Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 10 (1890)
- Issue
- Heft 10 (1.10.1890)
- Date
- 1890-10-01
- Page
- Seite 226 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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226 konserviert wurden. Die Juden achten wenigstens noch darauf» daß die Gräber und Leichen u «berührt und unversehrt bleiben. Durch jüdischen Einfluß nahmen die griechischen Philosophen den Glauben an eine Präexistenz der Seelen an; hiermit verband sich dann auch consequent der Glaube an ein psychisches Fort» leben der Seel e. Die Präexistenz der Platonischen Ideen und Seelen findet sich besonders in ter jüdischen Kabbala ausgebildet. Bei der Geburt soll ein Engel dem Kinde die Hand auf den Mund legen, uni Schweigen zu gebieten und zu bewirken» daß alles von jenseits mitgebrachte Wissen in Vergessenheit gerathe. Auch die Anschauung von der Seelenwanderung findet sich dort, „Gilgul" (Fortwälzunggenannt. Von einzelnen Personen wird berichtet, daß in ihnen die Seele eines bestimmten Verstorbenen wiedergekehrt sei. Die Sitte der Juden, Neugeborene mit dem Namen von Verstorbenen zu benennen, wurzelt, außer in pietätvoller Anhänglichkeit, ursprünglich in dieser Anschauung von der Wiedergeburt und Sedlenwanderung. Diese Namengebung wird ausdrücklich als Wiedergeburt der Verstorbenen bezeichnet. Die materialistischen Epikuräer bekänipften diese Anschauung unter Griechen und Juden, und es bildete sich auch unter den letzteren darüber eine polemische Litteratur. Ein biblisches Buch sogar, Kohelet „Prediger," ist diesem Gegenstände gewidmet. Jedenfalls erkennt man hieraus, daß ' die Unsterblichkeitslehre den Juden nicht erst von den Griechen in der späten hellenistischen Periode bekannt wurde, wie daß bei den Heiden dem Glauben an Wiedergeburt sittliche Tendenzen nicht ganz fern gelegen haben. Die rein psychische Seelenlehre, auf vollständiger Trennung von Geist und Materie beruhend, tritt uns zuerst, und zwar mit ausdrücklicher Betonung des Gegensatzes, bei Moses entgegen. Gott schuf die Welt aus dem Nichts, wie uns die mosajsche Schöpfungsgeschichte lehrt, also nicht aus dem schon vorher und von Ewigkeit vorhandenen Stoffe, wie das Heidenthum lehrte. Von der Schöpfung dev Thiere heißt es, sie giengen durch Gottes Hand lediglich aus dem Stoffe als belebte Wesen hervor; ihr Leben ist demnach ausschließlich ein stoffliches, irdisches und vergängliches- Anders der Mensch. Sein Leib ist zwar ebenfalls aus dem Stoffe der' Erde gebildet und veränderlich, vergänglich wie dieser, aber doch anders gsartet, als^der Leib des Thieres. Von diesem heißt es, die Erde brachte ihn al '' Leibe, an dem lebendes Wesen hervor; sein Leben vergeht demnach auch mit dem es hängt. Der Leib des Menschen aber ist von Gott gebildet und wird erst durch die lebende Seele belebt, die ihm Gott einhaucht. Es ist dies der persönliche Seele bedingt Charakterzug eines jeden menschlichen Individuums, der von der -.ist. Denn jeder Mensch ist wie seelisch, auch leiblich von dem andern zu unterscheiden: die Thiere sind individuell von einander nicht zu unterscheiden, sondern nur nach Arten. Der biblische Ausspruch: „Gott sprach, wir wollen einen Mensche!« machen," findet seine einfachste Erklärung darin, daß Gott so zu der vorerschaffenen , präexistirenden Seele gesprochen, in dem Sinne, daß er für sic den entsprechenden Leib bilden wolle. Andere, übliche Erklärungen erscheinen willkürlich und gesucht. Die Belebung des menschlichen Leibes geschah, wie die Bibel sagt, durch göttlich«! Einhauchung der Seele. Das Leben gibt sich durch Hauch und Athem kund; daher das Bild vom Einhauchen der Seele, welche Hauch, Athem genannt wird. Menschenleben und Menschenseele sind demnach, unterschiedlich von den Thieren, als göttlich bezeichnet; das Thier hat ein stoffliches, leibliches, animalisches» der Mensch ein geistiges, psychisches Leben, jenes ist allein vom Leibe abhängig, dieses nicht. Der Mensch ist darum ein dualistisches Wesen, ein