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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1890-10-01 · Heft 10 (1.10.1890) · p. Seite 224

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
10 (1890)
Issue
Heft 10 (1.10.1890)
Date
1890-10-01
Page
Seite 224 (sequence 8)
Language
German
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224 Briefe der Kaiserin Augusta an Arauvon Wonin. Aus einem „Ich komme auf uufer neulich besprochenes Thema zurück, weil ich noch Dies nnd Jenes zu sagen habe. Die Art, wie in Volksversammlungen und in einem Theil de, Presse gegen die Juden getobt wird, ist ganz und gar nicht nach meinem Geschnack. Die Bewegung wird bei dem Haß, zu dem einzelne Führer auf: eizen, total unchristlich, und weil dies Moment je länger je mehr hervortritt, so frage ich, was soll der Lärm? Er trägt in die Volksseele viel G ist hinein, und die Folge wird sein, daß auf viele Jahrzehnte hinaus die Juden in ihren, Gemüth sich verhärten. Ich weiß noch von meiner Jugend her, daß in de , zwanziger und dreißiger Jahren eine der heutigen antisemitischen Bewegung völlig entgegengesetzte im Gange war: damals ließen? sich von den angesehenen Juden sehr viele taufen, und deren Familien zählen heute mit zu den respektabelsten im Lande. Damals trug sich das Christenthum mit seinem vorherrschend humanistischen Gepräge Allen als eine begehrenswerthe Religionslehre an, denn dann ls hatte sich die Weltanschauung mit Herder'schen Lehren und mit Hegel'schen Giundsätzen erfüllt, und das Christentum übte eine bezwingende Wirkung auf alle intelligenten Bekenner der israelitischen Religion aus. Es bleiben mir di : Stunden unvergeßlich, in denen ich mit Leopold Zunz religiöse Fragen besprach. Nicht viel fehlte, und auch er gab „die große Grille seiner Seele" auf. Damit bezeichnete er seinen Entschluß, es Anderen nicht nachzuthun, die Christen geworden waren. Der Zug zum Christenthum war ein gewaltiger geworden. Das wird jetzt Alles anders werden, und ich möchte besorgen, der Antisemitismus werde, wenn er andauern sollte, in sozialer und politischer Beziehung gerade so schädlich wirken, wie nach der religiösen und sittlichen Seite hin, wenn ich nicht der festen Ueberzeugung wäre, daß er sich wieder verlaufen wird, weil er ein blnßes Kampfmittel zur Erreichung augenblicklicher politischer Zwecke ist. Ja, ich glcube, die Zeit ist nicht mehr allzufern, wo Viele nicht werden zugeben wollen, jemals von dem antisemitischen Wahn besessen gewesen zu sein. Ich habe natürlich keinerlei Neigung, mich für die specifisch jüdische Sache zu echauffiren, aber ich niißbillige den Antisemitismus, weil er eine durch und durch unchristliche Erscheinung ist. Wir schädigen durch ihn unser Ansehen und brirgen uns in den Verdacht religiöser Unduldsamkeit. Wo bleibt denn die Möglichkeit, auch nur noch einen einzigen Juden den, Christenthum zuzuführen? Und zählt denn nicht zu den christlichen Vereinigungen auch die Judenmission? Damit ist es v >rbei, und vollends entrückt sind wir dem Ausblick auf die Zukunft, die nach neutistamentlicher Verheißung für den einen Hirten eine Heerde haben soll. Ich habe es freudig begrüßt, daß der Kronprinz für den antisemitischen Lärm strafende Worte hatte; es sind ihm wohl mütterliche Worte im Gedächtnis geblieben, die den Lehren Herder's entnommen waren. Ich halte dafür: wir müssen ans der jetzigen Strömung so bald als möglich wieder heraus, und mein Bedauern über.die Vorgänge soll sich verringern, wenn die Juden aus ihnen für ihr Verhaften manch' guten Wink bekommen haben." Tatmud und Koraz. Der Talmud (Schabb. 31a) berichtet einzelne Vorkommnisse aus dem Leben der beiden Synhcdrialhäupter Hillel und Schamai (lebten circa 50 Jahre

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