Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 10 (1890)
- Issue
- Heft 10 (1.10.1890)
- Date
- 1890-10-01
- Page
- Seite 225 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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— 22h — vor unserer üblichen Zeitrechnung), um uns dadurch die unter allen Umständen sich gleichbleibende Sanftmuth Hillels und das aufbrausende Wesen des Schamai zu veranschaulichen. So erzählt er uns uyter anderem: Einst kam ein Heide zu Schamai und sprach zu ihm: nimm mich auf in das Judentum, jedoch unter der Bedingung, daß du mich mit der ganzen Tora bekannt machst während ich auf Einem Fuße stehe. Schamai entrüstet hatte ihm die Thüre gewiesen, darauf gieng er zu Hillel mit demselben Begehren. Dieser nahm ihn in das Judentum auf, indem er zu ihm sprach: was dir verhaßt ist, das thue keinem andern, das ist die ganze Tora; das andere ist der Commentar. Nun gehe und lerne ihn! Vor mehreren Jahren hatte ich nün in einer Zeitschrift die Bermuthung ausgesprochen daß der Ausdruck: während ich auf Einem Füße stehe nicht buchstäblich aufzufassen, sondern als eine sprüchwörtliche Redensart zu betrachten sei, durch welche der Gedanke: in kürzester Frist zum Ausdruck gebracht werden sollte und habe damit die Ähnliche französische Redensart au pied leve, in der Bedeutung: möglichst rasch verglichen. Nunmehr ist mir diese Vermuthung zur Gewißheit geworden. Denn in diesen Tagen begegnete ich beim H o r a z in der vierten Satyre des ersten Buches seiner Satyren derselben Phrase mit genau denselben Worten: «tans pede in uno auf Einem Fuße stehend. Und diese Phrase characterisiert sich zugleich dadurch als sprüchwörtliche Redensart, weil an der angegebenen Stelle eine buchstäbsiche Aufassung durchaus unzuläßig ist und nur der Gedanke: in kürzester Ar ist in drastischer Weise ausgedrückt werden soll. / - Frankfurt a. M. Juli 1890 j ** Süskind. -J- Aer Htauve an HlnsterblichKeil und die Idee der Wiedergeburt des Menschen. Von Di-. Rothschild. (Fortsetzung) Die Aegypter verbanden damit die sogenannte Seelenwanderung, d. h. den Glauben, daß die Seele der Verstprbenen in verschiedene Körper, auch Thierkörper übergehe, falls sie durch ein sündhaftes Leben eine solche Degradation verdient habe. Erst durch Büßung der Schuld könne die Würdigkeit, in den ursprünglichen Körper zurückzukehren wiedergewonnen werden, um alsdann durch ein neues menschliches Leben sich die Würdigkeit zu einer Steigung und Erhebung in eine höhere Klasse und Kaste der menschlichen Gesellschaft zu verdienen. Diese Anschauung hängt demnach mit dem Kastenwesen der Aegypter zusammen, hat wohl eine sittliche, aber auch eine politisch-sociale Tendenz. Die Aegypter konservierten zu solchem Zwecke die Leiber der Todten durch Balsamierung und Steinsärge. Letztere wurden zwar, auch aus Mangel an Holz gewählt, aber man benutzte dazu auch spcciell die Pyramiden, welche einen heiligen Charakter hatte««, so daß die Todten iw Heiligthuin ruhten. Auch christliche Kirchen werden bis heute zu Gräbern benutzt für Kirchen- und Landesfürsten, wie die Pyrainiden Königsgräber oder Todtenkammern für die Könige waren. Bei anderen Völkern herrschte her Glaube an die Auferstehung und Wiederbelebung der zerfallenen und verwesten Todtenleiber, auch ohne daß diese