9 Tage einräumt, weil diese Feste in eine arbeitslose Zeit fallen, hingegen sollte das Wochenfest, das zur Zeit der Weizeneinte geiseiert wird, nur einen Tag dauern, damit die Arbeit infolge der Festlichst iten nicht leide, so begründet R. Simon die Dauer der Feiertage?) Wiewohl m m eigentlich seine ganze Zeit dem Studium der Religion widmen sollte, so wird es dem ganz gleich gehalten, wenn man nur morgens und abends einen Satz lirnt uyd die übrige Zeit der Arbeit zuwendet?) Auch das Strafgesetz berücksichtigt die Arbeit. Der Dieb, der ein Rind gestohlen, m »h es fünffach bezahlen, während der Diebstahl eines Schafes nur vierfach erseht werden muß; denn die Arbeitsstörung, die durch den Verlust des Rindes dem Eigentümer verursacht wird, gilt als erschwerend und hat einen Jcltut c 904; 2) Mechilta zu 16, 4.