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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1890-10-01 · Heft 10 (1.10.1890) · p. Seite 221

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
10 (1890)
Issue
Heft 10 (1.10.1890)
Date
1890-10-01
Page
Seite 221 (sequence 5)
Language
German
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221 — ist, und daß wir ohne Zagen und Bangen in unserere Zukunft hinaus blicken können, wenn unsere Herzen von tiefem reinem Gottessinue beseelt sind. Dieses Geistesleben wollen wir nun gleich unseren Vätern hochstellen und Hochhalten, wollen das Licht der Weisheit und der Gotteserkenntnis in Israel wieder in seiner alten Herrlichkeit erstrahlen lassen, auf daß es wie ein verheißungsvoller Morgen aufgehe über die Finsternis, in die unsere Verblendung uns hineingeführt hat, und uns ein Wegweiser werde auf dem so unsicheren Zukunftspfade, auf dem wir nun dahin wandeln sollen. O, laßt das Leben des Geistes, das Emporstreben zu dem Ewigen, das Verlangen nach dem Guten in eueren Herzen, wieder wach werden! fraget und suchet wieder nach Euerem Gotte, suchet J)ie Pfade des Rechtes und der Wahrheit wieder auf, bahnt in Eueren Herzen die Wege, die zu dem Ewigen Euch hinführen! der Herr ist Euch nahe in seiner erbarmungsvollen Huld und Treue, wohlgefällig blickt er auf die Thaten euerer Bekehrung und Besserung hin. Der Vater ruft, will mit seinen untreu gewordenen Kinder in Liebe sich versöhnen, o höret auf sein Wort, folget seinem Ruf, kommet wieder, kehret zurück! Schreiben am Savval. Von Dr. Rothschild, Rabbinner in Alzey. Die Frage, ob es religiös erlaubt oder verboten sei, am Sabbat zu schreiben, ist wieder in den Vordergrund geworfen worden, und zwar hauptsächlich durch die antisemitischen Feindseligkeiten, welche in der Weigerung jüdischer Schulkinder, am Sabbat zu schreiben, einen neuen Grund finden wollen» diese von der Aufnahme in die öffentlichen Schulen auszuschließen. Als Motiv wird angegeben, die Weigerung, am Schreiben teilzunehmen, wirke störend auf den allgemeinen Gang des Unterrichts. Die Feindseligkeit glebt sich dadurch zu erkennen, daß nicht nur die einzelne« wenigen ausgeschlossen werden sollen, welche vom Schreiben sich ausschließen, sondern alle, auch diejenigen, welche unterschiedslos gleich den christlichen Schülern sich daran betheiligen. Hier wird es klar, der Grund der Ausschließung ist nicht, weil sie sich weigern, am Schreiben theilzunehmen, sondern weil sie Juden sind. Es erscheint auch überflüssig, die Frage zu verhandeln, ob die sich von der Theilnahme am Schreiben ausschließenden jüdischen Kinder schädigend auf den allgemeinen Unterricht einwirken, denn von einer solchen vermeintlichen Schädigung hat früher nichts verlautet, als die Zahl der sich ausschließenden eine größere war, ja alle jüdischen Schüler in sich faßte; jetzt ist diese Zahl gering und nimmt täglich ab. Bon Interesse aber ist es, die Frage zu erörtern, ob die Enthaltung vom Schreiben beim Schulunterricht für jüdische Kinder eine religiöse Berechtigung hat oder gar eine Notwendigkeit ist. Wie in so vielen rituellen Fragen des praktischen Lebens, ist das Leben der theoretischen. Entscheidung vorangeeilt, es hat nicht Zeit gehabt, .im Drang.

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